27. März 2023

Deutsches Bildungswesen Mathematik, aber bitte „geschlechtersensibel“!

Über die Entkernung des Relevanten als Kennzeichen des heutigen Deutschlands

von Philipp A. Mende (Pausiert)

Heute möchte ich Ihnen von einer spannenden Woche aus meinem Lehreralltag berichten, nachdem es zu zwei unabhängig voneinander entstandenen Ereignissen kam, die indirekt zusammenhängen. Alles begann damit, dass mir mein Vater zu Beginn der vergangenen Woche ein Video des Mathematik-Professors Doktor Bernhard Krötz gezeigt hatte (siehe Link unten). In diesem informiert der aus Mittelfranken stammende, heute jedoch an der Universität Paderborn (NRW) dozierende Professor und ehemalige Heisenberg-Stipendiat über die Anforderungen der „Joint Entrance Examination“ (JEE), welche ohne Zuhilfenahme von Taschenrechnern bestanden werden muss, um an einer der Ingenieurhochschulen in Indien aufgenommen zu werden. Als er diese einem seiner Kollegen an der Universität zeigte, antwortete jener: „Wow, dann könnten wir hier dicht machen.“

Nachdem Herr Krötz durch einige der Aufgaben führt, fasst er mitunter kurz zusammen: „Was die Mathematik betrifft, so muss die Infinitesimalrechnung in einer Variable da sein, inklusive der trigonometrischen Funktionen, ihrer Umkehrfunktionen, ihren Ableitungen und Additionstheoremen, komplexe Zahlen und auch gewöhnliche Differentialgleichungen werden abgefragt.“ Mir klangen dabei noch die Worte von Professor Doktor Gunnar Heinsohn (1943–2023) in den Ohren, wonach Indien zwar nur über „kleine“ Anteile an Mathe-Assen verfüge, man aber nichtsdestoweniger mit bis zu zwei Millionen Könnern pro Fünfjahreskohorte zehnmal besser dastehe als Deutschland.

Dem stellt Krötz anschließend das Niveau deutscher Abiturienten sowie den „Kernlehrplan“ Mathematik für die Sekundarstufe II in Nordrhein-Westfalen gegenüber, und kommt dabei zu einem vernichtenden Urteil. Zitat: „Die haben ja jeden Common Sense verloren.“ Besonders bezeichnend hierbei ist einmal mehr der Umstand, dass sich, wie mittlerweile auch schier in allen anderen Bereichen (Sport, Journalismus, Medizin et cetera, siehe frühere Kolumnen), nicht ausschließlich auf den tatsächlichen Kern – in diesem Fall also Mathematik – fokussiert wird, sondern auf die Indoktrination einer politischen Ideologie beziehungsweise das zügel- wie gnadenlose Durchpeitschen einer (weiteren) gesellschaftsklempnerisch-sozialistischen Agenda.

So führt der Professor durch jenen „Kernlehrplan“ Mathematik, wobei wir auf Seite Neun erfahren, dass das Fach Mathematik anno 2023 zum Ziele einer „mündigen und sozial verantwortlichen Persönlichkeit“ unter anderem für die folgenden „Querschnittsaufgaben“ verantwortlich sei: 

„Menschenrechtsbildung, Werteerziehung, politische Bildung und Demokratieerziehung, Bildung für die digitale Welt und Medienbildung, Bildung für nachhaltige Entwicklung, geschlechtersensible Bildung, kulturelle und interkulturelle Bildung.“

Professor Krötz konstatiert, dass dies aus seiner Sicht wenig mit Mathematik und Naturwissenschaften zu tun habe und man dies im asiatischen Raum genauso sehe. Zuletzt präsentiert er neben der ebenfalls anspruchsvollen Mathematik-Aufnahmeprüfung für angehende chinesische Studenten des Jahres 2011 zudem Abschlussprüfungsaufgaben im Fach Mathematik an Realschulen in Baden-Württemberg aus dem Jahr 1971 und ist sich sicher: Heutige Abiturienten und Mathe-Reallschullehramtsstudenten könnten diese Aufgaben nicht mehr lösen. 

So weit, so erschreckend.

Die zweite Situation ereignete sich in meinem Klassenzimmer, nachdem meine Schüler zuvor in der Pause offenbar über „LGBT“ und „Gender“ diskutiert hatten. Da sie mittlerweile (zu schätzen) wissen, von mir zu allerlei Dingen, die sie spannend finden, eine meist etwas andere und neue Sicht zu erhalten, fragten sie mich daraufhin, was ich davon halte und warum die Themen meiner Meinung nach so oft in den Medien und Schulen vorkommen. Spontan entgegnete ich, die Überrepräsentanz von Scheinproblemen dieser Art sei nach meinem Empfinden höchstwahrscheinlich das natürliche Resultat von Langeweile und Wohlstandsverwahrlosung einerseits sowie des allgemeinhin sinkenden IQ im Westen und damit verbunden der zunehmenden Unfähigkeit, sich beispielsweise mit mathematischen Herausforderungen wie in Indien oder China auseinandersetzen zu können andererseits.

Wofür es hingegen quasi keinerlei kognitiver Fähigkeiten, keinerlei „Blut, Schweiß und Tränen“ benötige (und dies sei meines Erachtens auch der Grund, warum alles davon stetig zunimmt), sei das ständige Aufstellen irgendwelcher (hohler) politischer Phrasen und Parolen, die immer dreistere Forderung nach leistungslosen Wohltaten sowie die Beschäftigung mit banalen und/oder längst überwundenen Angelegenheiten, zu denen sich theoretisch einfach jeder irgendwie äußern könne – sozusagen als Ersatzhandlung, um sich nicht mit anstrengenden Dingen wie zum Beispiel (dem Pauken und Büffeln von anspruchsvoller) Mathematik beschäftigen zu müssen beziehungsweise weil man zu Letzterem schlicht und ergreifend nicht mehr in der Lage ist.

Wohlstandsverwahrlosung beziehungsweise Langeweile in der Hinsicht, dass eine (noch) gesättigte Gesellschaft, die sich nicht (mehr) mit dem Aufbau respektive den Grundlagen eines allgemeinen Wohlstands beschäftigen „muss“ (Industrie und Industrialisierung, Infrastruktur, Beseitigung von Armut und Hunger und so weiter) und entsprechend „gelangweilt“ ist, nach und nach irgendwelche Fantasieprobleme erschafft und sich daran voller Inbrunst abarbeitet. Dass Wohlstand nicht vom Himmel fiel/fällt und nur durch konstant harte Arbeit erhalten werden kann? Anderes Thema.

Jedenfalls werden dann plötzlich stattdessen eben Homosexuelle und Frauen „diskriminiert“ und benachteiligt (ja, richtig gehört – im Westen! Nicht etwa in Saudi-Arabien oder Nigeria), Muslime ungerecht behandelt und/oder Schwarze unterdrückt. Mittlerweile sind Männer sogar Frauen und umgekehrt, oder irgendwas dazwischen – also sofern ihnen gerade danach ist.

Es ging im Zuge dessen noch um allerlei andere Dinge, beispielsweise um den Umstand, dass in Regionen, wo Menschen noch darum kämpfen, nicht zu verhungern, höchstwahrscheinlich nicht allzu viel über die Vorzüge des „Veganismus“ debattiert wird, aber die allgemeine Problematik wurde den Schülern letztlich doch ein wenig bewusster. Wir hatten abschließend auch das Video von Professor Krötz geschaut, woraufhin hier und da sichtlich geschluckt werden musste. 40 Stunden Unterricht pro Woche? Sechs Stunden Mathe, sechs Stunden Physik, sechs Stunden Chemie, sechs Stunden Biologie/Informatik et cetera? Wie so oft fällt auch dies in die Rubrik, die ich immer wieder betone: Der restlichen Welt ist es nach meinen Erfahrungen (längst) völlig egal, was in Deutschland geschieht, – wie sich hierzulande gegeißelt und heruntergewirtschaftet wird, mit welch politischem Humbug aufgefahren wird, wie man verwahrlost und sich verleugnet, wie man sich aufgrund von „Meinungsdelikten“ gegenseitig denunziert, kurz, mit welch atemberaubender Geschwindigkeit sich immer weiter ins eigene Fleisch geschnitten wird. Und dennoch halten sich hiesige Politiker und nicht zuletzt auch nach wie vor ein großer Teil des politisch aufgestachelten Buntbürgertums für Vorreiter, Vorbilder und relevant. Sorry to say, das war einmal.

Quellen:

Prof. Dr. Bernhard Krötz – Schulmathematik: Vergleich Indien-NRW (YouTube)

Joint Entrance Exam (JEE) aus Indien

Kernlehrplan Mathematik für die Sekundarstufe II in Nordrhein-Westfalen

Gunnar Heinsohn: Wettkampf um die Klugen. Kompetenz, Bildung und die Wohlfahrt der Nationen. Zürich 2019.


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