05. Dezember 2022

Als Lehrer in der Verwahranstalt Vom Verfall der deutschen Bildung (Teil 1)

Bildungsmisere und Evolutionspsychologie

von Philipp A. Mende

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Bildquelle: shutterstock.com Bildung in Deutschland: Ein Trauerspiel

Als ich Deutschland vor einem knappen Jahrzehnt verlassen hatte, war das quasi-planwirtschaftliche, deutsche „Schulsystem“ beziehungsweise „Bildungswesen“ alles andere als beispielhaft. Angefangen von einer unzeitgemäßen, da auf das Eigentliche in keiner Weise vorbereitenden Lehrerausbildung, über unmoderne Schulen mit einer „Ausstattung“, die kaum über diejenige zu Humboldts Zeiten hinausging, bis hin zu einer Schülerschaft, deren sukzessive intensivierende Demotivation sich deutlich anbahnte. Letztere war und ist meines Erachtens das Resultat einer Mischung aus (Schul-) Zwang, einer dank Maximalbesteuerung staatlich bedingten Familienzerrüttung (da immer häufiger beide Elternteile arbeiten müssen, um „free stuff“ zu erwirtschaften), sowie einer über Dekaden herbeigeführten, kontinuierlichen Herabsetzung von Bildungs- und Verhaltensstandards, insbesondere in links-grün geführten Bundesländern.

Trotz allem war – zumindest für mich – Unterricht, der den Namen als solchen verdient, möglich, nachdem der Spagat aus Fordern, Fördern, Lernen, Lachen, Bespaßen, Üben und Entspannen mit dem Schülermaterial zwar eine (gewollte) Herausforderung, aber kein Kampf gegen Windmühlen darstellte. Der „Bildungsauftrag“ kam aufgrund eines zwangsläufig notwendiger gewordenen „Erziehungsauftrags“ zwar bereits stetig weniger zum Zuge, allerdings mussten Dinge wie der Dreisatz, das englische Vokabeltraining oder das Üben der Verwendung komplexerer Satzgefüge nicht vermehrt den Platz für Grundsatzdiskussionen räumen, warum beispielsweise „Halt die Fresse, Schlampe“ keine adäquate Entgegnung auf die Feststellung der Kollegin ist, dass der sechste Klogang des Tages unter Umständen unangebracht sei.

Ich führe die im Großen und Ganzen noch umsetzbar gewesene Wissensvermittlung auf denselben Umstand zurück, warum wir aktuell noch nicht im Kalten sitzen oder vor leeren Regalen stehen: Man zehrt(e) vom Fleiß, dem Blut, Schweiß und den Verdiensten aus vergangenen Zeiten, deren Resultate in Form eines bis dato nicht dagewesenen allgemeinen Wohlstands mit dem r-strategischen Einzug und „Marsch durch die Institutionen“ schrittweise abgewickelt werden (sollen).

Die sogenannte „r-Strategie“ ist ein Begriff aus der Soziobiologie beziehungsweise Evolutionspsychologie und verleiht denjenigen, die mit ihr „programmiert“ sind, eine Abneigung gegen alle Peer-to-Peer-Wettbewerbe, begrüßen Promiskuität, Alleinerziehung sowie die Unterstützung früh einsetzender sexueller Aktivitäten in jungen Jahren. Darüber hinaus gehen „r-Strategen“ tendenziell von endlosen Ressourcen aus (zum Beispiel Gras; übertragen auf den Menschen zum Beispiel Fiat-Gelddruck mittels staatsmonopolistischer Zentralbanken), weshalb es für sie beispielsweise unerklärlich oder nur ein Zeichen von „Ellenbogenkapitalismus“, „Rassismus“ oder Ähnliches sein kann, sofern sich jemand gegen einen nicht versiegenden Zustrom kulturfremder Netto-Steuerempfänger ausspricht. Diese Strategie wurde gemeinhin entwickelt, um eine Fülle von Ressourcen auszunutzen, und ist häufig in Beutetieren verankert, bei denen die Anzahl der Populationen durch Raubtiere gesenkt und damit die Ressourcen erhöht wurden, die den Individuen zur Verfügung stehen. Das „r“ steht für die maximale „reproduction rate“ (Reproduktionsrate) eines Lebewesens unter entsprechenden Bedingungen.

Der Gegenpart dazu ist die sogenannte „K-Strategie“, wobei das „K“ dem deutschen Wort „Kapazitätsgrenze“ entnommen wurde und auf diejenigen, die sie verfolgen, eine starke Wettbewerbsfähigkeit sowie Tendenzen zur Abstinenz bis zur Monogamie, zur Erziehung von zwei Elternteilen und zur Verzögerung der sexuellen Aktivität bis zu einem späteren Zeitpunkt im Leben ausübt. Diese Strategie ist am häufigsten bei Arten anzutreffen, denen es an Prädation mangelt und deren Population bis zu dem Punkt gewachsen ist, an dem Individuen miteinander um die begrenzten Umweltressourcen konkurrieren müssen, die ihnen schnell ausgehen. Beide Strategien sind in der Naturwissenschaft sorgfältig evaluiert und anhand einer enormen Vielzahl an Studien auch auf den Menschen übertragbar. Eine eingehende Analyse findet der geneigte Leser im Buch „Widerstand. Warum zwischen linker und rechter Politik eine Schlacht der Gene wütet“.

Zurück zur deutschen „Bildungslandschaft“. Als ich eine knappe Dekade später aufgrund des chinesischen Corona-Kults gezwungenermaßen nach Deutschland zurückkehrte, staunte ich beim Wiedereintritt in den hiesigen Schuldienst nicht schlecht ob der gegenwärtigen „Standards“ und „Entwicklungen“. Nach einem halben Jahr erwischte ich mich immer wieder bei dem Gedanken, „Schule“ anno 2022 größtenteils als „Verwahranstalt“ zu betrachten.

Fortsetzung folgt. 


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