28. Juni 2023 14:00

Ein (rechtes) Dilemma Von stillenden Nazischlampen und extremistischen Erziehungsidealen

Satire von Realität endgültig und hoffnungslos überholt: Was tun?

von Axel B.C. Krauss

von Axel B.C. Krauss drucken

Artikelbild
Bildquelle: Nina Buday / Shutterstock Achtung, Mutterliebe: Nun also auch ganz böse rechts …

Tja. Nun befinde ich mich also endgültig in einem Dilemma, das ich schon seit langer Zeit kommen sah. Es bahnte sich ja an und war nur eine Frage der Zeit. Jeder, der die politmediale Devolution des menschlichen Geistes im Blick behielt, die Depravation und Degeneration von Propagandatechniken, die sich selbst der peinlichsten Fehlgriffe nicht zu schade sind, wusste ganz genau: Es kann nicht mehr lange dauern, bis alle, wirklich alle Nazis sind – außer Mutti.

Denkste. Denn auch die ist jetzt eine Nazischlampe, sozusagen. Sofern sie eine gewisse Zuneigung für ihre Leibesfrüchte empfindet und ihrem Nachwuchs das angedeihen lässt, was – es geht halt nicht mehr ohne Anglizismus, wo ich mitmuss – ganz trendy als „Attachment Parenting“ bezeichnet wird. Die Hintergründe dieses „Stupsens“ (Nudgings) in die gewünschte Richtung sind längst sonnenklar, daher tue ich mich sehr schwer damit, sie überhaupt noch zu erwähnen. Deshalb plädiere ich ja auch seit geraumer Zeit dafür, den Begriff „Hyperoffensichtlichkeit“ in deutsche Wörterbücher aufzunehmen, doch bislang blieb mein diesbezügliches Bitten und Flehen an die „Gesellschaft für deutsche Sprache e. V.“ ungehört.

Doch worum geht es konkret? Gibt es eine Art Quintessenz, die sich auf wenige Worte verknappen ließe? Gibt es. Das ganze Treiben erinnert mich an den letzten Satz aus einem Zitat, das ich schon so oft gebracht hatte: „Selbst wenn alle unglücklich sind, werden sich alle für glücklich halten, weil die Regierung ihnen sagt, dass sie es sind.“

Das Zitat stammt natürlich von Bertrand Russell et cetera et cetera. Klabaster röm töm töm töm. Den Rest werde ich Ihnen ersparen, denn Lesern meiner Beiträge dürfte es mittlerweile schon aus Nase und Ohren heraushängen.

Es geht um einen „Konditionierungsprozess“, darum, dass – kurz und bündig – der Staat zur „Ersatzfamilie“ werden soll, zum „Ersatzelter“. Es ließen sich auch noch viele andere Quellen zum Beweis dieser Intention vorlegen, doch das ist bereits zur Genüge geschehen. Es geht um die „Lufthoheit über den Kinderbetten“, um es mit Scholz’schem Schnalzen auszudrücken.

Zurück zur Definition von „Hyperoffensichtlichkeit“. Das Magazin der „Zeit“, 13. Juni 2023, „So wird Erziehung zur Ersatzideologie“: „Stillen, Familienbett, Kitaskepsis, Klima- und Coronaleugnung, Euro-Hass, staatsdelegitimierendes Windelwechseln, offizielle Regierungserklärungen (also das Wort Gottes) infrage stellen, Impftrotz, extremistische Liebe zum eigenen Kind: An jeder Ampel beobachtet man junge Mütter und Väter, wie sie ihren Sprössling:innen den Hitlergruß beibringen.“

Verzeihung. Ich mag einfach nicht mehr …

Hier also das Originalzitat: „Stillen, Familienbett, Kitaskepsis: Bindungsorientiertes Erziehen gilt als sanft und achtsam, ist aber auch westlich und elitär. Das spricht zunehmend Rechtsextreme an.“

Sollten Sie, liebe Leserin, zum Beispiel zwischen 20 und 30 Lenze zählen und den Wunsch verspüren, ein Kind zu bekommen und obendrein auch noch eine Bindung zu ihm aufzubauen: Du kackbraune Schlampe, überlass das gefälligst dem weltbesten Straßenbauer.

Allein das alberne „Kitaskepsis“ spricht beziehungsweise stammelt bereits eine amateurpropagandistische Sprache, die so klar ist, dass selbst Gebirgsluft in vier Kilometern Höhe wie völlig undurchsichtiger, hochviskoser Griesbrei von den Gipfeln tropft: Wertes Muttchen, werter Paps, betrachten Sie unsere Bemühungen um artgerechte Knechthaltung etwa skeptisch? Zweifeln Sie etwa an den Erziehungskompetenzen der mit Federfüßen im Staatsleibchen zärtlich durch die Geschichte polternden Ballerina namens Wilhelmine Weltgeist?

Erwartbarer Einwurf von weltgeistgläubiger Seite: Aber wie sollen manche jungen Eltern denn noch die Kindeserziehung bewältigen, wenn sie rund um die Uhr rödeln müssen? Wenn selbst zwei berufstätige Elternteile manchmal aufgrund hoher Dauerbelastung nicht mehr wissen, wie sie den ganzen Klimbim unter einen Hut bringen sollen? Ist es da nicht verständlich, wenn sie den Wunsch verspüren, die Erziehung sozusagen outzusourcen, dem Leviathan zu übertragen und ihre Kinder:innen unter etatistische Vollzeitbeglückung zu stellen?

You’re missing the point.

Wer hat denn dafür gesorgt, dass ihre Belastungen unaufhörlich stiegen? Sicher sind nur der Tod und die Steuer? Ich würde eher sagen: Wer hat ihr Leben denn zunehmend versteuert in einem Ausmaß, dass selbst die Steuerberater des Todes entnervt das Handtuch werfen, weil sie nicht mehr durchsteigen? Wer will ihnen denn stets neue Auflagen machen, die für viele Menschen heutzutage ohnehin kaum zu finanzieren sind, weil Weltklima. Wer lässt denn die von ihnen gepflückte Steuerwolle aus „Hilfe“-Fenstern regnen wie sonst nur Frau Holle die Federn aus ihren Kissen, als wäre Schland ein unsterblicher Goldesel, der die halbe Welt mit nie versiegenden Taschengeldströmen versorgen könne? Wer verteuert ihre Lebenshaltungskosten in einem fort, um sich dann, Unterraschung, als Retter in der Not anzudienen und ihnen praktischerweise auch noch die Erziehung abluchsen zu wollen, damit alle doppelplusglücklich sind, weil die Regierung ihnen von Kitabeinen an sagte, dass sie es sind?

Das wird mir jetzt zu doof. „Bindungsorientiertes Erziehen“ – auf gut Deutsch, ganz ohne unnötigen akadämlackierten Schwurbel: Liebe zum Kind, liebevolles Erziehen, elterliche Zuneigung – ist also „westlich und elitär“. Da muss ich euch enttäuschen, werte Schwurbler: Diese Geschichte ist frei erfunden. Es handelt sich ganz einfach um stinknormales menschliches Verhalten ohne geographische Fixierung oder sozialhierarchische Eingrenzbarkeit, ja, man könnte sagen, es sei eine seit vielen, vielen Jahrtausenden zu beobachtende „anthropologische Konstante“.

Denn es sind ja nicht nur der Herr Professor und die Frau Doktor, die ihren Kindern Gutes angedeihen lassen wollen, nope: Das tun auch „Detlef und Dörte“, sozusagen, Krethi und Plethi, Manni und Mareike, Moni und Malte-Thorben.

Sollte das „zunehmend Rechtsextreme“ anziehen, wäre das insofern gar kein Problem, da Vatis und Muttis aller Länder und Äonen ihre Kinder ja schon knuddelten, bevor Rechtspopulazipliketiker zu einem ubiquitären Phänomen wurden, um euch schwurbelterminologisch ein wenig entgegenzukommen. Anders ausgedrückt: Menschen parentelten bereits attachig, lange bevor alle außer Mutti rechts waren. Aber auch die ist ja jetzt wohl Nazi, wenn sie sich zu sehr attached.

Noch mal umformuliert: Das urmenschliche attachige Parenteln kann nix dafür, sollten sich auch ein paar Rechtsextreme dafür interessieren.

Tipp: Übung macht den Meister. Wenn schon Kopfwäsche, dann bitte auch professionell. Amateure. So wird das nix. „Attachment Parenting“. Nö. Einfach nur ein Fall von Shitty Nudging.

Bis nächste Woche.


Sie schätzen diesen Artikel? Die Freiheitsfunken sollen auch in Zukunft frei zugänglich erscheinen und immer heller und breiter sprühen. Die Sichtbarkeit ohne Bezahlschranken ist uns wichtig. Deshalb sind wir auf Ihre Hilfe angewiesen. Freiheit gibt es nicht geschenkt. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit.

PayPal Überweisung Bitcoin und Monero


Kennen Sie schon unseren Newsletter? Hier geht es zur Anmeldung.

Artikel bewerten

Artikel teilen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv nur registrierten Benutzern zur Verfügung.

Wenn Sie bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, können Sie sich mit dem Registrierungsformular ein kostenloses Konto erstellen.