12. Mai 2026 10:00

Steuerreform Unterschiedliche Ideen bei Union und SPD

Kämpfe um Finanzierung und Gerechtigkeit

von Oliver C. Racke drucken

Steuerreform: Debatte um Entlastung und Finanzierung
Bildquelle: Redaktion Steuerreform: Debatte um Entlastung und Finanzierung

Union und SPD beraten im Koalitionsausschuss über eine Steuerreform, mit der kleine und mittlere Einkommen entlastet werden sollen. Strittig ist vor allem die Finanzierung: Lars Klingbeil will dafür Spitzenverdiener und wohl auch die Erbschaftsteuer stärker heranziehen, Jens Spahn setzt eher auf Kürzungen bei Subventionen und Steuervergünstigungen. Zusätzlich stehen die Entlastungsprämie und weitere Hilfen gegen hohe Energiepreise auf der Tagesordnung.

Die Debatte folgt dem immer gleichen Muster: Erst wird Umverteilung versprochen, dann beginnt das Ringen darum, wen man dafür stärker belasten kann. Das Ergebnis sind neue Eingriffe, neue Ausnahmen und neue Konflikte zwischen Gruppen, die der Staat gegeneinanderstellt. Wer Einkommen entlasten will, sollte bei der Frage ansetzen, warum überhaupt so viel erst eingesammelt werden muss.

Klingbeils Ruf nach höheren Belastungen für Spitzenverdiener klingt sozial, bleibt aber derselbe alte Reflex: Eine Minderheit soll die politische Wohlfahrt für die Mehrheit finanzieren. Das schafft keine produktive Gesellschaft, sondern einen Daueranreiz, Einkommen politisch zu behandeln statt wirtschaftlich zu erwirtschaften. Wer Erfolg bestraft, bekommt weniger Investitionen, weniger Risikoübernahme und am Ende weniger Wohlstand für alle.

Auch die Erbschaftsteuer taugt nicht als gerechter Hebel. Vermögen wird nicht vom Himmel geworfen, sondern über Jahre aufgebaut, versteuert und gebunden. Wer beim Übergang von Eigentum noch einmal zugreift, bestraft nicht nur Leistung, sondern auch familiäre Vorsorge und unternehmerische Kontinuität. Der Staat feiert das als Fairness, tatsächlich ist es ein weiterer Zugriff auf bereits erarbeitetes Vermögen.

Spahns Vorschlag, Subventionen pauschal zu kürzen, ist immerhin ehrlicher als immer neue Belastungen. Doch auch hier bleibt das Grundproblem bestehen: Subventionen sind keine natürlichen Einnahmenquelle, sondern das Resultat vorheriger politischer Umverteilung. Wer sie streicht, reduziert zwar einen Teil des Schadens, aber das System aus Lenkung, Begünstigung und Abhängigkeit bleibt intakt.

Richtig wäre eine echte Entlastung bei der Einkommensteuer, nicht ihre Finanzierung durch neue Umverteilung. Der Streit über die Gegenfinanzierung zeigt vor allem, wie sehr sich die Politik an den Einnahmen des Steuerstaats festklammert. Solange der Haushalt zuerst gefüttert und erst danach über Entlastung geredet wird, bleibt jede Reform ein Tausch unter Zwang. Freiheit entsteht so nicht.

Auch die Diskussion über Pendlerpauschale, Stromsteuer oder Direktzahlungen läuft auf dieselbe Logik hinaus: erst kassieren, dann verteilen, dann symbolisch korrigieren. Wer Menschen wirklich helfen will, lässt ihnen mehr von ihrem eigenen Geld und senkt die Lasten dauerhaft statt mit befristeten Prämien. Alles andere ist Verwaltungsdeutsch für einen teuren Umweg.


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