13. Mai 2026 06:00

Klimarettung Die Coladose in Afrika und die deutsche Arroganz

Eine Charakterstudie

von Oliver Gorus drucken

Arroganz: Symbolisches Müllsammeln in Afrika
Bildquelle: Redaktion Arroganz: Symbolisches Müllsammeln in Afrika

Die letzten zwei Wochen war ich in Afrika. Dort habe ich viele interessante Sachen erlebt. Manches Detail in meinem Bild von Afrika und den Afrikanern hat sich für mich zusammengefügt. Das beinhaltete neben vielem, was bei diesen Menschen und ihren Kulturen einfach wertfrei anders ist als bei uns, außerdem sowohl Eigenschaften und Verhaltensweisen, die ich positiv bewerten würde, als auch solche, die ich negativ bewerten würde – ganz subjektiv. Und natürlich ist klar, dass Afrika riesig ist und ich nur einen winzigen Ausschnitt erlebt habe.

Aber wie das immer so ist: Wenn man der Heimat fern ist, sieht man mehr von ihr. Und so habe ich auch eine typische Eigenschaft der Deutschen erlebt. In Afrika.

Die Szene ist schnell erzählt. Wir waren in der Natur unterwegs bei einer geführten Tour, und da waren noch andere Deutsche dabei. In Afrika ist es generell ziemlich vermüllt, jedenfalls überall dort, wo ich bislang in Afrika war. Auf den Philippinen, in Malaysia, Indien und Pakistan muss das noch deutlich übler sein, aber mir als Alpenbewohner hat da Afrika schon gereicht: Neben den Straßen und Wegen finden sich großflächig Plastik, Verpackungen, Dosen, Flaschen usw. Je weiter man von den touristisch erschlossenen Gebieten und Ansiedlungen wegkommt, desto vermüllter wird es.

Ein deutscher Mann machte nun während der Tour kopfschüttelnd Bemerkungen über den Müll, bückte sich, klaubte eine Getränkedose vom Wegrand auf und trug sie die gesamte Tour hindurch mit sich, um sie danach beim Parkplatz in einen Müllcontainer zu werfen. Darauf angesprochen, warum er das jetzt gemacht habe, bemerkte er etwas wie: „Einer muss es ja machen und einer muss ja mal anfangen.“ Mit „Einer“ meinte er sich selbst. Und mit dem anzufangenden „Es“ meinte er das Aufsammeln eines einzelnen von zig Milliarden Stücken Abfall, die in Afrika nicht in Müllverbrennungs- oder -recyclinganlagen oder Deponien landen, sondern in der Natur.

Nun ist es ja so, dass Afrika den Afrikanern gehört und die in meiner Idee von der Welt selbst entscheiden können, welches Stadium der Abfallbewirtschaftung sie gerne haben möchten. Es geht uns nichts an.

Wenn ein Deutscher am Müllproblem in Afrika wirklich etwas ändern wollte, müsste er versuchen, als Kriegskanzler die Länder zu erobern und zu kolonisieren, dort als Gouverneur eine deutsche Abfallwirtschaft mit Dosenpfand einführen und mit Stockhieben die Afrikaner dazu zwingen, ihren Müll einzusammeln. Oder er müsste, der Zeit etwas gemäßer, ein Heer von Grünenwählern mit Greifbesteck und Rückenkörben ausrüsten, die durch Afrika pflügen, den Müll einsammeln, den dann nach Deutschland verschiffen lassen, um ihn fachgerecht zu sortieren und sortenrein zu entsorgen.

Wie auch immer, aber eine echte Lösung würde ziemlich viel Stress auslösen – und scheitern würde das Vorhaben am Ende trotzdem. Und zwar unter dem Gelächter der Afrikaner.

Wenn nun ein Deutscher stattdessen so eine völlig wirkungslose, rein symbolische bis theatralische Handlung wie die oben geschilderte vornimmt, augenscheinlich, um die Afrikaner zu beschämen, zu belehren, zu outen (alle zu blöd zum Müllentsorgen) und sich im Vergleich dazu moralisch zu überhöhen (der Eine, der anfängt, das Gute zu tun), dann ist das: Arroganz.

Arroganz ist ja ein vielschichtiges und vielgestaltiges Verhalten, das es in unterschiedlichsten Darreichungsformen gibt: kalte Arroganz, spottende, zynische oder süffisante Arroganz, passive hinter Bescheidenheit versteckte Arroganz, gruppenbasierte Arroganz, ideologische Arroganz, Kompetenz-Arroganz mit Dunning-Kruger-Effekt und einige mehr. Diese spezielle Form nenne ich wegen ihrer kompensatorischen Motive und ihrer Spielart der Tarnung als Umweltschutz „deutsche Arroganz“.

Im Allgemeinen geht Arroganz über bloße Überheblichkeit hinaus. Im Kern handelt es sich um eine übersteigerte Selbstbewertung, die mit Geringschätzung anderer einhergeht – oft kombiniert mit dem Bedürfnis, diese Geringschätzung spürbar, hörbar, sichtbar, lesbar zu machen. Sie unterscheidet sich von gesundem Selbstvertrauen dadurch, dass sie defensiv und relational ist: Der Arrogante braucht die Abwertung anderer, um sich als guter Mensch zu fühlen – weil er offensichtlich ansonsten ein schlechtes Gewissen hat.

Im Falle der Deutschen rührt das irrationale, verdrängte und übertragene schlechte Gewissen von der mit großem Aufwand eingetrichterten Kollektivschuld, vor ein paar Generationen monströse Menschheitsverbrechen begangen zu haben. Die Welt jetzt am deutschen Wesen genesen zu lassen, ist eine unbewusste Schuldkompensation.

Sie dient motivisch der Angstabwehr: Der Arroganzling hat eine nicht eingestandene Angst vor Wertlosigkeit, Versagen, Bedeutungslosigkeit oder eben die Angst, als schlechter Mensch zu gelten. Sie ist ein relativ primitiver Schutzschild. Auf Beobachter wirkt sie oft abstoßend, zum einen, weil sie in ihrer Theatralik offensichtlich lächerlich wirkt, aber auch, weil sie unbewusst signalisiert: „Ich habe Angst, ich fühle mich bedroht.“ – Ein unsicherer Mensch, der seine Ängste kaschiert, wirkt auf Menschen mit gesundem Selbstbewusstsein typischerweise unattraktiv und unsympathisch.

Im großen, kollektiven Maßstab findet das sinnlose Aufräumen einer Coladose in Afrika seine Entsprechung in der grünen Energiewende. Sie soll den Menschen in allen anderen Weltgegenden signalisieren, was für gute Menschen die Deutschen sind und welche Opfer sie auf sich nehmen, ein paar läppische Moleküle CO2 unter gigantischen Opfern nicht auszustoßen, nur damit diese Moleküle in anderen Weltgegenden billiger emittiert werden können.

Also auch hier eine rein symbolische, wirkungslose Handlung, die am Ende nur unsympathisch und abstoßend wirkt: Der klimarettende Deutsche ist ein angstgetriebener arroganter Widerling. Und wer bitte will schon mit Leuten zu tun haben, die so tief verunsichert und angstgetrieben sind, dass sie ihre eigene Wirtschaft und ihren eigenen Wohlstand zerstören, nur um die völlig durchgeknallte, eingebildete Selbstzuschreibung als „Nazi“ zu kompensieren?


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