05. Mai 2026 11:00

Freiheitsimpuls Mental die Steuern steuern

… so zahlt man mit weniger Ärger

von David Andres drucken

Idyllischer Weg am Morgen, von Ihnen mitbezahlt
Bildquelle: Imbrouwer / Pixabay Idyllischer Weg am Morgen, von Ihnen mitbezahlt

Niemand von uns kommt drumherum, einen Teil seines Geldes an den Fiskus abzugeben. Leider verschont einen liberär zu sein nicht vor diesem Zwang. Hier ein Tipp, wie es einem etwas leichter fallen kann.

In der vergangenen Woche fiel meine Kolumne unter den Tisch. Zu viel auf diesem Tisch befindliche, anderweitige Arbeit hatte sie über den Rand geschoben. In dieser Woche ist der Tisch noch voller, doch ich melde mich kurz zwischen den Bergen von Papier und Ordnern, aufgerissenen und noch geschlossenen Umschlägen, dem Tacker, dem Locher und der Klebefilmrolle. Belege, die bloß aus Kassenbons bestehen, bringe ich nicht mit einem Klebestift aufs Blatt und, um sie dann für die Steuerberatung zu scannen, sondern mit zwei Streifen Tesa, damit sie weniger schnell zur Unkenntlichkeit verblassen.

Sie sehen, wo es letzte Woche ein anderweitiger, größerer Textauftrag war, hält mich diese Woche das auf, dem auch wir Libertäre nicht entkommen. Mit sämtlichen Erklärungen bin ich im Rückstand. Es gibt einen mahnenden Zettel an der Pinnwand in meiner Küche, auf dem ich sämtliche unnötige Kosten eintrage, die im Laufe des Jahres so entstehen. Er enthält neben Gebühren für Bargeldabhebungen bei Fremdbanken und zu vielen Rasthofkaffees auch die Amtsstrafen für verspätete Umsatzsteuervoranmeldungen.

Während ich Bargeldabhebungsgebühren und Coffee to go freiwillig zahle, sind Steuern der pure Zwang. Deswegen lautet der Freiheitsimpuls in dieser Woche: Finden Sie einen Weg, das, was nach allen – selbstverständlich legalen – Möglichkeiten der Steuervermeidung am Ende aus Ihrer Tasche in die des gefräßigen, ineffizienten und mittlerweile sogar teilweise teuflischen Staates fließt, für sich selbst so zu framen, dass es sich gut, wenigstens aber erträglich anfühlt. Mein Vorschlag: Denken Sie ganz bewusst an Elemente des von öffentlichen Geldern finanzierten Daseins, die Sie wirklich und aufrichtig mögen. Schieben Sie, sollten Sie zu 100 Prozent ein Libertärer sein, kurz den Gedanken beiseite, dass all diese Angebote selbstverständlich auch auf privater Ebene bereitgestellt werden könnten. Es ist nun einmal nicht so. Denken Sie nur daran, was genau Ihnen in der Welt dort draußen gefällt, das von Ihren Steuern und Abgaben mitfinanziert wird.

In meinem Fall sind das, wenn ich aufgeschlossen darüber nachdenke, mindestens fünf Kategorien. Es beginnt mit jeder Form von Wegesinfrastruktur, die mich durch oder ins Grüne führt. Sei dies der kleine oder große Stadtpark oder seien es die Auto- und Fahrradwege hinaus in die Wälder, samt der Wanderparkplätze und öffentlich bereitgestellten Wanderhütten.

Zweitens: die Autobahn. Noch mautfrei, nutze ich sie bei meinen zahllosen Terminen im Jahr exzessiv und bringe mindestens 50.000 Kilometer auf ihr quer durchs Land hinter mich. Ich kenne den Rest Europas, geschweige denn die Teile des afrikanischen Kontinents gut genug, um sagen zu dürfen, dass das deutsche Autobahnnetz, trotz aller Baustellen, immer noch eines der besten der Welt ist.

Drittens: Stadtbibliotheken. Seitdem ich als Kind vor den Schulferien jedes Mal für Stunden in der öffentlichen Bibliothek verschwand, um mir aus der unglaublichen Fülle von Büchern gratis die Urlaubslektüre auszusuchen, mag ich diese Streaming-Flatrate in der realen Welt. Außerdem gehören sie heute zu den wenigen Anlaufpunkten in einer Stadt, in die man sich stets einfach so hineinsetzen und einen sicheren Raum der Ruhe finden kann. Zwar huschen hier und da Schüler darin herum, alles in allem aber verhindert allein der Charakter des Ortes, mit allzu lauten und unangenehmen Gestalten in Kontakt zu kommen.

Von viertens, dem Bauernhof, in dessen liebevoll gestalteten Hofladen ich mir beim Vorbeifahren immer mal wieder Eier, Salat oder das jeweilige Saisongemüse mitnehme, vermute ich zumindest, dass er ohne Subventionen nicht wirtschaftlich überleben könnte. Zu wenige werfen Münzen und Scheine in die Hofladenkasse, die sich im Vergleich zu den größeren Abgabemengen als einzig wirklich profitabel erweist.

Ein fünftes und letztes Beispiel wäre die eine oder andere Kulturveranstaltung aus Bereichen wie Klassik, Jazz oder Kleinkunst. Zwar zahlt man dafür auch Eintritt, weiß aber, dass die Institution, in der es jeweils stattfindet, ohne staatliche Förderung wahrscheinlich auch bereits dichtgemacht hätte.

Dies sind nur meine Vorlieben. Und womöglich fallen Ihnen, wenn Sie sich kurz auf das Gedankenexperiment einlassen, auch ein paar eigene ein. Beispielsweise, falls Sie ein harter Fußballfan sein sollten und sich gewahr sind, dass die für viele Spiele nötigen Polizeiansätze ebenfalls auf den öffentlichen Nacken gehen.

Denken Sie sich also, wie viel all das kosten würde, müsste es ganz allein nur aus Ihrer Tasche finanziert werden … dann kommen Sie gedanklich mit der Summe, die Sie zwangsweise abgeben, sogar günstig weg. Selbstbestrug? Mag sein, aber einer, der Ihnen so viel Stress und Cortisol einspart, dass der Kopf für wichtigere Aufgaben klar bleibt.


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