14. Februar 2023

Mieten Die „Ratten“ vermieten das sinkende Schiff?

Wieso privatwirtschaftliche Vermieter Nutzen stiften und nicht schaden

von Andreas Tiedtke (Pausiert)

Es gibt ja das Sprichwort „The left can’t meme“, also etwa, dass die politische Linke keine prägnanten Memes hervorbringen kann, und als wollte der WDR einen weiteren empirischen Beleg dafür bringen, „memte“ er unter dem Account „WDR Satire“ auf Facebook folgenden – naja, nach Auffassung der Ersteller wohl – „satirischen“ Beitrag (Hervorhebungen im Original):

„Eine Frau aus Bochum hat in einer Wohnung zusammen mit 800 Ratten gewohnt.

Schöne Abwechslung.

Normalerweise vermietet ja eine Ratte 800 Wohnungen.“

Nun ja, in Deutschland Menschen mit Ratten zu vergleichen ist nicht nur wegen, aber insbesondere vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte mehr als geschmacklos. Das Wort „Satire“ an einen Beitrag zu hängen, ändert daran nichts. Aber wenn wir zu Gunsten des Redakteurs oder der Redakteure diesbezüglich – wie in ökonomischen Belangen auch – Unkenntnis unterstellen, dürften wir nicht allzu falsch liegen.

Vermieter werden also mit Schädlingen verglichen. Und das von einer zwangsfinanzierten Rundfunkanstalt. Da dies eine praxeologische Kolumne ist, können wir schädliche – sprich: feindliche – und freundliche Handlungen a priori feststellen und eine – objektiv wertfreie – Aussage dazu treffen, ob die Mem-Ersteller oder die als „Ratten“ bezeichneten Menschen ihren Mitmenschen Nutzen stiften oder Schaden zufügen.

Was macht ein Vermieter? Er wendet Ersparnisse auf und – meistens – finanziert die zudem aufgenommenen Schulden, um anderen entgeltlich Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Das ist a priori eine freundliche Handlung, gleich ob dies ein Privatmann im Wege der Vermögensverwaltung macht oder ein Unternehmen. Jedermann kann das Angebot des Vermieters ablehnen, ohne Schaden zu nehmen. Und wenn der Vermieter die Miete so hochstellt, dass er keinen Mieter findet, wird er Verluste erleiden und die Miete so weit mindern müssen, bis er jemanden findet, der bereit ist, den geforderten Mietzins zu bezahlen. Dass die meisten Menschen gerne weniger bezahlen würden, ist übrigens ein Wunsch, aber Wunsch ist etwas anderes als Wille, der durch Handeln offenbar wird. Derjenige, der einen Mietvertrag zu einem Preis abschließt, will diesen Preis zahlen, auch wenn er sich „wünschte“, weniger bezahlen zu müssen. Ein anderer mag sogar bereit sein, mehr zu bezahlen, aber darf das nicht wegen staatlicher Mietpreisdeckelung. Deswegen bekommt die Wohnung vielleicht jemand, der dem Vermieter besser gefällt, weil er zwischen verschiedenen Interessenten auswählen kann, die bereit wären, den gedeckelten Mietpreis zu bezahlen.

Wir wissen also a priori, dass demjenigen, der bereit ist, die Miete zu bezahlen, die angebotene Wohnung mehr wert ist als das Geld, das er dafür hergibt. Denn der Mensch handelt stets, um seine drängendsten Bedürfnisse zu befriedigen, also ist das Bedürfnis nach der Wohnung drängender. Und Austausch findet nur statt, wenn dasjenige, was man erhält, höher bewertet wird als dasjenige, was man dafür ausgibt. Zum Bild des Schädlings, das hier „satirisch“ verwendet wurde, passt der Vermieter nicht, der die angebotenen Wohnungen nicht aus Zwangsabgaben finanziert, sondern aus im Marktaustausch erhaltenen Mitteln. Privates Vermieten führt zu „Win-win“-Situationen.

Dass ein Mietpreisdeckel unter sonst gleichen Umständen zu einem Rückgang der angebotenen Wohnungen und zu schlechterer Qualität führt, ist ökonomisch hinlänglich bekannt. Eine Preisfixierung führt dazu, dass sich das „Problem“ vom Preis auf die Menge verschiebt, sodass weniger und schlechter ausgestattete Wohnungen auf dem Markt sind als ohne die Preisfixierung. Und da jede Intervention in den Markt mit Zwang – und das ist eine staatliche Preisfixierung – für die Marktteilnehmer unschöne Folgen hat, nämlich die Verschlechterung des Angebotes, werden die Politiker auch im Hinblick auf die Menge des Wohnraums intervenieren, sei es mit aus Zwangsabgaben finanzierten Subventionen, mit sogenanntem „sozialen Wohnungsbau“ oder in Form einer Reduzierung von Zwangsabgaben für Investoren in Wohnraum. Im letzteren Fall liegt tatsächlich eine Milderung feindlichen Handelns vor, denn wenn sich die Zwangsabgaben für die Investoren reduzieren, haben sie mehr Mittel zur Verfügung als sonst und können die Wohnung auch zu günstigeren Preisen anbieten.

Der sogenannte „soziale Wohnungsbau“, der ausschließlich oder teilweise mit Zwangsabgaben finanziert wird, ist allerdings nicht „sozial“, sondern unsozial im Hinblick auf die Geschädigten: Was der Mieter weniger bezahlt, das muss ein anderer bezahlen, und der wird dazu gezwungen, oder der Staat finanziert die Wohnungen mit Schulden, und zusammen mit dem erzwungenen Geldmonopol entsteht den Geldhaltern durch die Inflation der Geldmenge ein Nachteil, weil die Kaufkraft des Geldes – ceteris paribus – abnimmt. Hierbei handelt es sich also um feindliche Handlungen, die zu „Win-lose“-Situationen führen. Gewinner sind die Mieter und die politischen Akteure, die erstens ihr Wirkungsfeld ausdehnen und zweitens wohl meinen werden, ihrem Ziel der Wiederwahl näher gekommen zu sein, indem sie ihrer Klientel etwas „zugeworfen“ haben. Verlier sind diejenigen, die ohne den sozialen Wohnungsbau mehr Vermögen hätten beziehungsweise nur niedrigere Preise (Inflation) bezahlen würden.

In der politischen Debatte um den Wohnungsmarkt geht es nicht mehr nur um einen Mietpreisdeckel oder zwangsfinanzierten Wohnungsbau, sondern es wird auch über „Vermieterführerscheine“ und sogar Enteignungen gesprochen – und in Berlin mit 56 Prozent dafür abgestimmt. Auch das führt natürlich dazu, dass weniger investiert wird als ansonsten. Hinzu kommen die steigenden Preise durch die Inflation. So hat Deutschlands größtes Wohnungsunternehmen verkündet, im Jahre 2023 keine neuen Projekte für den Neubau anzugehen. Grund seien die gestiegenen Zinsen und Baukosten sowie Unsicherheiten „bei der Förderung“, also ob’s vom Staat was dazu gibt – oder Erleichterungen auf bestehende Zwangsabgaben. Kommt jetzt noch dazu, dass Vermieter „satirisch“ als „Ratten“ verhöhnt und verspottet werden, wird auch dies tendenziell dazu führen, dass das Wohnraumangebot zurückgeht. Wer lässt sich schon gerne verhöhnen? Dies ist sicherlich nicht hilfreich, das „sinkende Schiff“, also das Wohnraumangebot, vor dem weiteren „Untergang“ zu retten…

Im Gegensatz zu Vermietern, die ablehnbare Angebote machen, gilt das für den WDR nicht, dessen Redakteure die grandiose Idee zu diesem Mem hatten. Die Beitragszahler werden gezwungen, für deren Hohn und Spott auch noch zu bezahlen. Handlungslogisch liegt eine unsoziale feindliche Handlung vor, wenn als Mittel Drohung und Zwang gegen friedliche Menschen eingesetzt wird, um eine Handlung zu erzwingen, also hier das Bezahlen der Beiträge. Was wir von vornherein über den Nutzen der Zahlenden sagen können, ist, dass sie das Bezahlen gegenüber den angedrohten Zwangsmaßnahmen vorziehen, aber nicht, ob ihnen der bezahlte Betrag die Leistung auch wert ist. Das wissen wir a priori nur, wenn es sich um Angebote handelt, die man schadlos ablehnen kann, aber nicht, wenn jemand bedroht wird und der Bedrohte nicht nur das bewertet, was er erhält, sondern auch und vor allem das, was er nicht erhalten will, nämlich das Zufügen von Leid mit Zwang.

Zur Verteidigung der WDR-Redakteure, die für den Beitrag verantwortlich zeichnen, wollen wir zu Ihren Gunsten unterstellen, dass sie nicht über vertiefte ökonomische Einsichten verfügen. Nicht wenige verlassen die Hochschule ohne ökonomische und – vor allem – praxeologische Grundkenntnisse, insbesondere auch Volkswirte, wenn sie für „staatliche Eingriffe in den Markt“ argumentieren. Die Redakteure mögen davon ausgehen, dass ein „Verteilungsproblem“ vorliegt, und nicht wissen, dass sich der einheitliche Prozess „Produktion und ‚Verteilung‘ im Markt“ nicht derart aufspalten lässt, dass man isoliert an der Verteilung etwas ändert, ohne dass dies Einfluss auf die Produktion hätte. Was verteilt werden soll, muss vorher produziert werden, und der Unternehmer produziert, um Gewinne zu erwirtschaften. Wenn ihm diese ganz oder teilweise genommen werden, sinkt die Produktion. Produziert der Staat, fehlen die Mittel woanders und es kommt Zwang ins Spiel, entweder unmittelbar (Steuern und andere Abgaben) oder mittelbar (Inflation). Es kommt also zu einer Pareto-Verschlechterung, bei der sich die Situation einiger verbessert auf Kosten und zu Lasten anderer, und das Leid, das bei den Geschädigten erzeugt wird, lässt sich nach keinem objektiven Maßstab mit dem Nutzen vergleichen, den die Gewinner erhalten. Denn Nutzen und Leid sind subjektive Phänomene, für die es keinen objektiven Standard gibt, mit dem verglichen werden könnte. Deshalb wird bei „Win-lose“-Situationen auch von „pareto-unvergleichbar“ gesprochen.

Aber wer will diesen Redakteuren einen Vorwurf machen, dass sie an das glauben, was man ihnen beigebracht hat, nicht nur in der Schule, sondern in unzähligen Talk-Shows, Filmen, Serien, Radiosendungen und so weiter? Das heißt jedoch nicht, dass diese Denkfehler harmlos wären, denn das Handeln folgt aus dem Denken und Fühlen. Wenn sie produktive Menschen, die schadlos ablehnbare Angebote machen, „satirisch“ mit Schädlingen vergleichen, werden sie unter Umständen auch geneigt sein, dementsprechend zu handeln, also auf die ein oder andere Weise dazu beitragen – etwa medial oder durch ihr Abstimmverhalten –, dass produktiven Menschen unter Einsatz des politischen Mittels Zwang ein finanzieller Schaden zugefügt wird, seien es Mietpreisdeckel, Zwangsabgaben, Geldmengenausweitung oder dergleichen. Und weitergedacht: Was wären nach der Denke der WDR-Redakteure Menschen, die Geld dafür nehmen, dass sie beispielsweise Lebensmittel zur Verfügung stellen oder Gesundheitsdienste anstatt Wohnraum? Letztlich treffen die Schäden solcher medialen Stimmungsmache und der dazu passenden Politik nicht nur die Unternehmer, sondern auch die Konsumenten, und wegen des zunehmenden Grenzleids sind diejenigen am meisten betroffen, die am wenigsten haben.

Quellen:

Beitrag des WDR (Facebook)

Berlin stimmt für Enteignung großer Wohnungskonzerne (Deutschlandfunk)

Der Vermieter wird zum Feindbild und soll nun einen „Führerschein“ machen (Focus, Rainer Zitelmann)

Neubaustopp bei Vonovia: scharfe Kritik an Deutschlands größtem Vermieter (RND)

Der Kompass zum lebendigen Leben (Andreas Tiedtke)


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