24. April 2023

Gestahlfedert: Tatort II Ooops, they did it again!

Noch mehr Scheißhauspropaganda eines untergehenden Regimes

von Michael Werner

Wenn meine Kolumne am Montagmorgen um 6 Uhr erscheint, ist der Tatort, von dem ich hier spreche, bereits eine Woche alt, und es lief längst schon ein neuer. Genauso verhielt es sich letzte Woche mit dem Oster-Zweiteiler. Zu gerne hätte ich den Tatort vom Sonntag, dem 16. April, noch ergänzend in meine letzte Kolumne vom 17. April eingebracht, da er bestens zum Thema passte, jedoch lief dieser erst nach dem für mich geltenden Redaktionsschluss, so dass ich mich für ein Sequel entscheiden musste. Und wer weiß, vielleicht lief, wenn Sie das hier zu lesen bekommen, ja schon ein weiterer Tatort, der ins hier besprochene Schema passt und genug Stoff für eine dritte Folge liefert. Die Vorab-Beschreibung des WDR lässt jedenfalls darauf hoffen, denn es geht um einen Straßenbahnfahrer namens Hamza Arkadas, der während seiner Nachtschicht von einem unbekannten jungen Mann niedergestochen wurde. Wir haben also mal wieder ein Opfer mit Migrationshintergrund, und ich nehme Wetten an, dass der Täter ein Biodeutscher ist. Und rrrääächz.

Die Propagandadichte im Staatsfunk hat inzwischen erschreckende Ausmaße angenommen. Penetrierte der RBB an Ostern den Zwangsgebührensklaven gleich drei Stunden lang mit seiner verkehrten Welt, so legte der NDR nur wenige Tage später noch eine Schippe drauf. „Hey, lasst uns doch zur Abwechslung endlich mal was mit Flüchtlingen machen, die sieht man ja so selten in unseren Fernsehkrimis! Die Zuschauer müssen endlich kapieren, dass die Flüchtlinge die Guten sind und die Deutschen alles verkappte Nazis! Das kann man gar nicht oft genug thematisieren!“

Eröffnungsszene: Irgendwo mitten im Nirgendwo macht ein LKW bei nächtlicher Fahrt Halt, weil der Fahrer eine Warnmeldung bekommen hat. Als er sein Fahrzeug mit der Taschenlampe inspiziert und unten eine kleine Ladeklappe öffnet, entweichen aus einem Stauraum, der sonst für Paletten benutzt wird, ein paar – im wahrsten Sinne des Wortes – dunkle Gestalten und rennen panisch in den umliegenden Wald. Dem verwunderten Fahrer schwant wohl, dass er unwissentlich als Schlepper für Flüchtlinge missbraucht wurde, und schaut noch mal in den Stauraum, wo sich dann ein weiterer Mensch befindet, ein sehr junger Mann dunkler Hautfarbe, keine 20 Jahre alt. Der konnte nicht mehr weglaufen, weil er dummerweise tot ist.

Achtung, Spoiler: Hier haben wir kein Mordopfer; die spätere Obduktion wird ergeben, dass den jungen Mann ein Herzkasper dahingerafft hat. Und da in letzter Zeit aus unerfindlichen Gründen ständig gesunde junge Menschen plötzlich und unerwartet einfach so tot umfallen, gilt das neuerdings als „natürlicher Tod“.

Szenenwechsel: Als Nächstes wird ein Ehepaar in die Handlung eingeführt. Flüchtlinge aus Afrika, beide Akademiker, sprechen Deutsch (sie ist sogar Deutschlehrerin), sind Christen und mussten fliehen, weil sie Oppositionelle waren. Also quasi die Verkörperung all dessen, was uns die Staatspropaganda seit 2015 als „Flüchtlinge“ verkaufen will, obwohl solche Fälle in der Realität wohl einen Anteil ausmachen dürften, der im homöopathischen Bereich liegt. Aus welchem Land genau das Ehepaar stammt, erfährt man vorsichtshalber nicht – man will ja niemandem in Afrika auf die Füße treten von wegen Christenverfolgung. Die beiden haben schon seit Tagen nichts mehr von ihrem Sohn gehört, also begibt sich der Mann nun zur Polizei, um eine Vermisstenanzeige zu erstatten. Das liefert dem Drehbuchschreiber die optimale Vorlage fürs unvermeidliche Bullen-Bashing: Der böse, rassistische Polizist weigert sich, die Sache aufzunehmen, weil der besorgte Vater sich nicht ausweisen kann. Ja, das klingt doch mal realistisch: Ein Flüchtling bekommt Probleme mit deutschen Behörden, weil er keine Papiere hat. Selten so gelacht!

Der Fernsehzuschauer mag nun kombinieren, dass es sich bei dem Toten im LKW um den Sohn der Vorzeige-Flüchtilanten handelt. Das vermutet auch der Kommissar, gespielt von Wotan Wilke Möhring, also schnappt er sich den Mann und zeigt ihm ein Foto des unbekannten Verstorbenen. Der Vater gibt zu Protokoll, dass das zwar nicht sein Sohn sei, aber ein guter Freund seines Sohnes. Achtung, Spoiler: Tatsächlich kannte er den Toten gar nicht, wie sich am Ende herausstellt, sondern erfand die Freundschaft zu seinem Sohn lediglich, weil er sich davon erhoffte, die Polizei mit diesem kleinen Kniff dazu zu bewegen, nun auch nach seinem Filius zu suchen. Weil sich unsere rassistischen Cops sonst ja niemals für einen verschwundenen Schwarzen interessieren würden.

Im Laufe des Films freunden sich der Kommissar und der besorgte Vater ein Stück weit an. Das wurde in die Handlung eingebaut, um dem Zuschauer die menschliche Tragik einer solchen Fluchtgeschichte zur Abwechslung mal durch die Hintertür statt mit dem Holzhammer näherzubringen. Was völlig in Ordnung wäre, wenn das Schicksal dieser Familie repräsentativ wäre und eben kein Einzelfall, den man in der Realität mit der Lupe suchen müsste.

Der nächste Klopper lässt nicht lange auf sich warten: Der Kommissar stellt dem Vater die berechtigte Frage, warum er denn keine Papiere habe. Die Antwort: Das Asylverfahren sei zu kompliziert, daher ziehe man es vor, hier in der Illegalität zu leben, statt sich behördlichen Schikanen auszusetzen, und sich mit Schwarzarbeit (sie putzt irgendwo, er entsorgt Müll) über Wasser zu halten, statt Stütze zu kassieren oder gar legal zu arbeiten. Ja, genau, in Deutschland einen Asylantrag zu stellen ist so dermaßen kompliziert, dass das zwei Akademiker, darunter eine Deutschlehrerin, hoffnungslos überfordert, während seit 2015 rund 2,5 Millionen andere, die zu einem nicht geringen Teil funktionale Analphabeten sind, das auf wundersame Weise bewerkstelligt bekamen. Als würde man hier eine solche Familie wie im Tatort beschrieben an bürokratischen Hürden scheitern lassen, statt sie – zurecht! – mit Kusshand aufzunehmen. Selten so gelacht!

Während der Mann ruhig, moderat und aufgeschlossen wirkt, erleben wir seine Frau – obwohl studierte Deutschlehrerin und daher mit unserer Kultur eigentlich vertraut – als misstrauische, verbitterte Deutschen-Hasserin, die kein gutes Haar an diesem Land und seinen Menschen lässt. Nachdem sich die Kommissarin des Ermittler-Teams, gespielt von Franziska Weisz, ihre Tiraden eine Weile anhören musste, platzt ihr der Kragen und ihr entfleucht die – ebenfalls berechtigte – Frage: „Warum sind Sie dann überhaupt noch hier, wenn wir alle so scheiße sind?“ Diese Szene hätte zur Sternstunde der jüngeren Tatort-Historie getaugt, wenn man es nicht sofort wieder vermasselt hätte: Die Frau antwortet, dass es in ihrer Heimat mit Armut und Verfolgung halt noch beschissener sei. Das lässt die Kommissarin nicht nur so stehen, sondern stimmt ihr sogar noch zu. Ja klar: Es gibt rund 195 Staaten auf der Welt, und dann muss man aus irgendeinem afrikanischen Shithole ausgerechnet nach Nazi-Deutschland fliehen, wo es lediglich ein kleines bisschen weniger beschissen ist als zuhause. Selten so gelacht!

Apropos „Nazis“: Auch die gab es wieder. Und es waren auch wieder drei. Zur Abwechslung jedoch mal keine Klischee-Neonazis mit Stiernacken, Glatze und Runen-Tattoos wie im Oster-Zweiteiler, sondern viel subtiler: Nadelstreifen-Nazis! Drei ordentlich frisierte und gekleidete Männer, die gesittet die Straße entlang gingen, bis sie dem Vater des vermissten Jungen begegneten, ihn anrempelten und wüst beschimpften. Die kamen bestimmt gerade vom AfD-Kameradschaftsabend und haben zuhause einen lebensgroßen Starschnitt von Björn Höcke auf der Tür kleben. Ja, wer kennt sie nicht, diese Anzug-Almans, die auf der Straße jeden Schwarzen anpöbeln. Selten so gelacht!

Im weiteren Verlauf des Films erfahren wir dann, dass der Spediteur, dem der LKW vom Anfang der Handlung gehört, einem lukrativen Nebenerwerb als Schlepper nachgeht. Jedoch schmuggelt er keine Flüchtlinge nach Deutschland herein, sondern – festhalten! – aus Deutschland heraus, und zwar nach Großbritannien, wo sich die Flüchtlinge ein besseres Leben erhoffen als in Deutschland, weil es dort Arbeit für sie gibt. Ja, bei uns dürfen sie nur Sozialleistungen fürs Nichtstun kassieren statt zu arbeiten, daher ist es hier inzwischen so scheiße, dass selbst die Flüchtlinge massenweise fliehen. Selten so gelacht!

Am Ende stellt sich dann heraus, dass der Sohn des Akademiker-Ehepaars leider auch tot ist. Er starb bei einem Unfall auf einer Baustelle, wo er schwarzgearbeitet hatte. Vielleicht hätte er noch gerettet werden können, jedoch rief aus Angst vor Entdeckung des staatlich nicht erwünschten Beschäftigungsverhältnisses niemand einen Krankenwagen; stattdessen ließ man ihn sterben und den Leichnam verschwinden.

So gab es zwar zwei Tote, aber keinen Mord. Und um die Tatort-übliche Quote an gierigen, kriminellen Unternehmern gleich mal überzuerfüllen, klickten dann die Handschellen sowohl beim Bauherrn als auch beim Schlepper-Spediteur. Die Falschaussage des Vaters über den Toten im LKW blieb hingegen folgenlos.

Fun Fact eins: Sämtliche im Film dargestellten afrikanischen Flüchtlinge waren praktizierende Christen. Selten so gelacht!

Fun Fact zwei: Während wir nicht erfahren, woher die ganzen afrikanischen Christen stammen, wird es lediglich bei dem Toten aus dem LKW erwähnt: Er kam aus Kamerun! Na, klingelt da etwas? Jawohl: Das Land war vor über hundert Jahren mal rund 30 Jahre lang eine der drei deutschen Kolonien in Afrika. Merke: Ein bisschen postkolonialer Schuldkult schadet nie! Kurz die Fakten: Im Jahre 2021 (aktuellere Zahlen konnte ich leider nicht finden) flohen aus Kamerun gerade mal 386 Menschen nach Deutschland. Und das ganz sicher nur wegen Kaiser Wilhelm. Selten so gelacht!

Wie in der letzten Kolumne, ist auch diesmal der Titel des Tatorts der Schlussgag: „Verborgen“ – will sagen, sie leben im Verborgenen. Oder wie der Vater des vermissten Jungen im Film postulierte: „Wir sind unsichtbar.“ Richtig, Flüchtlinge aus Afrika sind bei uns völlig unsichtbar. Zum Beispiel im Straßenbild deutscher Großstädte. Oder in der Kriminalitätsstatistik. Selten so gelacht!

Auch diesen Tatort habe ich wieder mit Oliver Flesch für den YouTube-Kanal des „Deutschland Kurier“ besprochen, jedoch ereilte diesen Kanal nur wenige Minuten vor Veröffentlichung des Videos eine einwöchige Sperre – aufgrund eines uralten Clips aus der Corona-Zeit, der angeblich „medizinische Fehlinformationen“ enthielt. Also jene Skepsis gegenüber einer Impfung und staatlichen Zwangsmaßnahmen, die sich zwischenzeitlich als weitgehend berechtigt und wahr erwiesen hat. Das Video wird daher erst in ein paar Tagen online gehen und dann auch nachträglich hier verlinkt. Merke: Zensur geht vor im besten Deutschland aller Zeiten!

Nachtrag: Das Video ist nun wieder zugänglich (siehe unten).

Quellen:

Ein Krimi aus dem Paralleluniversum (Freiheitsfunken)

Anzahl der Asylanträge (insgesamt) in Deutschland von 1995 bis 2023 (statista)

Asylanträge und Flüchtlinge aus Kamerun (Laenderdaten.info)

Der neue Tatort: Und schon wieder geht’s um unsere „Flüchtlinge“ | TV-Kritik mit Flesch & Werner (YouTube)


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