10. Mai 2026 17:00

Krieg Weltkriegsgedenken: Putin gibt sich bei Parade siegessicher im Ukraine-Krieg

Siegessicherheit bei fragiler Lage

von Yorck Tomkyle drucken

Parade: Militärische Inszenierung in Moskau
Bildquelle: Redaktion Parade: Militärische Inszenierung in Moskau

Putin ließ seine Militärparade zum 9. Mai in Moskau trotz drohender ukrainischer Drohnenangriffe und einer kurzfristigen Waffenruhe stattfinden, verzichtete aber wegen der Sicherheitslage auf Panzer und Raketen. In seiner Rede gab er sich siegessicher im Krieg gegen die Ukraine, während beide Seiten sich gegenseitig Verstöße gegen die vereinbarte Feuerpause vorwerfen und der Krieg nach fast fünf Jahren festgefahren bleibt.

Dass ein Herrscher seinen Angriffskrieg mit dem Pathos des Weltkriegsgedenkens überhöht, passt erschreckend gut in diese Zeit. Auf dem Roten Platz wird der Sieg über den Nationalsozialismus nicht als historische Mahnung, sondern als politisches Theater für den laufenden Krieg missbraucht. Das ist keine Erinnerungskultur, sondern staatliche Selbstvergottung im Uniformschnitt. Wenn der Kreml die Vergangenheit in Dienst der Gegenwart stellt, wird Geschichte zur Munition.

Besonders entlarvend ist die abgespeckte Parade. Kein Panzerschaulauf, keine Raketen, dafür martialische Rhetorik und ein stark bewachtes Zentrum. Die Wirklichkeit des Krieges dringt selbst in die Inszenierung ein. Macht muss sich hier nicht nur behaupten, sie muss sich auch vor ihrer eigenen Verwundbarkeit schützen. Der Staat kann große Worte machen, aber er kann den Preis seiner Gewalt nicht aus der Welt reden.

Dass Putin dennoch vom sicheren Sieg spricht, zeigt die typische Logik politischer Kriegsführung: Verluste werden verwaltet, Zweifel vernebelt, die eigene Bevölkerung mit Heldenerzählungen beruhigt. Schon Mises hat gezeigt, wie Krieg die ökonomische und moralische Vernunft untergräbt. Inzwischen sehen wir den nächsten Schritt: permanente Mobilisierung als Herrschaftstechnik. Der Krieg wird nicht nur geführt, er wird zum inneren Zustand eines Regimes.

Wer auf einen „Sieg“ setzt, setzt auf Fortsetzung des Gemetzels. Und wer ihn mit dem Erbe von 1945 bemäntelt, verhöhnt die Millionen Toten dieses Krieges. Die Parole von der „Generation der Sieger“ klingt in Moskau wie eine Beschwörung, tatsächlich ist sie nur die übliche Sprache der Macht, die sich aus Opferzahlen, Propaganda und territorialen Ambitionen speist.

Ermutigend ist immerhin, dass laut Lewada-Zentrum eine Mehrheit der Befragten Verhandlungen bevorzugt. Das ist kein Friedensidealismus, sondern schlichte Kriegsmüdigkeit. Genau dort liegt der Realitätskern, den Regierungen so gern verdrängen: Menschen wollen leben, nicht als Material geopolitischer Großprojekte verbraucht werden.

Auch die westliche Seite sollte sich nicht in Selbstgerechtigkeit flüchten. Die Unterstützung für Kiew mag als Abwehrreaktion begründet werden, doch jeder verlängerte Krieg vermehrt Leichen, Zerstörung und staatliche Zugriffsmacht auf beiden Seiten. Am Ende profitieren immer die Apparate, nie die Bevölkerung. Frieden entsteht nicht durch größere Paraden, mehr Waffen oder raffiniertere Symbolpolitik, sondern durch das Ende des Anspruchs, ganze Länder nach den Fantasien von Herrschern formen zu können.


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