09. November 2023 11:00

„Disney“, „Lucasfilm“ und „Star Wars“ US-Serie „South Park“ stellt sich gegen eine auf den Kopf gestellte Welt

Politisch korrekt ist hier zum Glück gar nichts

von Sascha Koll

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Bildquelle: Savvapanf Photo / Shutterstock Die amerikanische Animationsserie „South Park“: Mit den Charakteren Kenny, Eric, Stan Kyle und Butters

„South Park“ ist eine Serie, die für ihre scharfzüngige Satire und ihren provokativen Humor bekannt ist. Seit ihrer Premiere im Jahr 1997 hat sie die Popkultur maßgeblich geprägt und ist für ihre schonungslose Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Themen berühmt. Die Macher Trey Parker und Matt Stone, denen man eine Nähe zum Libertarismus nachsagt, verwenden eine einfache Animationstechnik, um komplexe und oft kontroverse Themen zu behandeln, wobei sie vor keiner Autorität oder heiligen Kuh zurückschrecken. Von der Politik über Prominente bis hin zu Religion und Rassenfragen – „South Park“ lässt nichts unkommentiert und hat sich so einen festen Platz in der Fernsehlandschaft gesichert. Mit einem Mix aus absurden Situationen, satirischem Witz und einem Hauch von Zynismus hinterfragt die Serie regelmäßig die Grenzen des Sagbaren und hat dabei eine treue Fangemeinde aufgebaut.

Die kürzlich erschienene Episode „Joining the Panderverse“ knüpft für mich, hinsichtlich Härte und schwarzem Humor, perfekt an das großartige „Pandemie-Special“ und das „South ParQ Impfspecial“ an, das sich mit süßen Kindern (den Qties, cute gleich süß) nicht nur über das wahnhafte Verhalten während der angeblichen Pandemie, sondern auch über die Q-Anon-Bewegung lustig machte und gleichzeitig den skandalösen Netflix-Film „Cuties“ aus dem Jahr 2020 kritisierte.

„Joining the Panderverse“ setzt sich in 48 Minuten mit hochaktuellen politischen Auseinandersetzungen auseinander – vor allem mit der politischen Korrektheit und dem Gebaren des Trickfilmriesen „Disney“. Satirische Überspitzung findet aber praktisch kaum statt, oder Satire und Realität sind tatsächlich nicht mehr auseinanderzuhalten. In dieser Episode leidet der Unsympath der Serie, Eric Cartman, immer wieder unter schrecklichen Albträumen, in denen er und seine Freunde –wie heute in Spielfilmproduktionen üblich – durch Minoritäten ersetzt werden. Genauer gesagt, werden sie durch schwarze, mexikanische und asiatische Frauen ersetzt.

Im weiteren Verlauf der Folge werden die Träume Wirklichkeit, in einem Universum, das nur von farbigen Frauen bevölkert ist. Eric ist in einem von mehreren Multiversen gefangen, und sein schwarzes weibliches Gegenstück kämpft in Cartmans Welt um die Rückkehr in ihre Dimension. Der politisch korrekte Schuldirektor der „South Park“-Grundschule „PC Principal“, wirft den Hauptcharakteren vor, sie seien voreingenommen, da sie den Austausch ihres weißen männlichen Freundes gegen eine schwarze Frau kritisieren. Er wendet ein: „Wenn ihr Jungs nicht glaubt, dass Eric eine schwarze Frau sein kann, dann liegt das Problem vielleicht bei euch. Wahrscheinlich gefällt es euch auch nicht, dass Indiana Jones durch eine Frau ersetzt wurde, hm?“

Später in der Episode taucht eine fiktive Version von „Disneys“ CEO Bob Iger auf, der seine Mitvorstände auffordert, das enttäuschte Publikum durch den „Panderstein“, den das Studio nutzt, um immer wieder die immer gleichen Geschichten neu zu erfinden, „härter zu umwerben“. An dieser Stelle tritt auch „Lucasfilm“-Präsidentin Kathleen Kennedy in die Episode ein, mit einem Vorschlag, wie man ihn in Hollywood vermutlich tagtäglich hört: „Setzt eine Frau ein und macht sie langweilig und lesbisch!"

Der Zuschauer bekommt also eigentlich das, was der „rosarote Panzer“ den ganzen Tag auf Telegram veröffentlicht: Memes. Denn nur so lässt sich der ganze Wahnsinn noch ertragen – indem man sich darüber kaputtlacht. Ich möchte nicht zu viel der Folge vorwegnehmen, denn den interessierten Leser erwarten hier viele wilde Wendungen und derbe Gags, die einfach auf den Punkt sind und garantiert das ein oder andere „woke“ Schneeflöckchen zum Schmelzen brachten.

Die Welt steht aber nicht nur in der Filmbranche auf dem Kopf: Plötzlich sind Hinterwäldler-Handwerker mit Maurerdekolleté die gefragtesten Leute, da sie die Einzigen sind, die noch etwas gebacken bekommen. Die höher Gebildeten werfen den Universitäten vor, sie zu Nichtnutzen gemacht und ihnen nur wertvolle Lebenszeit geraubt zu haben. Einen Mangel im Handwerk und für ehrliche Arbeit „Überqualifizierte“ kennen wir auch aus Deutschland. In „South Park“ wird es sogar so schlimm, dass Handwerker sprichwörtlich mit Geld überhäuft werden. Die handwerklich unbegabten Akademiker bieten Unsummen, um die Handwerker dazu zu bewegen, für sie zu arbeiten. Die Seiten sind spätestens dann vertauscht, wenn nicht die Handwerker vor dem Baumarkt auf Kunden warten, die sie zur (Schwarz-) Arbeit ins Auto einladen, sondern die Kunden sehnsüchtig mit Schildern in der Hand auf einen Handwerker hoffen, der noch bereit ist, für bezahlbares Geld zu arbeiten. Eigentlich eine interessante Szene, denn sie zeigt, dass Wert eben doch subjektiv ist.

Dass die Macher nicht nur links-grüne Weltverbesserer, sondern auch die Republikaner aufs Korn nehmen können, beweist wieder ein Auftritt von Mr. Garrison, der zwischenzeitlich vom schwulen Mann zur Frau wurde, seinem abgetrennten Penis nachjagte, sich wieder zum Mann umoperieren ließ und danach als Donald-Trump-Verschnitt ins Weiße Haus einzog. Ob Mr. Garrison sein orangefarbenes Make-up wieder aufgelegt hat, möchte ich hier nicht verraten.

Die Episode war jedenfalls so pointiert, dass sie sogar eine Reaktion von Elon Musk hervorrief, der mit lachenden Emojis antwortete und das Timing lobte. Ich denke, wer des Englischen mächtig und ein Connaisseur des derben Humors ist, wird mit dieser Episode ebenso viel Freude haben wie Musk und ich. Zu sehen gibt es die Episode in Deutschland bei „Paramount +“.


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