24. März 2022 13:00

Maskenfetischisten und die Pflicht Warum können sie nicht loslassen?

Ein Versuch, sie zu verstehen

von Sascha Koll

von Sascha Koll drucken

Neulich las ich auf Twitter folgenden Satz einer Mutter mittleren Alters, die sich selbst als linksgrün bezeichnet und ihre Personalpronomen in der Profilbeschreibung ausweist: „Lasst mich in Frieden, es ist meine persönliche Freiheit, meine Maske weiter zu tragen, und ich beuge mich keiner Diktatur von Querpfosten!!!“

Der Satz beginnt eigentlich sehr libertär, doch eskaliert er gegen Ende in einer falschen Annahme und einer Beleidigung. Auf Nachfrage, wer ihr bei Wegfall der Maskenpflicht verbieten würde, die Maske auch weiterhin zu tragen, führte sie einen Tweet an, der mit ihrem eigenen erst mal gar nichts zu tun hatte. Zudem war dieser Tweet auch nur eine Überspitzung der Aussage „Macht doch, was ihr wollt“. Seiner Meinung nach könnten sich die Maskenfetischisten diese auch gerne im Gesicht festtackern. Also war die Aussage sogar exakt das Gegenteil dessen, was sie behauptete. Ich denke, dass sie, so wie ich, genauso wenig Erfolg hatte, jemanden zu finden, der ihr verbieten würde, eine Maske zu tragen, und sie daher dieses unpassende Beispiel anführte.

Projiziert sie etwa? Ich denke, ja. Sie überträgt ihre innerpsychischen Inhalte, hier vor allem den Zwang, den sie bisher auf andere ausgeübt hat, auf andere Personen. In ihrer Welt ist es scheinbar völlig normal, andere Menschen mit Zwang und Androhung von Gewalt zu gewünschten Handlungen zu bewegen. Deswegen glaubt sie auch, dass, gesetzt des Falles, dass es keine Maskenpflicht mehr geben würde, es eine Pflicht, keine Maske mehr zu tragen, also ein Maskenverbot, gäbe. Wenn ich ähnliche Synapsen-Verbindungen hätte, würde ich das auch als übergriffig oder diktatorisch ansehen. Was sie auch nach mehrmaligem Hinweis nicht versteht, ist, dass sie einer falschen Annahme aufsitzt und selbst nicht einsieht, dass eben sie mit ihrem Verhalten in den letzten zwei Jahren, anderen Masken aufzuzwingen, genau das ist, vor dem sie Angst hat. Sie hat vermutlich, wie die Mehrheit der Gesellschaft, die Anwendung von Zwang durch irrationale Ängste begründet, unter denen sie auch heute noch leidet. Wie genau ihre Probleme zu lösen sind, wird ein Psychologe wohl besser beantworten können als ich. Vor allem sind Ängste nicht immer der offensichtliche Grund für Abwehrhaltungen.

Zum Beispiel schreibt die „taz“-Kommentatorin Anna Fastabend darüber, warum Masken total super seien. Sie findet neben den üblichen Horrorzahlen, die die Regierung veröffentlicht, zwölf weitere Gründe, warum man sich die Masken nicht voreilig vom Gesicht reißen sollte. Auch unter diesen Thesen finden sich einige psychologische Auffälligkeiten, die zu einer Angst vor der Normalität ohne Maske führen. Sie bringt persönliche Probleme mit sich und ihrer Umwelt vor und überträgt diese auf die gesamte Gesellschaft. Zudem findet sich in den Thesen kein Argument für eine Maskenpflicht, sondern nur persönliche Vorteile, die ihr gegönnt seien. Auch hier ist hervorzuheben, dass sie niemand davon abhalten wird, eine Maske zu tragen, wenn sie es möchte.

Anna Fastabend hat den Eindruck, dass ihr durch die Maske weniger auf Hintern und in den Ausschnitt, sondern mehr in die Augen gesehen würde. Dass der Fokus nun mehr auf den Augen liegt, klingt logisch. Es scheint aber wahrscheinlicher zu sein, dass er eher von der Mundpartie zu den Augen als von anderen Körperregionen, die von der Maske nicht bedeckt werden, wanderte. Ich will ihr diese Ansicht nicht absprechen, aber nachvollziehbar ist sie für mich nicht.

Weiter schreibt sie davon, dass sie sich nicht mehr gezwungen sieht, jederzeit zu lächeln, was darauf schließen lässt, dass sie schon vorher ein Problem damit hatte, immerwährend andere Emotionen, als sie wirklich empfindet, vorzutäuschen. Die Maske mag hier ihr Problem teilweise überdecken, aber das zugrunde liegende Problem, das darin besteht, dass sie meint, sich für andere verstellen zu müssen, was auf ein gestörtes Selbstwertgefühl hindeutet, wird sie damit nicht lösen. Was sie ebenfalls nicht zu beachten scheint, ist, dass man sehr wohl trotz Maske erkennen kann, ob jemand lächelt oder nicht, da die verschiedensten Muskelgruppen im Gesicht daran beteiligt sind und schon die Augenpartie ein Lächeln unter der Maske verraten kann.

Auch übermäßigen Knoblauchkonsum erlaubt sie sich mit der Maske, weil sie davon ausgeht, mit ihr eine Geruchsbelästigung für andere vermeiden zu können. Rücksicht auf seine Mitmenschen zu nehmen ist ja schön und gut, aber ich habe das Gefühl, dass sich die Dame zu viele Gedanken darüber macht, was andere über sie denken.

Das Problem, dass man andere Personen unter der Maske teilweise sehr schlecht versteht, sieht sie als Vorteil an, da ihr Umfeld dadurch ruhiger geworden sei. Man muss nicht andere zu etwas zwingen, um seine Ruhe zu haben. Für nervige Zugabteile gibt es Ohrstöpsel oder Noise-Cancellation-Kopfhörer. Sie beschreibt die Maske wie eine himmlische Decke, die über das Gerede gelegt wird. Hierin sehe ich wieder ein Problem, dass sie einfach nicht mit Alltagssituationen umgehen kann und sich abschotten will.

Schlaflose Nächte werden durch die Maske verhindert, indem sie die irrationale Angst vor Corona, Tröpfchen und Aerosolen, die angeblich heute mehr herumschwirren als je zuvor, abmildern. Was mag nur mit ihr passieren, wenn sie erfährt, dass die Maske gar nicht so sehr schützt, wie sie es sich erhofft? Hoffentlich liest sie niemals die Packungsbeilage, auf der gewarnt wird, dass die Maske nicht vor Viren schützt.

Wer die Maske nicht ordnungsgemäß trägt, kann übrigens sehr schnell als Feind erkannt werden. Entweder ist die Person ein Covidiot, pubertär oder ein ignorantes Arschloch. Die Maske zeigt ihr, ob ihr Gegenüber Teil ihres Kults ist oder nicht.

Masken schützten auch vor Grippe oder anderen Viren und Bakterien, so ihre Annahme. Nun, gegen Viren helfen FFP2-Masken nicht. Aber lassen wir sie mal in dem Glauben, um die Angst nicht weiter zu befeuern.

Weitere Argumente sind, dass sie sich unter der Maske mit Kapuzenpulli und Sonnenbrille so gut verstecken kann, sie sich geborgen wie unter ihrer kuscheligen Bettdecke fühlt und jetzt alle Menschen gleich sind – zumindest was die Segelohren betrifft.

Dann singt sie auch noch hinter der Maske in der Bahn lautlos mit, was ohne sie nicht möglich sei, weil die Maske sie in ihrem Kopf unsichtbar zu machen scheint. Manchmal streckt sie auch Mitfahrern heimlich die Zunge heraus. Ich weiß nicht, wie sie das inkognito macht, aber bei mir bewegt sich mehr im Gesicht als nur die Zunge, wenn ich sie jemanden herausstrecke. Zur Mimik gehören auch die Augen, die, wie schon erwähnt, recht viel verraten können.

Abschließend behauptet sie, wer die Maske in den Müll werfen will, habe den Verstand verloren. Ich wage zu behaupten, dass sie sich selbst mal Gedanken über ihren Verstand machen sollte. Möglicherweise bestehen hier Angst- und Selbstwertstörungen, die sich darin äußern, dass sie sich immerzu verstecken muss. Zudem stelle ich, wie bei jedem Konsumenten der Mainstream-Presse, erhebliche Wissenslücken zum Thema fest, die, wenn sie aufgefüllt werden, auch ihre Angst vor der angeblich tödlichsten Seuche seit der Pest mildern könnte.

Ich bemerke, dass in den sozialen Netzwerken, aber auch in Online-Kolumnen immer wieder Vorteile der Maskenpflicht herbeiphantasiert werden, die eigentlich nur persönliche Empfindungen sind, die dann aber auf eine gesamte Gesellschaft projiziert werden. Niemand hat diesen Leuten jemals verboten, weiterhin Masken zu tragen. Daher sind sie in ihrer persönlichen Freiheit nicht eingeschränkt und können ihre Wohlfühlatmosphäre unter der Maske behalten. Aber die Freiheit derer, die keine Maske tragen wollen, wird nicht wertgeschätzt. Die Schikane, die sie anderen angetan haben, befürchten sie nun auch für sich, doch die wird es nicht geben. Ich glaube nicht, dass die Menschen in Deutschland so rachebedürftig sind und vollkommen irrationale Verbote wie ein Maskenverbot fordern und durchsetzen würden. Also bleibt gelassen und genießt die Freiheit für alle, sich zu maskieren, wie es ihnen gefällt.


Sie schätzen diesen Artikel? Die Freiheitsfunken sollen auch in Zukunft frei zugänglich erscheinen und immer heller und breiter sprühen. Die Sichtbarkeit ohne Bezahlschranken ist uns wichtig. Deshalb sind wir auf Ihre Hilfe angewiesen. Freiheit gibt es nicht geschenkt. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit.

PayPal Überweisung Bitcoin und Monero


Kennen Sie schon unseren Newsletter? Hier geht es zur Anmeldung.

Artikel bewerten

Artikel teilen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv nur registrierten Benutzern zur Verfügung.

Wenn Sie bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, können Sie sich mit dem Registrierungsformular ein kostenloses Konto erstellen.