14. September 2023 13:00

Niederlage oder Befreiung? Der Wechsel der Herrscher führt nicht zur Freiheit

Viele scheinen das anders zu sehen

von Sascha Koll

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Bildquelle: Nosyrevy / Shutterstock Wahre Befreiung von Herrschaft: Auch mit der AfD nicht realisierbar

Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg. In den Medien wird gerade wieder aufgrund einer Aussage Alice Weidels diskutiert, ob es sich für Deutschland um eine Befreiung oder eine Niederlage gehandelt habe. Aus Sicht des NS-Regimes kann man nur zu einem Schluss kommen: Es war eine Niederlage. Aus Sicht eines Teils der Bürger stellte es ohne Zweifel eine Befreiung vom National-Sozialismus und eine partielle Rückkehr zur Marktwirtschaft dar. Der andere Teil der Bevölkerung, der von der UdSSR in den Sozialismus gezwungen wurde, hatte noch eine ganze Weile zu kämpfen. Doch wurden sie schlussendlich am 9. November 1989 mit dem Fall der Berliner Mauer befreit? Ich wage dies zu bezweifeln.

Auch wenn es sich bei den beiden Ergebnissen um Befreiungen aus der tyrannischen Herrschaft sozialistischer Systeme handelte, empfinde ich das Wort „Befreiung“ trotzdem als unangebracht. Wie frei ist ein Mensch, der von einem Herrschaftssystem in ein anderes geprügelt wird, ohne überhaupt wirksam dagegen Einspruch einlegen zu können? Fremdbestimmung steht schon seit jeher für Unfreiheit, und die Mittel zur Durchsetzung dieser Top-down-Bestimmung haben sich auch nicht groß geändert. Man mag argumentieren, dass man heutzutage wenigstens häufiger schriftlich bedroht wird, als dass tatsächlich die Staatsmacht vor der Haustür steht und einem die Waffe ins Gesicht hält. Wobei sich das im Zuge von Corona-Maßnahmen-Verweigerern und angeblichen Reichsbürgern momentan wieder anzuspannen scheint: Der sogenannte „Rechtsstaat“ schlägt wild um sich. Auch die Wirtschaftsform nähert sich unter dem Deckmantel des Klimaschutzes wieder mehr einer Kommandowirtschaft an. Aber es soll ja wieder einen neuen Befreier geben: die AfD.

In den alternativen Medien fällt mir tagtäglich mehr auf, wie sehr AfD-Anhänger die Partei als einen hoffnungsspendenden Befreier ansehen. Mit jeder neuen Sonntagsfrage, mit jedem Sieg der AfD bekommen die Sympathisanten massiv Oberwasser. Es scheint so, als hätten die Regierungskritiker schon gewonnen. „Nur noch AfD“, heißt es. Es ist ein Kult. Mit jeder guten Nachricht für die „Alternative“ sinkt meines Erachtens auch die Diskursbereitschaft. Wo man früher noch über inhaltliche Themen diskutieren konnte, blocken AfDler mittlerweile genauso wie die Mainstream-Anhänger. Die AfD macht in deren Augen wohl alles richtig, auch wenn in der Partei haufenweise ökonomische Analphabeten beheimatet sind. Die Erkenntnis, dass Androhung und Anwendung von Zwang und Gewalt a priori feindliche Handlungen sind, sollte nicht außer Acht gelassen werden. Auch eine AfD hat den Anspruch und den Willen, das Gewaltmonopol zu nutzen, um Millionen von Individuen feindlich gegenüberzutreten. Eine AfD-Herrschaft ist demnach wieder keine Befreiung. Sie mag es vielleicht zustande bringen, dass die Abgründe der Klimapolitik ein wenig aufgeschüttet werden, aber Grundsätzliches will die AfD nicht angehen. Eine der größten Geißeln der Menschheit ist, neben dem Herrschaftsglaube, das Unwissen über das staatliche Geldsystem. Dieses allein ist in der Lage, heute lebende und auch zukünftige Generationen ins Verderben zu stürzen. Selbst wenn die AfD den Euro abschaffen sollte, wird sie doch nicht die Macht über das Geld aus der Hand geben. Von einem freien Währungswettbewerb habe ich bei der AfD jedenfalls noch nichts gelesen – ich lasse mich aber gerne überraschen.

Im allerbesten Fall bedeutet die „Befreiung“ durch die AfD eine Rückkehr zur sogenannten „Sozialen Marktwirtschaft“. Einen Wandel oder eine echte Befreiung wird es meiner Auffassung nach nicht geben. Dafür halten sie an zu viel fest, was Probleme verursacht: am staatlichen Geld-, Gesundheits-, Schul-, Rechts- und Rentensystem sowie an der gelenkten Wirtschaft und so weiter. Bei nichts von alledem wird überhaupt in Erwägung gezogen, es kritisch zu beäugen. Es geht immer nur darum, die kaputten und doch effektiven Herrschaftselemente zu ihren eigenen Gunsten zu nutzen.


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