18. Januar 2023

Auf dem Weg in die Öko-Diktatur Klima-Inquisition, Ablasshandel 2.0 und die Arbeitsgemeinschaft der Richelieu-Duplikate

Abgekürzt „ARD“

von Axel B.C. Krauss

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Bildquelle: Ivan Marc / Shutterstock 15-Minuten-Stadt: Paris, Wien, Berlin und Hamburg sind die Vorreiter dieses Klima-Lockdown-Konzepts

Normalerweise greife ich nicht gerne auf Wikipedia zurück. Es gibt zwar unbedenkliche Themen, bei denen man darauf vertrauen kann, dass die Online-Enzyklopädie sie unverfaktencheckt darstellt. Doch sobald es um gewisse angebliche Theorien geht, deren Halbwertszeit heutzutage scheinbar immer öfter nur noch bis zum nicht mehr zu kittenden Dammbruch machtpolitischer Realität in leitmedial-stockholmsche Verleugnung reicht, sollte man das von Jimmy Wales gegründete Portal mit dem YGL-Pokal mit Vorsicht genießen.

Das wussten Sie noch nicht? Wales ist tatsächlich „Young Global Leader“ des World Economic Forum (WEF), wie man auf der Website des Förderprogramms heute noch einsehen kann. Ob das der Grund ist, warum es für das Portal mit dem Pokal eine Qual zu sein scheint, sich auf „krude“ Gedanken einzulassen, darüber können wohl nur Nazis spekulieren. Sie verstehen. Der Fairness halber: Das englische Wiki ist diesbezüglich meistens ausführlicher als das deutsche. Bei Letzterem scheint die „deutsche Gründlichkeit“ zugeschlagen zu haben, wenn man sich zum Beispiel die Einträge über zeitgeschichtlich bedeutsame (oder bedeutsam gemachte) Figuren anschaut – sie sind in der englischen Ausgabe oft länger und informativer als ihre teutonisch gesäuberten Pendants, wie ich unlängst bei einer längeren Recherche feststellen durfte. Da kann es schon mal vorkommen, dass der englische Artikel schätzungsweise zwei bis drei DIN-A4-Seiten umfasst, während der deutsche nur aus zwei kurzen Absätzen besteht, die sich auch in einem knappen „Weil halt“ zusammenfassen ließen.

Jedenfalls mache ich diesmal eine Ausnahme und greife auf die Wiki-Definition des Begriffes „Bewusstseinsstrom“ zurück: „Bewusstseinsstrom (Englisch: stream of consciousness) bezeichnet die ungeregelte Folge von Bewusstseinsinhalten. In der Literaturwissenschaft ist damit eine Erzähltechnik gemeint, die die scheinbar ungeordnete Folge der Bewusstseinsinhalte einer oder mehrerer Figuren wiedergibt.“

Wohlgemerkt: scheinbar ungeordnete Folge von Bewusstseinsinhalten einer oder mehrerer Figuren.

Wenn also nun ein Volker Plass, der bereits am 2. Juni 2016 in der „Wiener Zeitung“ schrieb, „um sozialen Ausgleich zu schaffen und den Klimaschutz voranzutreiben, wäre ein bedingungsloses Grundeinkommen hilfreich – aber nicht ausbezahlt in Geld, sondern in Form garantierter CO2-Emissionsrechte“ („CO2-Handel gegen die Ungleichheit – ein Gedankenexperiment“), sich in einem Tweet vom 13. Januar 2023, also sechs Jahre später, auf eine Äußerung von Klimapapst Hans-Joachim Schellnhuber XIV. bezieht und schreibt, seines „Erachtens die einzige Möglichkeit, Klimaschutz in einer rechtsstaatlichen und freien Marktwirtschaft noch hinzubekommen: Rationierung von CO2! (Nebenbei würde sich ein Grundeinkommen für klimafreundlich lebende Menschen daraus ergeben)“, ist jedenfalls klar, dass es sich hier nicht um eine ungeregelte, sondern seit vielen Jahren gut vorbereitete Folge von Inhalten zur Bewusstseinsformung, Neudeutsch „Nudging“, handelt.

Schellnhuber wird in Plass ’s Tweet mit den Worten zitiert: „Jeder Mensch kriegt drei Tonnen CO2 pro Jahr, aber wer mehr braucht, muss es sich eben erkaufen.“ Ich wiederhole es nur ungerne, aber: Can you spell „Ablasshandel 2.0“? Der natürlich von der Klimakirche geregelt wird.

Da wird es wohl nicht ausbleiben können, dass bei Verstößen härter durchgegriffen werden muss. Wie zu lesen zum Beispiel auf der RTL-Website am 15. März 2021: „Brauchen wir in der Klimakrise eine Öko-Diktatur“? Damit das nicht so finster rüberkommt und um den, naja, historisch vorbelasteten Begriff der Diktatur von seiner nostalgischen Patina zu befreien, war die Schlagzeile mit der optimistischen Aufforderung überschrieben, Originalzitat: „Besetzen wir den Begriff doch einfach positiv.“

Nichts leichter als das: Jeder bekommt seine doppelplusgute Ration Kohlendioxid, und wer mehr braucht, kann es doch einfach kaufen! (Das erinnert mich an Finanzgenie Mark Schieritz von der „Zeit“, der einmal schrieb, man könne Geld „doch einfach drucken“). So lässt sich das Wort „Diktatur“ zugleich spielerisch und erzieherisch gestalten! Obendrein kann man dabei auch – so wie Plass –, den Eindruck einer vermeintlich „freien“ Markwirtschaft erwecken, wo es in Wahrheit um ein beinhartes Regiment geht, das in absolutistischer Manier darüber entscheiden will, wer als ökologisch Guter ins Töpfchen und wer ins Klimakröpfchen kommt. Es erinnert mich außerdem an ein anderes noch recht frisches Beispiel für Spindoktorei. In einem Artikel der „Zeit“ vom 6. Januar hieß es: „Die Preise für Strom und Gas steigen. Es klingt widersprüchlich, aber stimmt: Je mehr die Versorger dafür verlangen, umso mehr lohnt sich das Sparen für Verbraucher.“

Lesen Sie morgen: „Die Preise für Nahrungsmittel steigen. Es klingt widersprüchlich, aber stimmt: Je mehr die Hersteller dafür verlangen, desto schlanker werden Bürger und passen sogar durch engste Türspalten. Das schont die Scharniere, weil man sie nicht mehr so weit öffnen muss – was Instandhaltungskosten reduziert.“

Warum die Preise steigen – psssst. Die politischen Ursachen, gerade auch die klimapolitischen, die im Kern machtpolitische sind, die eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Umgestaltung erzwingen sollen – pssst. Jetzt mal ehrlich: Warum überhaupt noch Fragen stellen? Warum die Dinge nicht einfach so akzeptieren, wie sie „nun mal“ sind? Auch das weckt Erinnerungen. Sie reichen tief ins letzte Jahrhundert zurück, als Julian Huxley, Bruder von Aldous und erster Direktor der Unesco, in einem Buch von H.G. Wells, in dem es um moderne Religionsformen geht, die begleitenden Worte schrieb: „Die Erklärung, warum die Dinge so sind, ist eine unnötige Anstrengung. Die wesentliche Tatsache ist der Wunsch nach Religion und nicht, wie sie zustande gekommen ist. Der erste Satz im modernen Glaubensbekenntnis muss nicht lauten, ‚Ich glaube‘, sondern ‚Ich gebe mich hin‘.“ (H.G. Wells, „Open Conspiracy“, Gollancz, London, 1933, Seite 50).

Gib dich der Kohlenstoffreduktion hin, Luke. Gemeinsam können wir die Galaxis mit Zertifikaten beherrschen. Frage nicht, warum. Damit strengst du dein Gehirn nur unnötig an, und dein Gehirn braucht Ruhe und will weich in Eierkuchen gebettet sein. Es zählt nur dein Wunsch nach religiöser Katharsis, nach apokalyptisch-endzeitlichem Erlösungswahn, nicht die Frage, wer diese Agenda betreibt, wer sie erdachte, wer diverse Aktivistengruppen finanziert, welche Ziele damit verfolgt werden et cetera.

Dazu passt ganz hervorragend ein auf der Website des Weltwirtschaftsforums am 2. Januar veröffentlichter Artikel von WEF-Co-Gründer und CEO Martin Böhringer. Auch er möchte manche Fragen offensichtlich lieber vermeiden. Den ersten beiden Punkten folgenden Zitats stimme ich voll und ganz zu, dem Rest nicht: „Wir müssen die wirklichen Gegner benennen: unverantwortliche Politiker, gekaufte Wissenschaftler und einige Unternehmen, die den Anforderungen des Übergangs zu Netto-Null nicht gerecht werden. Wir müssen auch aufhören, so zu tun, als ob es eine Debatte über die Fakten des Klimawandels gäbe. Ein falsches Gleichgewicht ist ein Phänomen, das auftritt, wenn eine Nachrichtenorganisation oder ein anderes Medienunternehmen ein Thema als Gegenstand einer Debatte darstellt, selbst wenn es keine tatsächliche Debatte oder Meinungsverschiedenheit unter den Experten zu diesem Thema gibt.“

Unverantwortliche Politiker, gekaufte Wissenschaftler – ja, das sind echte Probleme. Aber – wie bitte? Unternehmen, die der „Netto-Null“-Emissionspolitik nicht genügen, sind „Gegner“? Ich paraphrasiere Huxley: Die Erklärung, wer sich so manche Wissenschaftler gekauft hat (pssst), die dann einen „Konsens“ behaupten und eine „einige Wissenschaft“, wo durchaus noch Spielraum für Diskussionen besteht, ist eine unnötige Anstrengung. Die wesentliche, politisch und massenmedial synthetisierte Tatsache ist der Wunsch nach Klimareligion, nicht, wie diese zustande kam …

Doch auf Martin Böhringers Artikel („Die größten Problemlöser der Welt müssen bessere Narrative entwickeln“) werde ich nächste Woche gesondert eingehen. Es lohnt sich. Denn er bedient sich vieler rhetorischer Tricks und Täuschungsmanöver, die ohrenbetäubend laut danach schreien, fachgerecht seziert zu werden.

Technokraten-Covergirl Greta meldete sich auch mal wieder zu Wort. Deutschland solle sich ganz doll schämen, weil es zu den größten Verursachern klimatödlicher Emissionen zähle. Was übrigens nicht stimmt. Egal. Gib dich hin. Glaub’s einfach. Und wieder werden Erinnerungen wach. An einen grandiosen Auftritt von Komiker Ricky Gervais bei den Golden Globes 2020. Seine keineswegs nur witzig gemeinte, aber gekonnt als Spaß getarnte Philippika wurde vor allem außerhalb des „woken“ Hollywood regelrecht gefeiert. Gervais: „Solltet ihr heute einen Preis gewinnen, nutzt es bitte nicht als Plattform für eine politische Rede. Ihr befindet euch in keiner Position, die Öffentlichkeit über irgendetwas zu belehren. Ihr wisst nichts über die reale Welt. Die meisten von euch haben weniger Zeit in der Schule verbracht als Greta Thunberg.“

Doch den Sarkasmus mal beiseite: Dass die Zügel nun straffer gezogen werden, war abzusehen. Es hat sich lange Zeit angekündigt. Bereits zu „Pandemie“-Zeiten erschienen Artikel, die Lockdowns wegen ihrer klimafreundlichen Folgen lobten: „Neue Studie: Corona-Lockdowns drückten weltweiten CO2-Ausstoß deutlich“, so die „FAZ“ vom 14. Oktober 2020. Der Effekt sei aber nur von kurzer Dauer gewesen. Wie schade. Vielleicht braucht es spezielle Klima-Lockdowns? Doch dazu gleich mehr. Andere hingegen widersprachen: „Corona-Lockdown hat kaum Auswirkungen auf den Klimawandel“, so GEO am 16. März 2021. Hatten ein paar vorübergehende Lockdowns etwa keine „nachhaltigen“ Auswirkungen auf ein hochkomplexes System wie das irdische Klima?

Naja, einen Versuch war’s wert. Schließlich wurde Corona ja für eine Vielzahl politischer Ziele eingespannt, also warum nicht auch fürs Klima?

Doch zurück zu den Klimalockdowns. Das Wort weckt negative Erinnerungen an Covid. Also – da hat Böhringer durchaus recht – muss man bessere Narrative entwickeln. Auf der Website des WEF war deshalb von der „15-Minuten-Stadt“ („15 Minute City“) die Rede, wobei es um Konzepte zur Reduktion der klimaschädlichen Folgen menschlichen Treibens geht, in diesem Fall um die Mobilität. Schließlich ist der „wahre Feind“ – das wusste doch schon Alexander King vom „Club of Rome“ – „die Menschheit selbst“. Der „Tagesspiegel“ präsentierte das Konzept in leicht umbenannter Form am 20. Dezember 2022 seinen Lesern: „Bitte im Kiez bleiben: Berlin beschließt ‚Stadt der kurzen Wege‘ für mehr Klimaschutz. Der Berliner Senat hat einen Plan für den klimabewussten Stadtumbau vorgelegt: Es soll mehr Grünflächen und weniger Mobilität geben.“

Und auf der Website des „Project Syndicate: The World’s Opinion Page“ schrieb Mariana Mazzucato am 22. September 2022 unter der Schlagzeile „Vermeidung eines Klima-Lockdowns“: „Bei einem ‚Klima-Lockdown‘ würden die Regierungen die Nutzung privater Kraftfahrzeuge begrenzen, den Konsum von rotem Fleisch verbieten und extreme Energiesparmaßnahmen verhängen, während die Produzenten fossiler Brennstoffe ihre Bohrungen einstellen müssten. Zur Vermeidung eines derartigen Szenarios müssen wir unsere Wirtschaftsstrukturen gründlich überarbeiten und eine andere Art von Kapitalismus verfolgen.“

Nämlich die Art, die den Herrschaften Technokraten vorschwebt.

Auch die Strammsteher der „Arbeitsgemeinschaft der Richelieu-Duplikate“, abgekürzt ARD, setzen sich, ganz wie ihr Vorbild und, um ein weiteres Mal auf Wikipedia zurückzugreifen, (meine Ergänzungen in eckigen Klammern), für „die Stärkung der [klima]königlichen Zentral[staats]macht im Sinne eines [szientistischen] Absolutismus“ ein. So fragte „Das Erste“, wenn es ums (Be-) Folgen geht, am 13. Januar auf Twitter: „Können wir uns das Luxusleben der Reichen noch leisten? Dieser Frage ist #Panorama nachgegangen. ‚Das Klima und die Reichen‘ jetzt in der #ARDMediathek.“ Henryk Broder kommentierte das einen Tag später trocken: „Vulgär-Marxismus, wie ihn sich nicht einmal die Linkspartei antun würde“ („Welt“, 14. Januar).

Nein, können „wir“ nicht. Es wird Zeit, das reiche Pack in den Rest des politisch oktroyierten Arbeiter- und Bauernparadieses zu integrieren, sonst globaler Hitzetod! Naja, leisten kann man sich das schon. Kommt drauf an, wie man „reich“ definiert. Es gibt zum Beispiel ein paar Reiche, die sich regelmäßig auf COP-Gipfeln, in Davos oder auf anderen Konferenzen versammeln und dabei auf Hin- und Rückweg fröhlich CO2 emittieren, aber die dürfen das ja auch. Erstens, weil die nun mal Elite sind, und zweitens, weil sie wissen, welchen Zwecken diese Scharade wirklich dient. Sie verdienen ja auch prächtig daran. Es geht um Billionenbeträge weltweit, die verteilt werden wollen.

Und „Vulgär-Marxismus“? Das ist mir ehrlich gesagt zu harmlos. Warum so verniedlichend? Das ist Hardcore-Ökostalinismus, und wer sich ihm widersetzt, wird von zwei Minuten Aktivistenhass wahrscheinlich bald aus dem Bild retuschiert. Oder überklebt. Mit Kartoffelbrei.

Bis nächste Woche.


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