12. Mai 2023 14:00

Europäische Befindlichkeiten Eine Zeitbombe namens Deutschland

Friedenssicherung durch Verdummung?

von Carlos A. Gebauer (Pausiert)

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Bildquelle: Geschichtsfanatiker / Wikimedia Brandgefährlich: Wenn der deutsche Michel plötzlich seine Nachtmütze wegwirft …

Vor ein paar Tagen ist mir per Zufall auf Youtube ein knapp viertelstündiges Video vor die Augen gekullert, dessen historische Stimmungslage mein Weltbild in ein noch einmal anderes Licht gerückt hat. Es handelt sich um eine Art Anweisungs- oder Hinweisfilm an US-amerikanische Soldaten, die im Jahr 1945 im besiegten Deutschland stationiert wurden. In jener Viertelstunde wird ihnen unmissverständlich klargemacht, dass und warum sie stets einen hinreichenden Misstrauensabstand von den Deutschen halten sollten.

Das sehenswerte Filmdokument beschreibt die Deutschen als ein wundersam zerrissenes Völkchen. Der Blick auf die Besetzten beginnt im Jahre 1864 und zeigt, wie berittene Truppen im ersten Kapitel namens „Bismarck – Blut und Eisen“ Dänemark angreifen, um ihre Nation sodann Stück für Stück zu einen. Nach dem militärischen Sieg über Frankreich 1870/71 mutieren die gerade noch aggressiven Krieger dann abrupt in eine musizierende und kultivierte Gemeinschaft, die friedlich ihre Ochsenkarren durch malerische Landschaften geleitet.

Doch die Soldaten werden gewarnt: Der beschauliche Deutsche ist nur vorübergehend friedlich. Mit dem Kaiser an der Spitze wird er wieder neu angriffslustig. Kaum ist er im Ersten Weltkrieg dann aber verheerend geschlagen, sieht er äußerlich wieder aus wie ein manierlicher Zeitgenosse. Es zeichnet sich indes ein Muster ab: Der neue Führer verwandelt Deutschland wieder in eine Kriegsmaschine. Doch diesmal sind die Amerikaner klüger, als sich wieder nur vertrauensselig auf ihren Kontinent zurückzuziehen. Die Soldaten werden gewiesen: Ihr seid jetzt hier und bleibt es, um zu verhindern, dass Uncle Sam ein drittes Mal mit größten Opfern in Europa für die Ordnung eines neuen Chaos sorgen muss.

Es ist schwierig, wenn nicht unmöglich, diese historische Deutung der Abläufe nach 1864 für abwegig zu halten. Immerhin nennen Historiker jene Ereignisse, die aus der „verspäteten Nation“ inmitten Europas einen zentralen Staat haben werden lassen, „Einigungskriege“. Was für ein Wort. Tod und Verderben, Leid und Elend als Voraussetzung für Einigkeit? Wünscht man sich nicht andere Wege zu einem gedeihlichen Zusammenleben als Mord und Totschlag?

Zurück zum Blick auf Deutschland aus US-amerikanischer Sicht. Begreift man das zum Einheitsstaat gewordene Nationengebilde als notorisch tickende Zeitbombe, dessen dichtende und denkende Bewohner von einer Sekunde zur anderen wieder einen Krieg vom Zaun brechen können, wird schlüssig, dass ihnen mit Argwohn zu begegnen sei. Eindrücklich kontrastiert der Film das heitere Treiben in den Biergärten mit den Bombenangriffen auf fremde Länder. Der nette Friseur birgt in sich jederzeit das Potenzial, mit seinesgleichen den Arm in die Luft zu recken und hirngewaschen neues Unheil zu stiften.

In dieser Weltsicht, dachte es nach jenem Film in mir, könne man sich doch nur wünschen, dass der neue Bewohner Zentraleuropas des Lesens und Schreibens nur noch eingeschränkt mächtig sei, um zu bösen Taten schon technisch nicht mehr fähig zu sein. Je chaotischer und ärmlicher seine Lebensumstände sich darstellen, desto sicherer ist die Lage auf dem Kontinent. Je zerstrittener und zerrissener die Landesbewohner sind, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie andere angreifen. Und umgekehrt: Wer sich in diesem Land für Vernunft und Kultur, für Verstand und klares Denken, für ein geordnetes Zusammenleben in Frieden und Wohlstand einsetzt, der ist eben schlicht gefährlich. Das klingt verrückt, ist aber in der historischen Deutung des Blicks von außen wohl leider folgerichtig.

WW2 Training Film for US Troops Occupying Germany


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