07. September 2023 18:00

Enzyklopädie der alternativen Medien (Teil 1) „Preußische Allgemeine“ und „Junge Freiheit“

Zwei traditionsreiche liberal-konservative Wochenzeitungen

von André F. Lichtschlag (Pausiert)

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Bildquelle: Billion Photos / Shutterstock Alternative liberal-konservative Wochenzeitungen: Gleich zwei von ihnen gibt es in Deutschland

Die Zahl der alternativen Medien ist in den letzten Jahren so stark gewachsen wie die ihrer Konsumenten. Während die – wie Freiheitsfunken-Mitkolumnist Oliver Gorus so böse und genial treffend formulierte – Mittelstrahlmedien täglich an Strahlkraft verlieren, wachsen die alternativen Vor-, Nach- und Nebenstrahler.

Geschätzt dürfte der Anteil jener, die sich lieber von alternativen Medien informieren und unterhalten lassen, ähnlich hoch sein wie der von alternativen Parteien jenseits des großen Kartells bei Wahlen – also irgendwo zwischen 25 und 30 Prozent, Tendenz weiter stark steigend (oder noch höher, etwa mit Blick auf die Nichtwähler). Übrigens ist das Bemessen dieser Größe der Nicht- und Alternativwähler, die von den Propagandaanstalten nicht mehr erreicht werden, ja, die dagegen sogar eine immer stärkere Reaktanz entwickeln, womöglich der größte Nutzen, den Wahlen derzeit stiften.

Die Menge der alternativen TV- und Radiosender, Zeitungen, Zeitschriften, Internetportale, Youtuber und Podcaster ist kaum mehr wirklich zu erfassen. Und täglich werden es mehr. Höchste Zeit also, die wichtigsten von ihnen – und selbst diese dürften am Ende dreistellig sein – in loser Folge ohne Wertung enzyklopädisch zu erfassen.

Beginnen wir heute mal mit zwei älteren Formaten, nämlich den beiden konservativ-liberalen deutschen Wochenzeitungen auf dem bunten Markt der deutschsprachigen alternativen Medien.

„Preußische Allgemeine“

Die „Preußische Allgemeine“ ist alt. Jedenfalls für ein alternatives Medium, wurde sie doch bereits 1950 gegründet, damals noch als „Das Ostpreußenblatt“, bis heute herausgegeben von der Landsmannschaft Ostpreußen. Lange verstand sich die Wochenzeitung, die mehrfach den Namen wechselte, als eine von zunächst vielen Vertriebenenzeitungen. Doch mit dem natürlichen Schwund der selbst von der Vertreibung betroffenen Leser wandelte sich auch das Selbstverständnis der Zeitung im Laufe der Jahrzehnte. Heute versteht man sich als eine liberal-konservative Wochenzeitung.

Noch etwas ist bei der „Preußischen Allgemeinen“ anders als bei den meisten anderen alternativen Medien: Sie ist nicht wesentlich geprägt von einer Person. Das könnte schon aufgrund der langen Geschichte ihres Bestehens kaum anders sein, aber eine starke personelle Prägung würde auch nicht dem Selbstverständnis des Organs einer Landsmannschaft entsprechen.

Chefredakteur ist seit Ende 2019 René Nehring, der zuvor das „Rotary Magazin“ der Rotarier leitete. Ständige Kolumnistin ist die bekannte DDR- und BRD-Dissidentin Vera Lengsfeld. Der prägendste Autor ist der wortgewandte Kolumnist der letzten Seite mit dem schlaglichtartigen Wochenrückblick, der aber auch seit vielen Jahren für den Politikteil komplett mitverantwortlich zeichnet: Hans Heckel.  

Die „Preußische Allgemeine“ ist sicher alles andere als ein junges Blatt. In keiner Beziehung agiert man modern – etwa Youtube- oder Podcast-Ableger wird man von ihr so schnell nicht finden. Weil auch die Leser auf den entsprechenden Portalen kaum zu Hause wären. Umso größer fällt der Teil der Buchrezensionen aus.

Einen besonderen Service hält aber doch auch die Internetseite der Zeitung bereit. Denn unter Archiv sind alle Ausgaben von 1950 an bis zu jenen vom letzten Jahr frei für jeden einsehbar als PDF-Dateien zu finden. Und all dies ist darüber hinaus auch über eine Suchmaschine nach Schlagworten kostenfrei zu durchforsten.

„Junge Freiheit“

Auch die „Junge Freiheit“ versteht sich heute als liberal-konservative Wochenzeitung mit stolzer Geschichte. Denn auch dieses Flaggschiff unter den alternativen Medien ist betagt, wurde das Blatt doch bereit 1986 von Dieter Stein mitgegründet, der bis heute Chefredakteur, Kopf und Verleger der „Jungen Freiheit“ ist.

Die lange Geschichte der „JF“ begann als zweimonatlich erscheinendes Organ der Jugendorganisation einer Kleinstpartei der 80er Jahre: der Freiheitlichen Volkspartei (FVP). Schnell wurde das Blatt parteiunabhängig und erschien seit 1991 monatlich, seit 1994 bis heute wöchentlich.  

Nicht die gesamte Zeit über verstand sich die „Junge Freiheit“ als liberal-konservative Stimme – in den 90ern wäre „neurechts“ die sicher von außen häufigere und auch vom Selbstverständnis der meisten damaligen Redakteure her richtigere Zuschreibung gewesen. Zwei Jahrzehnten aber liegen entsprechende Kämpfe um die Ausrichtung des Blattes zurück, das auch nach Brandanschlägen und tätlichen Angriffen von Linksextremisten sowie erfolgreichen Klagen gegen die Beobachtung durch den Verfassungsschutz nun endlich in ruhigeren Fahrwassern segelt.

Was Hans Heckel vielleicht für die „Preußische Allgemeine“, ist Thorsten Hinz mit Sicherheit seit Jahrzehnten für die „Junge Freiheit“: ihre wichtigste Feder. Ja, Hinz ist mehr, ist „die unumstrittene Edelfeder“ des Hauses.

Die „Junge Freiheit“ ist auch sonst mit der Zeit gegangen: Zusätzlich zur Heftredaktion wurde eine Online-Redaktion aufgebaut. Die Internetseite hält eigene Angebote bereit, teilweise inzwischen auch hinter einer Bezahlschranke. Dazu erfreuen sich verschiedene Videoformate auf Youtube und zuletzt auch ein Podcast einiger Beliebtheit. Anders als die „Preußische Allgemeine“ ist die „Junge Freiheit“ auch auf allen sozialen Medien immer gerne mit vertreten. Ein hauseigener Buchverlag (Edition JF) und ein eigener Buchdienst komplettieren das breit gefächerte Programm. 


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