27. Mai 2026 06:00

Technologiesprung Maschinenstürmer reloaded

Kostet die KI-Revolution nun millionenfach Jobs oder nicht?

von Oliver Gorus drucken

Künstliche Intelligenz: Softwareentwicklung und Jobwachstum
Bildquelle: Redaktion Künstliche Intelligenz: Softwareentwicklung und Jobwachstum

Künstliche Intelligenzen werden immer häufiger und immer umfangreicher für die Softwareentwicklung eingesetzt. Am häufigsten, nämlich von 80 Prozent der Entwickler, wird die jeweils neueste Version von GPT von OpenAI eingesetzt. Etwa 45 Prozent der Entwickler mit steigender Tendenz nutzen Claude von Anthropic, vor allem die professionellen, ambitionierten Programmierer. Auf Platz drei folgt Google Gemini. Die am meisten verwendeten Tools auf diesen Plattformen heißen Github Copilot, Cursor und Claude Code.

Mit AI können die Entwickler deutlich mehr Output pro Zeit schaffen, das heißt, sie werden produktiver. Anders gesagt: Softwareentwickler sparen für den gleichen Output pro Woche mehrere Stunden bis über einen kompletten Tag. Sie können also bei gleichem Zeitaufwand laut mehreren Studien etwa 15 bis 30 Prozent mehr Ergebnisse liefern, je nach konkreter Aufgabe.

Bei gleichem Gehalt sind Softwareentwickler für ihren Arbeitgeber durch AI deutlich profitabler. Dadurch können massenhaft Stellen eingespart werden. Im Bereich der Softwareentwicklung landen darum immer mehr Hochqualifizierte auf der Straße, millionenfache Jobverluste … oh, halt, stopp! Das stimmt ja gar nicht!

Dieser Effekt, dass AI Jobs ohne Ende kosten wird, angefangen bei den Softwareentwicklern und Programmierern, wurde landauf, landab wie ein Mantra deklamiert. Sogar der CEO von Anthropic selbst, Dario Amodei, sagte, die meiste oder gar sämtliche Arbeit beim Coden werde bis Anfang 2027 von AI übernommen. Eric Schmidt, der ehemalige CEO von Google, meinte letztes Jahr: „In einem Jahr wird die Mehrheit der Programmierer durch AI ersetzt.“ Marc Zuckerberg von Meta prophezeite, AI werde bereits 2025 die Arbeit von Mid-Level Software Engineers übernehmen. Meta plane deswegen, deutlich weniger klassische Entwickler einzustellen. Und Sam Altman, CEO von OpenAI, sagte trocken: „Die Jobs werden definitiv verschwinden.“ AI könne bald wie ein erfahrener Software-Engineer coden. Er dankte den Programmierern ironisch für ihre Arbeit, „die uns hierher gebracht hat“.

Na, wenn die das sagen …

Auch Goldman Sachs und andere Banken stießen ins gleiche Horn und prognostizierten, dass in den USA bis zu 16.000 Jobs pro Monat in der Softwareentwicklung durch AI ersetzt werden könnten. Und das World Economic Forum sagte einen starken Rückgang bei Einstiegsjobs für junge Softwareentwickler voraus.

Letzteres hätte einen bereits stutzig machen können, denn mal ganz im Ernst: Wie viel verstehen die Weltverbesserer von Davos wirklich von Wirtschaft?

Die Wahrheit sieht so aus: Seit Mai 2025 steigt die Anzahl der Jobangebote für Softwareentwickler deutlich und ist mittlerweile auf einem Drei-Jahres-Hoch. Bei den Jobbörsen im Internet wie Indeed oder LinkedIn wird dieser starke Anstieg der Jobs in diesem Feld bestätigt. Software Engineer und Software Developer gehören derzeit in den USA zu den Positionen mit den meisten offenen Stellen im Tech-Bereich überhaupt. Bis zu 120.000 offene Jobangebote sind in den USA zu finden.

Das Bureau of Labor Statistics, eine Behörde der US-Regierung in Washington, hat diesen starken Trend erkannt und prognostiziert mittlerweile ein starkes zweistelliges Wachstum in den nächsten Jahren für Softwareentwickler. Hier sollen etwa 300.000 neue Jobs entstehen.

Besonders in den Branchen Finanzen, Gesundheit, Industrieproduktion, Cyber-Sicherheit und Cloud-Services werden derzeit händeringend Entwickler, Programmierer und Tester gesucht. Dabei werden besonders Spezialisten und weniger Generalisten gesucht. Insgesamt werden die Anforderungen anspruchsvoller.

Aber wie kann das sein?

Na ja, eigentlich ganz logisch. Wer nicht nur in Fünf-Jahres-Plänen denkt, sondern die Dynamik der Wirtschaft versteht, sieht sofort: Wenn AI Programmierer und Entwickler deutlich profitabler macht, dann sinken im intensiven Wettbewerb sofort die Kosten für die produzierten Anwendungen. Bei sinkenden Kosten für Software werden plötzlich Anwendungsbereiche profitabel, für die es zuvor zu teuer war, eigens eine neue, spezialisierte Software zu entwickeln. Nun aber lohnt sich das. Das heißt: Es wird in der gesamten Wirtschaft so viel entwickelt, gecodet und getestet wie noch nie. Und darum entstehen in diesem Bereich extrem viele neue Jobs.

Das ist so ähnlich wie die Dynamik im Feld der Exploration von Bodenschätzen: Wenn der Goldpreis oder der Ölpreis durch irgendwelche Faktoren dauerhaft sehr hoch sind, dann lohnt es sich, auch schwerer zugängliche Lagerstätten auszubeuten. Die Förderung von Gold und Öl nimmt dynamisch zu.

Und durch AI explodiert die Fördermenge an geschürftem Code gerade: Auf Github wird 14-mal mehr Code gemessen. Und mehr Code braucht mehr Integration, Wartung, Testung, Security, Architektur und Konzeption. Das Resultat ist mehr Bedarf an menschlichen Software-Profis, nicht weniger.

Wir können hier live erleben, wie sich eine technologische Revolution auf den Arbeitsmarkt auswirkt: Neue, spezialisierte Jobs entstehen, und der Bedarf nach menschlicher Arbeit wächst. So war das auch bei den letzten Technologiesprüngen. Die Maschinenstürmer hatten damals nicht recht, und die moderne Version davon in Gestalt von totalitären Gestalten wie Merkel oder Von der Leyen haben heute nicht recht.


Sie schätzen diesen Artikel? Die Freiheitsfunken sollen auch in Zukunft frei zugänglich erscheinen und immer heller und breiter sprühen. Die Sichtbarkeit ohne Bezahlschranken ist uns wichtig. Deshalb sind wir auf Ihre Hilfe angewiesen. Freiheit gibt es nicht geschenkt. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit.

PayPal Überweisung Bitcoin und Monero


Kennen Sie schon unseren Newsletter? Hier geht es zur Anmeldung.

Artikel bewerten

Artikel teilen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv nur registrierten Benutzern zur Verfügung.

Wenn Sie bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, können Sie sich mit dem Registrierungsformular ein kostenloses Konto erstellen.