27. April 2023 08:00

Lautloser Krieg Im Kern die alte Schlange

Die Umkehr aller bisherig gültigen Werte, Normen und Ziele

von Monika Hausammann (Pausiert)

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Die einzig legitime Aufgabe von Politik ist es, die Rahmenbedingungen dafür zu sichern, dass die Menschen in Ruhe ihr Leben führen können. Der Krieg, von dem hier die Rede ist, ist Notwendigkeit und Folge der Verkehrung dieser Aufgabe in ihr Gegenteil: Wie im Irak oder anderen „befreiten“ Ländern arbeiten Staaten und Konzerne heute gemeinsam daran, die Rahmenbedingungen zu schaffen, um in Ruhe ihrem Geschäft der Aufteilung der Welt nachgehen zu können, ohne dabei von den Bevölkerungen im Allgemeinen und von „Terroristen“ mit Freiheitsdrang im Speziellen gestört zu werden. Das Wichtigste bei diesem Unterfangen ist daher, dass dieser Krieg von der Mehrheit der Menschen nicht als Krieg, sondern als Unterfangen zum Erhalt ihrer Freiheit und zu ihrem Schutz wahrgenommen wird – der Staat nie als Feind, sondern als Freund. Die Gewalt und die Sichtbarkeit dieses Krieges dürfen also nur minimal sein. Wenn es dennoch zu Gewalt kommt, dann nur unter zwei Bedingungen: Entweder geht sie nicht direkt vom Staat aus, sondern von einem Teil der durch den Staat dazu motivierten Bevölkerung gegen einen anderen, oder aber der Großteil der Bevölkerungen begrüßt die staatliche Gewalt, da sie zu ihrem Schutz vor jenen eingesetzt wird, die man ihnen als Feinde präsentiert.

Während also die tatsächliche Front des Kriegs ungesehen zwischen dem Staat und der Bevölkerung verläuft, ist es bereits eine Kampfhandlung dieses unsichtbaren Krieges, die Mehrheit der Menschen dahingehend zu manipulieren, dass sie glauben, als Verbündete und Partner des Staates auf seiner Seite der Frontlinie zu stehen. Sie würden in Kooperation mit dem Staat die Feinde von Demokratie, Vielfalt, Freiheit und so weiter bekämpfen. Und nicht im Traum denken sie daran, dass es für den Staat nicht gute und böse, sondern nur mehr oder minder störende Bürger gibt. Dass nicht bestimmte Individuen oder Gruppen der Bevölkerung der Feind des Staates sind, sondern die ganze Bevölkerung. Wir alle sind der Feind, vor dem die Allparteien-Allianz sich und ihre Geschäfte schützen will – egal, was einer tut, egal, wie gehorsam er ist und wie viel Haltung er zeigt. Er ist der Feind und damit Ziel hocheffizienter Täuschungs-Operationen. Zuerst eben jener, die ihn dazu bringt, zu glauben, sein Kollege, Nachbar oder Kunde, der anders denkt, nicht so gehorsam ist und nicht so viel Haltung zeigt, sei sein Feind, während er selber ein Freund des Staates sei.

Wichtig erscheint mir in diesem Zusammenhang das Folgende: Täuschung liegt in der Natur einer Organisation, wie der Staat eine ist, deren Mitglieder für das, was sie mit ihrer Macht anstellen, nicht persönlich haften und geradestehen müssen. Und ebenso liegt es in der Natur von Gemeinschaften, getäuscht zu werden, wenn die Mehrheit ihrer Mitglieder sich dazu überreden lässt, die eigene Macht – die Verantwortung für das eigene Leben und damit die Freiheit – im Tausch gegen kurzfristig lohnenswert Erscheinendes in die Hände einer solchen Organisation zu legen. Anders gesagt: Täuschung ist nur in Kooperation zwischen Täuschern und Getäuschten möglich. Obwohl also das Betrügen und das Betrogenwerden quasi „naturgemäß“ Teil dessen sind, was sich Demokratie nennt, haben wir es heute meiner Meinung nach aus zwei Gründen mit einer anderen Situation als während langer Zeit zuvor zu tun.

Grund eins ist die „innere Beschaffenheit“ der Allparteien-Allianz. Parteigrenzen waren, wie gerade beschrieben, schon immer durchlässig, wenn es um persönliche Vorteile des politischen Personals ging. Was die Situation heute vom „normalen“ früheren Klüngel unterscheidet, sind meiner Meinung nach der Organisationsgrad und der Pragmatismus der Allianz. Gleich geblieben ist ihr Kern – die alte Schlange des Sozialismus, die in sich das „Beste“ von Eine-Welt-Utopie, von Machtwahn und von schlichter Gier vereint. Denn so sehr und so umfassend der Sozialismus in der Praxis auf jeder denkbaren Ebene gescheitert ist, so lebendig ist bei Machtmenschen und sozialistischen Utopisten, wenn auch aus auf den ersten Blick unterschiedlichen Motiven, das Ideal einer globalen Gesellschaft mit einer Art gemeinsamen „Denk-Fonds“ geblieben. Ziel sowohl der Utopisten als auch der Machtsozialisten war stets eine Gesellschaft, die mit der Präzision einer Maschine arbeitet und sich von ihnen auch so steuern lässt. Irgendwann sind die beiden Gruppen zusammengewachsen und heute lassen sie sich, Parteibezeichnung hin oder her, nicht mehr voneinander unterscheiden. Zum einen deshalb, weil sich die mit den Sozialisten konkurrierenden Parteien deren sämtliche Thesen unter anderer Bezeichnung zu eigen gemacht haben. Zum anderen deshalb, weil man hüben wie drüben zu der Einsicht gekommen zu sein scheint, dass die Einheits-Gesellschaft nur über die Konsens-Gesellschaft und diese wiederum nur durch ideologischen Druck und durch Zwang erreicht werden kann. Das war vielleicht die Geburtsstunde dessen, was heute die Allparteien-Allianz ist: der Moment, in dem eine alle ideologischen Hemmungen und Grenzen überwindende Einsicht zum Zusammenschluss bisher vermeintlich konkurrierender Gruppen inner- und außerhalb des Staates zu einer einzigen führte. Zu einer Kaste von Machtpragmatikern, für die Ideologie nur Mittel zum Zweck mit reinem Werkzeug-Charakter ist. Mit dem „globalen Krieg gegen den Terrorismus“ und mit den Möglichkeiten der modernen Informationstechnologien veränderte sich die Situation insofern, als dass die Anstrengungen der Allianz professionalisiert und die Möglichkeiten in nie da gewesener Geschwindigkeit ins Unendliche potenziert wurden. Julian Huxleys Traum von der Gedankenbank wurde Wirklichkeit. Heute sind wir so weit, dass die Allianz völlig offen und ungehemmt agieren kann, ohne mit mehr Widerstand aus der Bevölkerung als kleinen Scharmützeln hier und da rechnen zu müssen.

Damit komme ich zu Grund zwei, weshalb ich denke, dass sich die heutige Situation vom normalen früheren Politklüngel fundamental unterscheidet: Der Krieg, den die Allianz führt, findet nicht auf einem vom Zufall politischer und sozialer Witterung geformten, sondern auf dem sorgfältig präparierten Grund der Kultur statt. Auf dem über Jahrzehnte hinweg in Morast verwandelten Boden umgepflügter Werte, Normen und Ziele unserer Zivilisation. Die Arbeit am Pflug teilten sich Utopisten und Macht-Sozialisten ebenso einvernehmlich wie die Lehre, die man aus den bisherigen Experimenten des Sozialismus gezogen hatte.

Diese Lehre lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Zeit. Es braucht Zeit, viel Zeit, um den Menschen, namentlich den inneren Menschen auf dem Umweg seiner Werte, Normen und Ziele – die, wie wir gesehen haben, umso stärker verankert sind, je unbewusster sie sind – umzugestalten zum Einheits-Menschen der Konsens-Gesellschaft. Denn so blutig und bestialisch bisherige sozialistische Revolutionen und die folgenden Diktaturen gewesen waren, ihre Gewalt hatte nie lange genug gedauert, um die Verbindung der Menschen zu den über Jahrhunderte und Jahrtausende hinweg geltenden Werte, Normen und Ziele radikal und für immer zu kappen und an ihrer Stelle neue Werte und Normen in die „Herzen und Köpfe“ hineinzupflanzen. Man schaffte es zwar, sie kurzfristig mit ideologischem Schotter und durch die Sicherstellung von Konsumfähigkeit (auch Wohlfahrt genannt) zuzuschütten, aber kaum war der Wahn vorbei oder das Regime gezwungen, aufgrund ökonomischer Notwendigkeiten die ideologische Schraube ein wenig zu lockern, waren die Werte, die zuvor keiner mehr zu erwähnen gewagt hatte, wieder so lebendig, als hätte es keinen Unterbruch im Kontinuum ihrer Gültigkeit und Anwendung gegeben. Aus diesem Phänomen haben die Sozialisten aller Parteien das Folgende gelernt: zum einen, dass ein solches Vorhaben über Generationen hinweg umgesetzt werden muss, und zum anderen, dass es effizienter ist, die bisher gültigen Werte dem Namen nach beizubehalten und „nur“ ihre Bedeutung zu verändern.

Ich gehe darauf an dieser Stelle nicht näher ein, da ich der Thematik in „Die große Verkehrung“ ein ganzes Buch gewidmet habe. Als Beispiel in aller Kürze sei hier nur der Begriff des Individuums erwähnt: Noch bis Corona hätte kein Politiker gewagt, sich offen gegen das Individuum zu stellen. Im Gegenteil: Individualismus als lebendiges Erbe der Aufklärung sei toll, hieß es. Die Idee des Menschen als einzigartiges und unersetzliches Original der Urgrund der Demokratie und ihrer Institutionen schlechthin. Dass gleichzeitig und unter Absingen exakt dieser Parolen von der Bildungs- und Meinungsindustrie das genaue Gegenteil propagiert wurde, fiel nicht ins Gewicht, und das Individuum wurde nach und nach zu einem Wesen identitätsloser Gegenwärtigkeit (Geschichte böse, Herkunft böse, Heimat Nazi, westliche Kultur böse) degradiert und mit dem Konsens-Vokabular des „Wir“, mit alternativlosen Einheits-Meinungen, mit Einheits-Glauben, sensibler Einheits-Sprache und dem Wissen um die Schlechtigkeit von Unterschieden ausgestattet. Angeboten werden den Einheitsmenschen der unter dem Label „Individualismus“ laufenden Konsum- und Massengesellschaft als Ausgleich für den Verlust echter Individualität künstliche und auf biologistische Merkmale beschränkte Identifikations-Konzepte wie die LGBTQI+-Lobby oder andere Empowerment-Bewegungen. Dasselbe kann man fast mit allen unsere Zivilisation konstituierenden Kernbegriffen durchspielen: Familie, Ehe, Eigentum, Recht, Freiheit, Verantwortung, Glauben – während man vordergründig alles bejaht, wird es praktisch in seinem Kern ausgehöhlt.

Das Resultat der konsequenten Umsetzung der Theorie kann sich blicken lassen. Heute kann eine FDP ohne Not mit Links-Grün koalieren, jedes sozialistische Gesetz durchwinken, ihre JuLis sich in eine Grüne-Jugend 2.0 verwandeln lassen und dennoch vor den Kameras für ein nicht linkes und freiheitliches Deutschland einstehen, ohne dass es innerhalb der Partei zu einer Palastrevolution kommt oder die Partei im Außerhalb zur Lachnummer wird. Im Gegenteil: Sowohl FDP-Funktionäre, FDP-Wähler als auch politische Gegner und das Publikum sehen die Partei mehrheitlich nach wie vor auf dem Boden klassisch-liberaler und/oder christlich-humanistischer Werte stehen. Und alle zusammen glauben sie, nicht nur die Wirklichkeit zu erkennen, sondern darüber hinaus auch für das in dieser Wirklichkeit Gute und Richtige zu kämpfen, während man tatsächlich einer unmenschlichen Agenda Vorschub leistet und gleichzeitig jene als Feinde identifiziert und bekämpft, die davor warnen.

Durch diese über die Zeit hinweg systematische inhaltliche Neubefrachtung der Begriffe für die Werte, auf denen wir als Zivilisation gründen, sowie durch die moralische Überlegenheit, die man sowohl der neuen Fracht als auch jenen zuschrieb, die sie fraglos übernahmen, wurden zwei der wichtigsten Bedingungen für den Erfolg des Kriegs der Allianz erfüllt. Bedingung eins: Durch die moralische Überlegenheit der sich mit dem Staat verbündet glaubenden Mehrheit der Bevölkerung wurde die Grundlage dafür gelegt, dass die Bevölkerung selber zu großen Teilen für die Ruhe sorgt, die die Allianz braucht, um ihren Geschäften nachzugehen. Kurz: Die Aufstandsbekämpfung wird von der Bevölkerung selbst sichergestellt, ohne dass sie sich dessen bewusst ist oder es glauben würde, wenn man es ihr sagte. Bedingung zwei: Die Verschiebung vom Faktischen auf die moralischen Aspekte von Fakten führt dazu, dass die konkrete Politik, also die Entscheidungen und Handlungen der Allparteien-Allianz ein Stück weit aus dem Fokus und damit in den Hintergrund rücken kann. Wie diesem Stück weitere hinzugefügt werden mit dem Ziel der völligen Unsichtbarkeit beziehungsweise Irrelevanz für die Wirklichkeit der Menschen – dazu später mehr.


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