03. Februar 2024

Politik ist das Gegenteil einer natürlichen Ordnung Ohne Staat gibt es nur Chaos

Wie die Sehnsucht nach Ordnung missbraucht wurde

von Manuel Maggio

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Bildquelle: Albert Beukhof / Shutterstock Ein Starenschwarm: Beindruckende Ordnung – ganz ohne Staat

Mit den Grundlagen des freiheitlichen Denkens bin ich hier bei den Freiheitsfunken eigentlich fehl am Platze. Ich bin mir aber sicher, dass auch Sie in Ihrem Bekanntenkreis noch einige Menschen haben, die mit der Vorstellung an eine Gesellschaft ohne Regierung nicht viel anfangen können. Auch mir erging es neulich wieder einmal so, als ich in einer Diskussion, aufbauend auf meine letzte Kolumne, mit der Aussage konfrontiert wurde, ohne Staat – oder, besser gesagt: ohne Regierung – würden wir im Chaos versinken. Nichts könnte meiner Auffassung nach mehr von der Realität abweichen, doch scheint die Notwendigkeit einer Regierung bei vielen noch mit der Sehnsucht nach Ordnung verbunden zu sein.

Bereits bei dem Begriff Politik scheinen viele etwas anderes zu assoziieren als ich. Politik ist das Konzept der Verwaltung – und somit der Beherrschung von Menschen – und hat rein gar nichts mit einem selbst zu tun. Politik wird für andere gemacht und zu oft als notwendiger gesellschaftlicher Rahmen angesehen. Wenn ich also meine Abneigung gegenüber Politik äußere, macht es Sinn, dies auch gleich zu Beginn zu betonen. Politik hat immer etwas mit dem Einmischen in das Leben anderer Menschen zu tun. Und nur das ist in meinen Augen verwerflich. Der Drang sowie das natürliche Bedürfnis nach Sicherheit und Ordnung im menschlichen Miteinander dienen somit nur als fadenscheinige Ausrede für Politik – und genau hier möchte ich heute den ein oder anderen Zahn ziehen.

Wenn es in uns Menschen ein Bedürfnis nach Ordnung gibt, dann werden wir auch durch unser Handeln diese Ordnung anstreben und verwirklichen. Allein diese Tatsache macht in meinen Augen die Politik überflüssig. Politik gibt nur vor, alternativlos zu sein. Und das nur, damit unsere Herrscher eben genau diese Sehnsucht nach Ordnung bedienen und für ihre Macht missbrauchen können. Als Vollblut-Voluntarist ist dies leicht zu durchschauen, doch ich gehe gerne noch einen Schritt weiter und behaupte: Politik ist die Ursache von Chaos und Unsicherheit und bringt uns Menschen gewollt von unserer natürlichen Ordnung ab.

Bei vielen Fragen ähnlicher Art versuche ich immer die zeitliche Abfolge zu verstehen: Was war zuerst da? Menschen, die in natürlicher Ordnung leben, oder Politik? Wäre Politik die Antwort, so wären wir Menschen ohne die Erfindung von Herrschaft durch Politik längst im Chaos versunken. So oder so, in ähnlicher Weise werden dies einige meiner Mitmenschen sicherlich mit voller Überzeugung glauben.

Anarchie ist daher nicht nur das Abhandensein von Herrschaft, sondern wird auch direkt mit dem Einzug von Chaos gleichgesetzt. Als jemand, der den Staat zutiefst ablehnt, kann ich garantieren: Ich bin ein Freund von Regeln und klaren Strukturen wie auch von Hierarchien, mit dem kleinen, aber feinen Unterschied: Die von mir angestrebte Ordnung ist nicht einseitig gesetzt und nennt sich daher auch nicht Gesetz. Die Angst, bei Verlust der Regierung auch die Ordnung zu verlieren, ist daher unbegründet, aber es ist sicher schwer, sich davon zu lösen. Es wird ja auch genug dafür getan, um dieses Bild aufrechtzuerhalten. Propaganda, Bildungssystem und Staatsmedien machen ihre Sache gut, keine Frage.

Da können Beispiele noch so logisch und nachvollziehbar wirken; wenn es um das Infragestellen von Herrschaft geht, dann nehmen es viele gleich persönlich und fühlen sich angegriffen. Ich denke da gerade an den einen oder anderen Youtuber, der sich als AfD-Werbeautomat in den letzten Jahren etabliert hat. Politik ist nicht nur überflüssig wie ein Kropf – nein, sie ist zudem gefährlich und vernichtet echte und somit natürliche Ordnung. Allen, die sich jetzt fragen, was der da mit seiner natürlichen Ordnung meint, biete ich abschließend gerne noch ein paar Beispiele, die ganz ohne das Sagen eines Herrschers auskommen. Jeder Organismus in der Natur zeigt sich und seine Ordnung in voller Pracht – ganz ohne das Zutun von übergriffigen Politikern: sei es ein Bienenschwarm oder die Zugvögel am Himmel. Niemand hält sich da an Gesetze, und trotzdem fügt sich alles einer Ordnung. Eine Katze braucht auch keine Verhaltensregeln, um zu wissen, wie man sich als Katze unter Katzen verhält. Keine Pflanze benötigt einen Bauplan aus Berlin, damit die Blätter an der richtigen Stelle wachsen.

Regeln ergeben sich meistens aus der Sache selbst und werden im Konsens angenommen, was einem Vertrag gleichzusetzen ist. Ich denke da an Fußball: Es benötigt kein staatliches Gewaltmonopol, um sich auf sinnvolle Regeln zu einigen. Wer Fußball spielen möchte, wird den Ball eben nicht mit der Hand ins Tor werfen können, denn dann wäre es kein Fußball mehr.


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