Nahostkonflikt: USA und Iran liefern sich Gefechte in der Straße von Hormus
Waffenruhe gerät nach gegenseitigem Beschuss unter Druck
In der Straße von Hormus haben sich USA und Iran trotz einer geltenden Waffenruhe erneut gegenseitig beschossen. Nach US-Angaben wehrte das Militär iranische Angriffe mit Raketen, Drohnen und Booten ab und griff daraufhin iranische Militäreinrichtungen an. Teheran wiederum wirft Washington vor, die Waffenruhe verletzt und sogar einen iranischen Öltanker angegriffen zu haben. Unabhängig bestätigen lässt sich derzeit keine der beiden Darstellungen.
Das ist der klassische Staats-Tango: erst drohen, dann schießen, anschließend die eigene Gewalt als Selbstverteidigung verkaufen und sich dabei mit ernster Miene in die Kameras stellen. Wenn Kriegsschiffe eine Meerenge kreuzen und beide Seiten reflexhaft zur Waffe greifen, dann zeigt sich nicht Stärke, sondern die vollständige Verrohung politischer Macht. Die Leidtragenden sind nicht die Herren mit den Uniformen und der PR-Abteilung, sondern die Menschen, die mit den Folgen leben müssen: Seeleute, Händler, Küstenbewohner, ganz normale Familien.
Besonders entlarvend ist die ewige Formel, man strebe „keine Eskalation“ an, werde aber „die Streitkräfte schützen“. Übersetzt heißt das: Wir behalten uns jederzeit weitere Schläge vor, nennen das defensive Vernunft und hoffen, dass der Gegner höflich genug ist, sich daran zu halten. So entsteht ein Kreislauf, in dem jede Seite die nächste als Begründung für den nächsten Angriff benutzt. Der Staat produziert die Gefahr, auf die er dann mit noch mehr Gewalt antwortet. Ein perfektes System, wenn man Konfliktverwaltung mit Friede verwechselt.
Dass zugleich von Waffenruhe und Friedensvereinbarung geredet wird, während Drohungen über „viel Rauch“ und noch härtere Angriffe durch die Medien geistern, ist mehr als bloße Heuchelei. Es ist der politische Alltag von Apparaten, die ihre eigene Logik nicht verlassen können. Wer mit militärischer Macht Probleme lösen will, schafft sich am Ende vor allem neue Probleme, neue Feinde und neue Ausreden.
Die Straße von Hormus ist dafür ein bitteres Symbol. Eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt wird zum Spielball von Machtfantasien, als wäre der freie Verkehr von Waren und Menschen nur eine Nebensache für Strategen im Kriegsrausch. Dabei ist gerade diese Freiheit der Bewegung das, was Zivilisation trägt. Nicht Raketen. Nicht Drohnen. Nicht patriotische Sprechblasen.
Wer Frieden will, sollte den Kriegstreibern nicht applaudieren, egal unter welcher Flagge sie auftreten. Jede weitere Eskalation ist kein Akt der Sicherheit, sondern ein weiteres Kapitel staatlicher Selbstermächtigung auf Kosten aller anderen.
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