09. Juni 2026 18:00

Popkultur/Marketing Jackass-Auftritt bei Pride löst Fan-Backlash aus

Verkauftes Image vor Kinostart sorgt für Empörung

von Sascha Blöcker drucken

Grok
Bildquelle: Eigenes Bild Grok

Die Jackass-Crew: Von chaotischen Anfängen zum Pride-Desaster – wie ein Marketing-Gag die Fans verspielt

Die Geschichte der Jackass-Crew beginnt Ende der 1990er Jahre in den USA. Johnny Knoxville, Steve-O, Bam Margera, Chris Pontius, Dave England und Co. waren eine wilde Truppe junger Kerle, die mit selbstgedrehten Videos extremster Stunts, Pranks und Körperhumor die Skate- und Party-Szene aufmischten. Was als Underground-Spaß für MTV startete, explodierte 2002 mit „Jackass: The Movie“ zum globalen Phänomen. Die Mischung aus Schmerz, Brüderschaft, absurder Männlichkeit und humoresk homoerotischen Untertönen traf einen Nerv. Die Jungs wurden zu Ikonen des jugendlichen Chaos: Knochenbrüche inklusive, aber immer mit einem Augenzwinkern. Seitdem hat die Franchise mehrere Filme hervorgebracht. Immer wieder hieß es: „Das ist der letzte.“ Mit „Jackass Forever“ (2022) war schon ein vermeintliches Finale da, und nun kommt 2026 „Jackass: Best and Last“ – quasi der dritte Versuch eines finalen Films. Der Streifen soll am 26. Juni in die Kinos kommen und die größten Hits mit neuen Stunts kombinieren. Die Crew, inzwischen älter und gezeichnet von jahrelangen Risiken, wirbt fleißig dafür. Doch der aktuelle Marketing-Coup beim West Hollywood Pride Festival am 7. Juni 2026 hat offenbar viel Zuschauergunst gekostet.

Der Pride-Auftritt: Regenbogen-Cart und „Gay Rights“-Rufe

Die Jackass-Truppe tauchte überraschend bei der WeHo-Pride-Parade auf. Johnny Knoxville schwenkte eine Progress-Pride-Flagge und einen Regenbogen-Fächer, Steve-O fuhr fast nur in Unterwäsche auf einem riesigen, regenbogen-geschmückten Einkaufswagen-Float mit – eine Anspielung auf ihre ikonischen Cart-Stunts. Die Gruppe postete fröhlich: „Banned from West Hollywood no more“ – eine Referenz auf einen alten Skandal aus dem Jahr 1999, bei dem ein Stunt in WeHo (West Hollywood) zu einem zehnjährigen Drehverbot geführt hatte. Knoxville nannte den Tag später sogar ein „Highlight“ seiner Karriere und sprach von Emotionen auf der Route. Auf den ersten Blick ein cleverer Full-Circle-Moment, wenn auch sieben Jahre zu spät: Von den Outlaws, die in WeHo Hausverbot hatten, zu Pride-Unterstützern. Die Crew posierte mit Bannern wie „Jackass supports the LGBTQ+ community“ und bedankte sich bei queeren Fans für langjährige Unterstützung. Es gab klare Promotion für den neuen Film.

Die Reaktionen: Von Begeisterung zu massiver Enttäuschung

Doch genau dieser Auftritt hat eine Welle der Kritik ausgelöst – vor allem unter langjährigen, oft konservativeren oder apolitischen Fans. In Kommentarspalten auf Instagram, Facebook und X dominieren Enttäuschung und Ablehnung: Viele werfen der Crew vor, „woke“ geworden zu sein und sich für politisch korrekten Marketing-Kram zu verkaufen. Kommentare wie „Ewww whyy“, „God is so mad with this stuff“ oder „Makes sense… they’re all woke now“ häuften sich. Manche Fans fühlten sich verraten: Jackass stand jahrelang für ungezügelten, nicht-ideologischen Chaos-Humor – nun plötzlich Regenbogen-Flags und Pride-Integration? Andere spotten über die vermeintliche Heuchelei: Die Crew habe jahrzehntelang mit homoerotischen Gags (Penis-Stunts, Nacktheit, „Yes Homo“-Vibes) gespielt, ohne je ernsthaft politisch zu sein. Jetzt werde das plötzlich als Pride-Support vermarktet. „People will laugh at them do the gayest shit but be mad at this“ – solche Gegenkommentare zeigen die Spaltung, ändern aber nichts an der Wut eines Teils der Kernzielgruppe. Besonders kritisch sehen viele den Zeitpunkt: Kurz vor dem Release von „Best and Last“ wirkt der Auftritt wie kalkuliertes Pandering an eine progressive Zielgruppe in West Hollywood. Statt auf pure Stunts zu setzen, mischt sich die Crew in kulturelle Debatten ein – und verliert dabei genau die Fans, die Jackass als anti-woken, rohen Spaß schätzten. Social-Media-Feeds füllten sich mit Unfollow-Drohungen und Boykott-Aufrufen. Der Einkaufswagen-Float, der eigentlich nostalgisch und lustig wirken sollte, wurde für viele zum Symbol für verkaufte Authentizität.

Selbst die Stimmen der Pride-Festival-Gänger waren geteilt: Manche freuten sich über die Aufmerksamkeit und den lange bestehenden leicht schwulen Humor von Jackass (mit Personen wie John Waters). Andere sahen es als oberflächliche Geste von Straight Guys, die sich nicht wirklich einbringen. Ein Kommentar fasste es so zusammen: Man brauche keine Stars auf dem Float, sondern echte Unterstützung.

Verfehltes Marketing und die Folgen

Für ein Franchise, das auf Brüderschaft, Risikobereitschaft und ungeschöntem Humor basiert, ist der Pride-Gag ein riskanter Schachzug. Statt den Fokus rein auf die Stunts und den „letzten“ Film zu legen – der schon das dritte Mal als Finale angekündigt wird – hat die Crew einen Kulturkrieg-Touch hinzugefügt. Die Reaktionen zeigen: Nicht jeder Fan will seine Lieblings-Chaoten plötzlich als Pride-Aktivisten sehen. Der Backlash könnte den Kinostart beeinträchtigen, besonders in einem polarisierten Klima, in dem „Going Woke“ oft mit sinkenden Zuschauerzahlen assoziiert wird. Die Jackass-Jungs haben immer Grenzen überschritten – körperlich und gesellschaftlich. Ob dieser Pride-Auftritt ein genialer Marketing-Stunt oder ein Eigentor war, wird sich am Einspielergebnis von „Jackass: Best and Last“ zeigen. Für viele alte Fans fühlt es sich jedoch schon jetzt so an, als hätten die Helden ihrer Jugend einen Teil ihrer Seele am Regenbogen-Cart zurückgelassen. Die Crew bleibt chaotisch – nur diesmal hat das Chaos einen bitteren Beigeschmack.

Fazit & Persönliches

Das ist gewichtiger, als viele wahrscheinlich glauben. Die Jungs sind alle längst millionenschwer und ihre Zwanziger haben sie auch hinter sich gelassen. Die todesmutigen Stunts waren bereits im dritten Teil nicht mehr in der Größenordnung vertreten wie in der Serie und den ersten beiden Filmen. Ich als Fan, der ganz klar sagt, der dritte Jackass-Film war das beste 3D-Kinoerlebnis in der 3D-Kino-Phase, das ich genießen durfte, erwarte keine harten Stunts mehr. Ich verlange auch nicht danach. Wenn ich mir die Jackass-Crew ansehe, dann sehe ich Jungs, mit denen ich groß geworden bin, mit denen ich den gleichen Humor teilen kann, die mich eher mit Sympathie ins Kino locken als mit ihren Eskapaden. Diese Sympathie ist meinerseits jetzt angeschlagen. Was schade ist, weil ich nicht sicher bin, ob die Jungs beim Besuch der Pride-Veranstaltung die politische Gewichtung richtig eingeschätzt haben. Ich meine, seien wir ehrlich: in den frühen Nullerjahren bis mindestens 2014, also in ihrer erfolgreichsten Phase, wäre das einfach nur als Gage abgetan worden, bei denen drei oder vier schmutzige Aufnahmen entstehen. Inzwischen betrachten wir alles politisch, weil der Staat in einfach allem drinnensteckt, gleich einem Pride-Festival-Besucher, welcher mit der Macht der kleinen blauen Pillen daherkommt. Ich tue mich zunehmend schwer damit, die einfachsten Dinge des Alltags zu genießen, weil das Steak bereits einen politischen Beigeschmack hat. Vielleicht sind die Jungs weitgehend gleich geblieben, aber die Zeiten haben sich einfach geändert. Ich wünsche ihnen für meinen Teil keinen Misserfolg, aber der Beigeschmack bleibt.


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