25. Januar 2024

Weltweiter Handel Schafft die Globalisierung Verlierer?

Offene Märkte schaffen Wohlstand für alle

von Olivier Kessler

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Bildquelle: metamorworks / Shutterstock Globalisierung: Überwiegen die Vor- oder die Nachteile?

Die Anhänger des Nullsummenglaubens unterliegen bereits gewichtigen Fehlannahmen, wenn es um die Analyse einer lokal begrenzten Wirtschaft geht. Selbst da glauben sie, dass die Gewinne der einen immer auf Kosten anderer gehen müsse. Sie stellen sich die Wirtschaft als einen immer gleich großen Kuchen vor, der jedes Jahr gebacken und verteilt wird. Bekommt jemand ein größeres Stück, bekommen die anderen ein kleineres.

Doch die Wirtschaft ist kein Kuchen von konstanter Größe. Unter der Bedingung einer freien Marktwirtschaft und der Vertragsfreiheit werden nur solche Tauschgeschäfte realisiert, mit denen die involvierten Parteien einverstanden sind. Wenn freiwillig etwas getauscht wird, dann erwarten beide Seiten, dass sie sich damit besserstellen. Es entsteht dann eine Win-win-Situation. Dies ist möglich, weil verschiedene Menschen den gleichen Gütern einen unterschiedlichen Wert zumessen. Wird freiwillig getauscht, stellen sich beide Seiten besser – und der gesamtwirtschaftliche „Kuchen“ wächst.

Dieses Prinzip gilt natürlich nicht nur für eine lokal oder national begrenzte Volkswirtschaft, sondern auch auf globaler Ebene. In den letzten Jahrzehnten haben eine ganze Reihe von Ländern einen rasanten Aufstieg hingelegt. Allein in China haben sich Millionen von Menschen der Armut entledigt, doch auch in Indonesien, Südkorea oder Indien wurden die Kuchenstücke immer größer, ohne dass diese in anderen Ländern im gleichen Umfang kleiner geworden wären. In einer globalisierten Marktwirtschaft herrscht eben keine Nullsummenlogik.

Globalisierung – verstanden als Öffnung der Märkte für den weltweiten Handel mit Gütern und Dienstleistungen sowie eine freie Marktmigration – führt weltweit zu mehr Wettbewerb. Mehr Wettbewerb unter Produzenten und Arbeitnehmern nützt am Ende immer den Konsumenten, weil dies zu besseren Angeboten, höherer Qualität und niedrigeren Verbraucherpreisen führt. Verbraucher sind jedoch keine Sonderinteressengruppe; Verbraucher sind wir alle. Wir alle müssen konsumieren, um zu überleben. Wenn wir dies zu immer tieferen Preisen tun können, ist uns allen gedient, weil damit die Armut reduziert wird und die Lebensstandards ansteigen.

In der Tat hat die Welt dank der Globalisierung in den letzten Jahrzehnten einen unglaublichen Wohlstandsschub hingelegt. Die Armut ist weltweit trotz Bevölkerungswachstums stark auf dem Rückzug. Internationale, relativ freie Märkte haben laut Angaben der Weltbank seit 1990 mehr als einer Milliarde Menschen geholfen, der Armut zu entfliehen – vor allem in Entwicklungsländern. Mussten im Jahr 1990 noch 37,1 Prozent der Weltbevölkerung mit weniger als 1,90 Dollar pro Tag auskommen, ist dieser Anteil heute auf unter zehn Prozent gesunken.

Es ist jedoch nicht so, dass die Globalisierung nur den Entwicklungsländern hilft, in denen tiefe Löhne vorherrschen. Auch den Menschen in den Industrieländern kommen offene Märkte zugute, wie der Globalisierungsreport 2018 der Bertelsmann Stiftung zeigt. Demnach sind die durchschnittlichen Einkommensgewinne pro Einwohner auch in den Industrieländern aufgrund der zunehmenden Globalisierung zwischen 1990 und 2016 stark angestiegen: in Frankreich jährlich um 659 Euro, in Italien um 778 Euro, in Deutschland um 1.151 Euro und in der Schweiz als relativ offenes Land sogar um 1.913 Euro pro Kopf.

Diese Entwicklung hat der Ökonom David Ricardo bereits vor 200 Jahren in seiner Theorie der komparativen Vorteile vorweggenommen. Er führte der Welt eindrücklich vor Augen, dass Arbeitsteilung und freier internationaler Handel allen Beteiligten Vorteile bringen – selbst jenen Ländern, die bei allen Gütern Kostennachteile haben. Eine globalisierte Wirtschaft nützt deshalb sowohl Entwicklungs- wie auch Industrieländern.

Durch eine Verlagerung von Produktionsstätten kommt ebenfalls niemand zu Schaden. Selbst der verpönte Import von Produkten aus Billiglohnländern zu sogenannten „Dumpingpreisen“ ist zum Vorteil aller: Werden Arbeiter in Entwicklungsländern eingesetzt, die bereit sind, dieselbe Arbeit zu geringeren Kosten zu verrichten, sinken auch die Produktepreise für alle – auch für jene, die aufgrund der internationalen Konkurrenz ihre Produktivität im Inland erhöhen müssen. Wenn der Wettbewerb für inländische Unternehmen steigt, erhöhen sich die Lebensstandards. Zudem steigt die Kaufkraft der Menschen bei einer Öffnung der Märkte, wenn danach die gleichen Produkte zu günstigeren Preisen erworben werden können.

Doch was ist, wenn Produkte, die von Schweizer Produzenten im Inland angeboten werden, im Ausland günstiger zu haben sind? Würden wir dann nicht in die Röhre schauen, weil viele im Ausland einkauften und die Schweizer Firmen leer ausgingen? Nein! Selbst wenn die Kunden ihre Produkte aus dem Ausland beziehen, weil sie dort billiger sind, nützt dies auch dem Inland: Denn dies hebt für alle Konsumenten die Lebensstandards an. Inländische Anbieter werden aufgrund der Intensivierung der Konkurrenz angereizt, besser, vielfältiger und günstiger zu produzieren, was ebenfalls den Konsumenten nützt.

Der Fokus zur Beurteilung der Globalisierung sollte primär auf der Entwicklung des Wohlstandsniveaus der Konsumenten liegen, weil wir alle Konsumenten sind. Im Zentrum staatlichen Handelns darf nicht der Privilegien-Erhalt einiger weniger inländischer Produzenten aufgrund der staatlich erzwungenen Abschottung von Märkten stehen. Denn diese Einmischung, die einem unlauteren Wettbewerb gleichkommt, macht einige wenige auf Kosten anderer reicher, weil die Konsumenten mit staatlicher Gewalt davon abgehalten werden, die für sie besten Angebote zu beziehen. Das ist unethisch und deshalb unhaltbar.

In einem Regime offener Märkte, in dem man nicht von der Politik dazu gezwungen wird, seine Einkäufe im Inland zu tätigen, steht den Menschen eine wesentlich größere Produktpalette zur Verfügung. Je größer das Angebot, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass auf die eigenen Bedürfnisse und Präferenzen zugeschnittene Produkte bezogen werden können. Sei es, indem man das entsprechende Angebot wesentlich günstiger kriegt oder indem man aus komplett neuartigen Produkten auswählen kann, die im Inland nicht produziert werden – man denke hier etwa an Smartphones und Computer. Globale offene Märkte nützen also allen Menschen – unabhängig vom Einkommen und vom Wohnort.

Es ist deshalb entscheidend, dass die Globalisierung gegen jegliche Attacken verteidigt wird – unabhängig davon, ob diese aus ideologischen Gründen oder aus einer Verfolgung von Sonderinteressen heraus erfolgen.


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