29. November 2025 06:00

Egos und Selbstdarsteller Die Freiheit braucht uns nicht

Aufklärung im Dienst der Freiheit

von Manuel Maggio drucken

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Bildquelle: Master1305 / Shutterstock Selbstdarstellung im Netz: Das Ego geht online

Wieso schreibe ich eigentlich hier diese Kolumne? Dies ist eine Frage, die ich mir seit Längerem immer wieder stelle, ganz besonders in den Wochen, als ich es nicht geschafft habe, meine Gedanken niederzuschreiben. Anders formuliert, könnte ich auch fragen: Mache ich das für mich, um zu zeigen, wie klug ich bin, oder tue ich das für Sie und somit rein für meine Mitmenschen im Sinne der Aufklärung? Würde ich behaupten, dass es mir nicht um das Außen gehe, dann würde ich lügen. Jedoch liegt es mir persönlich fern, hier zu publizieren, nur um mich dadurch zu profilieren. Ich lehne Bevormundung generell ab und fühle mich in meiner eigenen Haut nicht wohl, wenn ich mich hier hinstelle und anderen erwachsenen Menschen erkläre, wie die Welt funktioniert. Da ich, was das Thema Selbstdarsteller und Schaumschlägerei angeht, sehr streng mit mir selbst umgehe, bin ich natürlich auch anderen gegenüber etwas radikal eingestellt. Ab dem Moment, an dem ich das Gefühl habe, dass es einem Autor oder Content Creator nicht mehr um die Sache selbst, sondern vielmehr um das eigene Ego und somit um Selbstdarstellung geht, widert mich das mittlerweile richtig an.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, es hat alles seine Daseinsberechtigung. Doch wenn ich Lust auf Selbstdarsteller habe, dann schaue ich mir eine entsprechende Show an, gehe auf ein Konzert oder konsumiere Kanäle und deren Inhalte, die nicht vorgeben, einen Dienst für die Freiheit zu leisten. Es ist kein Geheimnis, dass ich meine musikalischen Wurzeln im Hip-Hop habe, und dieses ganze Musikgenre besteht eigentlich nur aus provokativer Selbstdarstellung. Ich trage diese beiden Welten in mir und dadurch entsteht ein seltsamer innerer Konflikt: Egos und Selbstdarstellung haben für mich im Bereich der Aufklärung und der Philosophie der Freiheit keinen Platz, da sie die wichtigen Botschaften verwässern und am Ende letztlich nur auf Abos, Klicks, Spenden, Bekanntheit und Ruhm aus sind. Für einen Musiker, einen Entertainer oder einen Künstler generell sind diese Motive kein Problem und gehören auch irgendwie zu seinem Schaffen als Künstler dazu, wie ich finde. Genau wegen dieses inneren Konfliktes sitze ich oft da und überlege mir ein Thema und frage mich dann im nächsten Moment, wieso ich diese Gedanken für die Außenwelt verfassen sollte. Wenn Sie meine Kolumne lesen, dann investieren Sie damit einen Teil Ihrer kostbaren Lebenszeit, und dessen bin ich mir sehr bewusst. Daher bleiben einige Ideen auch nur Hirngespinste, weil ich mir denke, dass diese die Welt doch nicht weiterbringen. Vielleicht würde es mir helfen, wenn ich mich wieder mit dem Dasein als Musiker anfreunden und mir dadurch erneut beide Spielfelder zur Verfügung stünden, einmal das Feld der Unterhaltung und zum anderen der Bereich der Aufklärung. Auf der einen Seite kann ich mich als Musiker mit gutem Gefühl als Selbstdarsteller und Rampensau präsentieren und auf der anderen Seite, beim Publizieren zum Thema Freiheit, versuchen, das Ego eher außen vor zu lassen. So der Plan, mal sehen, ob es mir gelingt.

Wie sieht es nun in meinem Umfeld aus, was kann ich beobachten, wenn ich mir Protagonisten, Publizisten und Content Creator aus dem freiheitlichen Spektrum ansehe? Der Anteil an verlorenen Seelen, die ihr Ego durch Anerkennung im Außen stärken, wird meines Erachtens größer – proportional zum Anteil in der Bevölkerung, der sich für Freiheit interessiert. Einfach gesagt: Umso populärer es ist, sich für Freiheit starkzumachen, je mehr Reichweite man als konservativer und zugleich libertärer Patriot bekommen kann, umso mehr Egos bedienen sich dieses Hypes, um ihre Sucht nach Aufmerksamkeit zu stillen. Nicht erst seit Spendeneinahmen – vergleichbar mit dem sogenannten Corona-Ausschuss oder den Unmengen an Werbelinks in alternativen Telegram-Kanälen – ist wohl jedem klar, dass es sich bereits seit Jahren um ein Geschäftsmodell, gepaart mit der Möglichkeit, von seinem Bürostuhl aus mit einer billigen Webcam Tausende von Menschen zu erreichen, handelt. Du kannst ein Star werden und sogar eine Bustournee veranstalten oder dir ein Ferienhaus im Ausland errichten und dann von der Ferne aus Deutschland retten – alles im Dienste der Wahrheit und der Freiheit versteht sich. Aber all das ist möglich, keine Frage.

Ich möchte nicht überheblich klingen, doch ich denke, dass ich ein gutes Gespür dafür habe, zu erkennen, wer sich im Namen der Freiheit mit Klicks und Abos sein Ego poliert und wer wirklich an einer Veränderung interessiert ist. Auch in Kommentarbereichen oder Diskussionskanälen habe ich oft das Gefühl, dass es niemandem mehr um ein Weitkommen geht, um einen echten Austausch und einen Mehrwert im Sinne der Wahrheit. Viele verfassen Kommentare nicht deshalb, um einen Dialog zu führen, sondern um für sich selbst damit eine gewisse Außenwirkung zu erzielen. Als Betreiber mehrerer Youtube- und Telegram-Kanäle bemerke ich dies und sehe auch eine eindeutige Tendenz in diese Richtung. Die Anzahl der Artikel, der Beiträge und eben auch der Kommentare ist in den letzten Jahren enorm gestiegen, doch die Qualität oder die Essenz von allem hat sich in der Summe sogar eher verringert. Alles ist so austauschbar, so beliebig und so unkonkret geworden. Es fühlt sich oft wie ein Brei aus Widergekautem an, der dann frisch verpackt alle zwei Jahre als Innovation neu an den Kunden gebracht wird. Ich möchte diesen Trend durchbrechen, ich möchte für Sie schreiben, ohne dass Sie das Gefühl haben, dies bereits gehört oder gelesen zu haben. Ich möchte mich nicht als Wegweiser oder Gelehrter aufspielen, doch verspüre ich den Drang und auch meine innere Aufgabe, mich der Welt mitzuteilen. Es ist wie ein Sitzen zwischen zwei Stühlen: sich nicht aufspielen zu wollen, doch zugleich das Bedürfnis zu haben, sich Gehör zu verschaffen.

So authentisch, so ehrlich und direkt wie möglich – so möchte ich publizieren. Nicht von oben herab, sondern immer offen und im Bewusstsein darüber, keine Antworten auf die Fragen des Lebens anderer zu haben.

Daher abschließend noch ein weiterer Gedanke von mir. Während ich mir das heutige Thema so durch den Kopf gehen ließ, überlegte ich mir: Warum publiziere ich? Und dann dachte ich an die vielen Mitstreiter, wovon ich einige wenige sehr schätze, aber, wie oben beschrieben, gegenüber vielen anderen auch eine Abneigung verspüre. Was bringt das eigentlich mit der Aufklärung, ist das nicht alles auch eine gewisse Zeitverschwendung? Ich stelle mir dann die Freiheit als eine Entität vor, als sei Freiheit etwas Externes, ein Zustand oder ein Ding, das man im Außen beobachten kann. Was juckt es eigentlich die echte und wahrhaftige Freiheit, was wir hier so veranstalten? Verändert sich das, was jeder von uns als Freiheit in sich trägt, durch Rattenfänger, durch falsche Propheten und durch Indoktrination? Meine Erkenntnis dazu war: Nein. Denn die Freiheit ist immer in ihrer Vollkommenheit vorhanden, vergleichbar mit der Natur – ganz egal, ob wir uns darum kümmern, ob wir sie wertschätzen, ob wir sie anstreben oder ob wir sie verachten. Die Freiheit ändert sich nicht, sie kann nicht vollständig zerstört werden oder vollkommen verloren gehen. Durch unser Schaffen können wir lediglich unseren Bezug zu ihr und unser eigenes Bewusstsein verändern. Selbst beim Schreiben dieser Zeilen verspüre ich durch diese Gedanken eine Art Erleichterung.

Es geht hier nicht um den finalen Kampf der Menschheit, es geht lediglich um meine und Ihre Lebenszeit und darum, wie angenehm wir diese gestalten können. Die Freiheit braucht keine Rettung und somit auch keine Aufklärung und keinen Aktivismus. Sie ist etwas abstrakt, meine Vorstellung von Freiheit, ich weiß – aber irgendwie auch nicht so falsch, wie ich finde. Mir nimmt es den Druck, die Menschheit vor dem Untergang retten zu müssen, und auch den Groll anderen gegenüber, die sich und ihr Ego nur am Freiheits-Hype bereichern oder sogar aktiv für eine unfreie Welt einstehen.

Stellen Sie sich das meist verdreckte und komplett verkommene Stück Wiese in Berlin oder einer anderen Großstadt vor: Wie lange würde es dauern, bis auch daraus wieder eine gesunde Wiese entstehen würde? Vorausgesetzt, die Menschheit ist ausgelöscht, zum Beispiel durch einen Kometen, durch den Klimawandel oder einen Atomkrieg. Egal, wie lange es auch dauern würde: Der Urzustand wird irgendwann der echte und natürliche sein. Ich denke da an die Hecke im Garten, wie es aussieht, wenn man nicht ein paar Mal im Jahr mit der Heckenschere wütet. So wie ein Samenkorn ausreicht, um aus einem Ground Zero im Laufe der Zeit wieder eine Wiese werden zu lassen, so reicht auch ein einziger Gedanke an Freiheit aus, um damit eine neue und vor allem freie Gesellschaft aufbauen zu können.


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