24. August 2023

Sanktionsgewinner im Markträderwerk The Coke side of life, Taliban!

Die alten sowjetischen Schwarzmärkte heißen jetzt Türkei und Afghanistan

von André F. Lichtschlag

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Bildquelle: eigentümlich frei / privat Taliban-Exportschlager: Zucker und Koffein aus Afghanistan

Dass sich der Westen und insbesondere das strauchelnde Deutschland mit den Wirtschaftssanktionen gegen Russland selbst ins eigene Knie schießen, ist allen unvoreingenommenen Beobachtern längst klar. Auch Russland verliert durch die Behinderungen, das ist ebenfalls offensichtlich. Ein Beispiel: Die Deutschen kaufen Gas jetzt woanders, teurer. Und die Russen verkaufen Gas an andere, günstiger.

Viele Konsumenten der Mittelstrahlmedien glauben aber immer noch, dass bei allen Knappheiten und Preiserhöhungen hierzulande wenigstens die bösen Russen die größeren Verlierer seien. Schadenfreude war schon immer eine deutsche Spezialität. Der Ivan, so der tröstende Glaube, sei ja ganz furchtbar getroffen: Reisen bleibe ihm mancherorts verschlossen, sagt die Tagesschau. Und Coca-Cola bekommt er zu Hause auch nicht mehr zu trinken, freut sich die Außenministerin. Ach, wirklich?

Die aktuellen Sanktionen, die nichts anderes sind als übliche politische Marktbehinderungen in besonders starkem Ausmaß, zeigen fast lehrbuchhaft, dass sich Märkte, Angebot und Nachfrage sich immer möglichst effizient ihre Wege und Auswege suchen. In der Sowjetunion hielten irgendwann Schwarzmärke die Menschen da am Leben, wo die planwirtschaftlichen Eingriffe besonders arg waren. In den staatseigenen Einkaufsmärkten – das Wort „Super“ ist im Sozialismus hier nicht angebracht – gab es vieles nur einmal in der Woche oder einmal im Jahr nach stundenlangem Schlangestehen. Wenn überhaupt. Unter der Ladentheke sah die Sache qualitativ und quantitativ anders aus. Statt grün-gelber Trauerhühnchen im offiziellen kaputten Kühlregal gab es Broiler frisch vom Landgut, gewusst wo. 

Was im real existierenden Ostblock-Sozialismus die Schwarzmärke waren, sind die Türkei oder Afghanistan im neuen Sanktions-Sozialismus – willkommene Dienstleister und strahlende Gewinner. Dafür zwei Beispiele. 

Der russische Tourismus in die Türkei boomt wie nie zuvor. Zahlreiche russische und türkische Charterfluglinien haben neue Verbindungen zwischen den Ländern aufgebaut. Und nebenbei: Wer heute am Sanktionsregime vorbei von Deutschland nach Russland fliegen möchte, der bucht einen Flug in die Türkei und einen Weiterflug von dort nach Russland. Alles längst bestens und bequem organisiert von der findigen türkischen Tourismusbranche. Märkte schaffen Möglichkeiten.

Ein konkreteres Beispiel: Während in Deutschland in der Zeit der politischen Lockdowns fast nichts mehr lief, begannen am 15. September 2020 am Flughafen in der drittgrößten russischen Stadt Nowosibirsk die Bauarbeiten für ein hochmodernes neues Terminal auf einer Fläche von 56.000 Quadratmetern, die Ende 2022 fristgerecht abgeschlossen wurden. Das Flughafen-Gebäude wurde von einem türkischen Architekten entworfen, die Bauarbeiten federführend von einem türkischen Unternehmen durchgeführt. Von Nowosibirsk fliegen jetzt nicht mehr vier Millionen Russen im Jahr unter anderem direkt nach Deutschland, sondern mehr als sechs Millionen, unter anderem mehrmals täglich zum Beispiel geschäftlich nach China oder Dubai und privat nach Thailand oder an die Strände der Türkei.

Von den Lastwagenkolonnen aus den Nachbarländern an der russischen Grenze als „Sanktionsbrecher“ haben selbst Tagesschau-Konsumenten schon mal gehört. Dass aber die längst modernen bunten Supermärkte überall in Russland nach wie vor bestens sortiert und voll von westlichen Konsumprodukten sind, das erfahren sie lieber nicht. Coca-Cola zum Beispiel steht jetzt hergestellt in Afghanistan im russischen Regal, fast ein Treppenwitz der Weltgeschichte. Die Coca-Cola-Abfüllanlagen in Kabul müssen Rekordergebnisse erzielen! Und die woke, auch außenpolitisch sanktionstreue, politisch stets ergebene Geschäftsführung des Brausegiganten im Hauptquartier in Atlanta wird sich die Bäuche vor Lachen halten: Die Taliban und Mudjahedin lieben plötzlich Coca-Cola – nichts genaueres weiß man nicht. Taste the Feeling. Cola akbar. Enjoy!


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