29. Oktober 2026 10:00

Vermögenssteuer Wie Meta-Chef Mark Zuckerberg eine Reichensteuer umgehen will

Kaliforniens Abgabe könnte auch Mitaktionäre belasten

von Oliver C. Racke drucken

Vermögenssteuer: Zusätzliche Aktien sollen Liquidität schaffen und Kontrolle sichern.
Bildquelle: Redaktion Vermögenssteuer: Zusätzliche Aktien sollen Liquidität schaffen und Kontrolle sichern.

In Kalifornien wird über eine einmalige Steuer von fünf Prozent auf Vermögen ab einer Milliarde Dollar abgestimmt. Laut Bericht könnte Meta-Chef Mark Zuckerberg davon mit rund zehn bis zwölf Milliarden Dollar betroffen sein. Meta hat deshalb eine Vereinbarung vorbereitet, die ihm zusätzliche, stimmrechtslose Aktien verschaffen soll. So könnte er Geld für eine mögliche Steuer aufbringen, ohne seine Kontrolle über das Unternehmen zu verlieren. Zugleich soll er mindestens acht Jahre in Kalifornien bleiben.

Das Problem liegt in der Anreizstruktur. Sobald Politik Vermögen einmalig abschöpfen will, reagieren die Betroffenen nicht mit Loyalität, sondern mit Ausweichmanövern. Dann entstehen Konstruktionen, die den Zugriff mindern und die Kosten auf andere verlagern. Genau das zeigt sich hier: Wenn Zuckerberg verkaufen muss, um eine Steuer zu bedienen, zahlen am Ende womöglich Mitaktionäre mit, während seine Machtposition unangetastet bleibt. Die Last wird verteilt, die Kontrolle konzentriert.

Auch die Begründung der Steuer ist typisch für staatliche Umverteilung. Das Geld soll gezielt in Schul- und Gesundheitswesen fließen. Das klingt harmlos, schafft aber keinen besonderen moralischen Anspruch auf fremdes Eigentum. Sobald der Zugriff politisch legitimiert ist, entscheidet nicht mehr der Eigentümer über die Verwendung seines Vermögens, sondern eine Mehrheit über fremde Mittel. Damit verschiebt sich die Verantwortung von individueller Entscheidung zu kollektiver Verfügung.

Hinzu kommt der bekannte Mechanismus der Klassenpolitik. Wenn Milliardäre als fiskalische Sondergruppe markiert werden, wächst der Druck auf jene, die sichtbar reich sind. Das fördert keine solide Ordnung, sondern eine Politik der Sonderabgaben, der Ausnahmen und der Ausweichstrategien. Wer Kapital, Wohnsitz und Firmenstruktur flexibel gestalten kann, entkommt eher. Wer weniger beweglich ist, trägt die Last.

Die eigentliche Pointe ist daher nicht der Konflikt um einen einzelnen Konzernchef. Entscheidend ist, dass der Staat mit einer neuen Steuer sofort neue Umgehungsmodelle erzeugt. Aus einer Ausnahme wird die Regel: höhere Abgaben, komplexere Verträge, mehr Beratung, mehr Verwaltung, mehr Macht über Eigentum. Der Eingriff erscheint klein, verändert aber die Zuständigkeit. Nicht mehr der Markt ordnet die Folgen von Erfolg und Risiko, sondern die Politik setzt die Bedingungen, unter denen Vermögen überhaupt noch frei verfügbar bleibt.


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