03. Mai 2023 08:00

Klimawandelpolitik Der erste Regierungschef nach der grünen Wirtschaftskrise

Warum die klimabewegten Regierungen die Rechnung ohne den Wirt machen

von Oliver Gorus

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Bildquelle: Andrei Shumskiy / Shutterstock Der Traum vom eigenen Einfamilienhaus: Rückt für viele Familien in Deutschland derzeit in immer weitere Ferne

Egal, was Ihnen Politiker und ihre Narrativklempner in den Dienstmedien erzählen: Wie Wohlstand entsteht und aufgebaut wird, ist einfach. Und allgemein bekannt. Dafür gibt es ein Modell, das sich in der Wirtschaftsgeschichte bereits zigfach als zutreffende Beschreibung der Wirklichkeit bewährt hat. Wenn Sie den Wohlstand in einer modernen Gesellschaft erhöhen wollen, machen Sie einfach Folgendes: Steuern und Abgaben runter, Bürokratie und überflüssige Gesetze streichen, Rückzug des Staats aus allen Wirtschaftssektoren, stabile Währung, Freihandel, Marktwirtschaft.

Fertig.

Ausgerechnet in Deutschland haben die Einwohner der 1949 gegründeten Bundesrepublik unter dem besten Wirtschaftsminister aller Zeiten, Ludwig Erhard, etwa 20 Jahre lang eindrucksvoll belegt, dass dieses Vorgehensmodell sehr gut mit den tatsächlich gemachten Erfahrungen übereinstimmt. Die Deutschen haben auch umgekehrt eindrucksvoll belegt, dass der Wohlstand sinkt, sobald der Staat sich überall in die Wirtschaft einmischt, nämlich während der 40 unheilvollen Jahre, die die DDR vor sich hinmoderte, sowie in der um die DDR vergrößerten Bundesrepublik seit den unheilvollen Jahren unter Merkel.

Wohlstandskrise

Es sollte also wenig Zweifel geben, wie man Wohlstand für alle schafft. Gleichwohl ist das keine wissenschaftliche Theorie, sie lässt sich nämlich nicht wirklich exakt falsifizieren. Zwar könnten Sie jeden Staat als eine Art Experiment auffassen, aber da die Weltwirtschaft sehr komplex ist und sich hochdynamisch entwickelt, ist jedes dieser Experimente dann doch wieder ein Einzelfall, und Sie können ja nicht zurückspulen und dann die DDR noch mal mit Marktwirtschaft versuchen, um den Unterschied im Wohlstand zu ermitteln. Es sind also eher die Erfahrungswerte, mehr historisches Wissen als echte Wissenschaft.

Wenn aber dieses historische Wissen so schlagend evident ist wie in diesem Fall, würden Sie dann, wenn Sie als Regierungsmitglied die Verantwortung für ein Land und im Amtseid geschworen hätten, dass Sie Ihre Kraft dem Wohle des Volkes widmen, seinen Nutzen mehren und Schaden von ihm wenden werden, nicht auch eher auf das bewährte Modell setzen?

Wie kann es da sein, dass seit knapp 20 Jahren jede einzelne Regierung in Deutschland genau das Gegenteil macht? Also Steuern und Abgaben immer weiter erhöht, sich in immer mehr Wirtschaftssektoren einmischt, immer mehr reguliert, die Währung immer weiter aufweicht, Handel erschwert oder unterbindet, den Staat immer fetter macht und die Märkte immer härter würgt?

Der Wohlstand ist dementsprechend bereits deutlich gesunken, was Sie unter anderem daran erkennen können, dass heute, anders als noch vor 40 oder 50 Jahren, ein Durchschnittsgehalt pro Haushalt nicht mehr ausreicht, um alle Familienmitglieder zu ernähren, zwei Autos zu fahren, ein Einfamilienhaus und die Altersvorsorge zu finanzieren und zweimal pro Jahr in Urlaub zu fahren.

Wohlstand ist nicht Vermögen in D-Mark oder Euro, sondern der Reichtum an erschwinglichen Optionen. Oder anders gesagt: Wohlstand korreliert positiv mit individueller Freiheit. Und die Regierungen in vier Farben sorgen dafür, dass seit gut zwei Jahrzehnten beides abnimmt.

Die Gretchenfrage

Das kann nur bedeuten, dass die Regierungsmitglieder ihren Eid vergessen haben, darauf pfeifen oder der merkwürdigen Meinung sind, dass weniger Wohlstand den Nutzen des Volkes mehren und Schaden von ihm wenden würde.

Genau Letzteres ist aber tatsächlich das offizielle Narrativ der grünen Epidemie, deren ökomarxistischer Erreger mittlerweile alle Regierungsparteien in Bund und Ländern, ihre Hilfsklempner in Medien und Justiz und den größten Teil der tagesschauabhängigen Bevölkerung infiziert hat. Sie nennen es nicht „zerstören“, sondern „degrowthen“, aber das ändert nichts am Ergebnis.

Die aktuelle Bundesregierung verringert vor allem mit ihren Entscheidungen in der Energie- und Außenpolitik absichtlich durch Verknappung von Ressourcen den Wohlstand der Deutschen, weil dadurch angeblich der deutsche Kohlendioxidausstoß abnehmen soll, wodurch der Treibhauseffekt verringert würde, was zur Verlangsamung der Klimaerwärmung und damit zur Rettung der Welt beitragen würde.

Mal abgesehen davon, dass der deutsche Anteil an den weltweiten Kohlendioxidemissionen viel zu gering ist, um im positiven oder negativen Fall irgendwie spürbar zu sein. Und mal abgesehen davon, dass der deutsche Kohlendioxidausstoß unter der aktuellen Regierung stark ansteigt, statt dass er gesenkt worden wäre. Die komplette grüne Erzählung und damit der komplette Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft von Marktwirtschaft auf Sozialismus, den wir gerade erleben, gründen argumentativ auf der angenommenen Klimaerwärmung durch den Treibhauseffekt der Kohlendioxidemissionen. Das aber ist ebenfalls nur eine Annahme, die nicht beweisbar oder widerlegbar ist.

Es gab und gibt kein Experiment, das je versucht hätte, das angenommene Modell des Treibhauseffekts zu falsifizieren. Das ist ja auch einfach nicht möglich, da die Atmosphäre zu groß und zu komplex ist. Man kann nur sehr simple Experimente in geschlossenen Systemen durchführen, aber da die Erde samt Atmosphäre ein Richtung Weltall ein offenes System ist, das von teils chaotischen Prozessen beherrscht wird, versagt hier die wissenschaftliche Methode. Es bleibt nur der Versuch, die Phänomene zu verstehen. Im Sinne der Wissenschaftstheorie ist diese Annahme des Treibhauseffekts daher streng genommen nicht wissenschaftlich. Sie können nur daran glauben. Oder auch nicht.

Schneller als ihr Schatten

Anders als bei der marktwirtschaftlichen Methode der Wohlstandsvermehrung ist die historische Indizienlage beim menschengemachten Klimawandel durch Treibhauseffekt allerdings ziemlich dürftig. Da ist vieles widersprüchlich. Die systematische, aggressive Unterdrückung aller Gegenstimmen spricht außerdem für sich. Genau wie bei der Corona-Maßnahmenkrise. Und die auf der Annahme des Treibhauseffekts basierenden Klimamodelle sind notorisch grottenschlecht, was ihre Prognosequalität angeht.

Aber egal, das ficht unsere bestandsmarodierenden Politiker nicht an, denn sie sind allesamt Gläubige. Ihr Problem dabei ist nur, dass sie bei dieser glaubensbasierten Zerstörungspolitik die Rechnung ohne den Wirt machen. Der Wirt sind in diesem parasitären Szenario eindeutig die Nettosteuerzahler – und das sind in Deutschland immerhin noch ungefähr zwölf bis 15 Millionen. Ich glaube nicht, dass sich Politiker vorstellen können, wie hässlich eine junge, bislang grün wählende Mutter in Elternzeit reagieren kann, wenn sie realisiert, dass der SUV verkauft und die Flugreise storniert werden muss, die Zahl der Kita-Plätze für sie nicht mehr ausreicht, um ihr den Wiedereinstieg in die Teilzeitarbeit zu ermöglichen, ihr bisheriger Arbeitgeber ohnehin ins Ausland abgewandert ist, das Gesundheitssystem so marode ist, dass ihr Kind im Krankheitsfall nicht mehr sicher versorgt werden kann, und die Inflation, die Energiepreise, der Zinsanstieg, die neuen Abgabenerhöhungen und der Zwang, die Heizungsanlage auszutauschen, die Finanzierung der kleinfamilieneigenen Doppelhaushälfte in sich zusammenklappen lassen.

Gehen die Politiker den grünbürgerlichen wohlstandsverwahrlosten Restleistungsträgern ans Eingemachte, dann können sie sich warm anziehen. Da wird schneller rechtsaußen gewählt, als ihr Schatten „Klimawandel“ sagen kann.

Während die Grünen sich im Amt entzaubern, werden sie mit der Erkenntnis konfrontiert werden, dass demokratische Wahlen langfristig schon immer mit Wirtschaftskrisen verloren und mit dem glaubhaften Versprechen von Wohlstandszuwachs gewonnen wurden. Auch in Deutschland. Ob die Temperatur nebenbei ein Grad steigt oder sinkt, spielt dabei letztendlich keine Rolle. Der erste Populist, der das verstanden hat, wird der erste Regierungschef nach der grünen Wirtschaftskrise werden. Ob der Posten dann noch „Bundeskanzler“ heißen wird, bleibt offen.


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