15. Januar 2024

Wenn der Bann bricht Meine Nachbarn werden wach

„Aber der Kaiser ist doch nackt!“

von Johann A. Hellerich

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Bildquelle: Johann A. Hellerich 15. Januar 2024 in Berlin: Auch die Bauern rahmen die Qualitäts-Medien in Gänsefüßchen ein.

Ich wohne sehr ländlich in der Elbmarsch unweit der Mündung des breiten Stroms. Hier ist man gemächlich, wortkarg, eigenbrötlerisch und doch staatstreu. Hier sitzt man pünktlich um 20 Uhr vor dem Volksempfänger und lässt sich vom Plagiat der Aktuellen Kamera auf Regierungslinie trimmen.

Ob Banken-, Währungs- oder Migrationskrise, ob Corona, Ukraine-Krieg, Palästinakonflikt, ob Klimakatastrophe, all diese tatsächlichen oder erfundenen Probleme lässt man sich allabendlich präsentieren. Es könnte beunruhigend sein, aber die Lösung wird jeweils mitgeliefert: Der Staat kümmert sich einfach darum. Höhere Staatsausgaben stimulieren die gebeutelte Wirtschaft, sagen die staatsfinanzierten Experten. Und so schnürt der Staat Rettungspakete, stampft Containerdörfer aus dem Boden und propagiert lautstark Willkommenskultur. Wenn es erforderlich ist, schließt er das öffentliche Leben, maskiert das Volk und forciert es, sich mit neuartigen gentechnischen Präparaten zu behandeln. Der innovative Lösungsansatz der Regierung zur Befriedung von kriegerischen Konflikten lautet: Der Staat liefert Waffen und haufenweise Geld in Kriegsgebiete und fordert Solidarität mit einer der Kriegsparteien. Mehr Schulden und höhere Steuern sind immer sinnvoll, um höhere Temperaturen auszubremsen, aber wir müssen mehr tun: Degrowth heißt die Zauberformel. Das ist nicht schlimm. Wir werden zwar nichts mehr besitzen, aber sehr glücklich sein.

Im Grunde ist der Handlungsablauf der Nachrichtensendung ähnlich wie bei dem sich anschließenden Krimi. Ein Unrecht geschieht, eine Bedrohungslage wird konstruiert. Die Spannung steigt. Dann treten der Kommissar, die Kommissionspräsidentin oder vermeintliche Experten mit guten Ratschlägen rettend in Erscheinung. Der Bösewicht wird identifiziert und irgendwann neutralisiert. Wie in richtigen fiktiven Fortsetzungsserien laufen die Handlungsstränge oft durch mehrere Episoden, überschneiden sich, lösen sich ab, keimen wieder auf, sodass neue Lösungen geliefert werden müssen. Wie bei David Copperfield hat der Zuseher den politischen Zaubertrick nicht mitbekommen. Mit jeder Krise maßt sich der Erlöser an, sich ein Stück mehr in das Leben der Bürger einzumischen und seine Finger ein Stück tiefer in ihre Taschen zu stecken.

Wie Junkies konsumieren meine Nachbarn jeden Abend diese Daily Soap und atmen die Realität außerhalb des Wohnzimmers, die volle Wahrheit und nichts als die Wahrheit, in sich hinein, und schulterzuckend akzeptieren sie die ihnen präsentierten Lösungen. Sie sind schließlich alternativlos.

Doch der Bann bricht. Meine Nachbarn, die Bauern und mit ihnen viele Handwerker, Gastronomen, Mittelständler wachen auf. Die Hypnose endete bei vielen abrupt, als sie die mediale Berichterstattung über die Ereignisse in Schlüttsiel, den vermeintlichen Angriff auf Habeck samt der geheuchelten Empörung, mit der tatsächlichen Realität verglichen. Die Wahrheit zeigt sich nämlich in den von unzähligen Gruppen und Kanälen der sogenannten sozialen Medien geteilten Videos von der gescheiterten Anlandung des Planwirtschaftsministers. Vergebens sucht man nach Szenen der Gewalt, wie sie die Tagesschau herbeiphantasiert.

Viele erkennen nun, dass die Presse wie gedruckt lügt. Wie lange mag das schon gehen, fragt sich der ein oder andere. Welche anderen Bären binden sie uns noch auf und welche Kröten haben wir früher kritiklos geschluckt? Neben den offensichtlichen Lügen spielen die Medien die Proteste herunter. Das kennen wir aus Zeiten der sogenannten Pandemie.

Vor Abscheu bleibt nun der bäuerliche Fernseher stumm. Stattdessen trifft man sich an zahllosen Mahnfeuern mit Kollegen, Nachbarn und sich solidarisierenden Berufsgruppen und diskutiert die infamen Lügen, das Verschweigen, Herunterspielen und Verdrehen der Proteste, die Beleidigungen

Die Berichterstattung ändert sich hingegen nicht. Die Hauptstrommedien schießen sich weiterhin ununterbrochen ins eigene Knie. Denn die frühere Behäbigkeit und Naivität der Bauern endet nun in einer riesigen Entrüstung.

Sie sind das Kind, das ruft: „Aber der Kaiser ist doch nackt!“


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