21. Juli 2026 18:00

Film Supergirl überzeugt als solides DCU‑Gegenstück

Intimes Space-Adventure mit Charme und Action

von Sascha Blöcker drucken

Grok
Bildquelle: Eigenes Bild Grok

James Gunns Supergirl-Film: Ein solider, unterhaltsamer Kontrast im neuen DCU

James Gunns DC-Universe startet mit Superman (2025) relativ stark und setzt mit „Supergirl: Woman of Tomorrow“ (2026, Regie: Craig Gillespie) konsequent fort. Der Film ist kein Meisterwerk, das alles umkrempelt, aber er ist wirklich okay – ein spaßiger, herzerwärmender Space-Abenteuer-Film mit einer starken Hauptdarstellerin und ohne aufdringlichen Girlboss-Ton. Er dient als guter Kontrast zu Gunns Superman und liefert genau das, was viele Zuschauer von einem Superheldenfilm wollen: Action, Humor, emotionale Momente und ein bisschen galaktisches Chaos.

Handlung

Die Geschichte orientiert sich lose an der Comic-Miniserie „Supergirl: Woman of Tomorrow“ von Tom King und Bilquis Evely, die eine Art Space-Opera-Western im Stil von „True Grit“ darstellt. Kara Zor-El (Milly Alcock), die Cousine von Superman, feiert ihren 23. Geburtstag mit einer ausgiebigen Pub-Crawl-Tour auf Planeten mit roter Sonne – dort ist sie verwundbar und kann sich ordentlich betrinken, um ihren inneren Dämonen zu entkommen. Sie trägt schwer an der Last, immer im Schatten ihres berühmten Cousins zu stehen, und hadert mit ihrer eigenen Existenz nach der Zerstörung Kryptons. Dann trifft sie auf die junge Ruthye (Eve Ridley), ein Mädchen, das Rache für die Ermordung ihrer Familie durch den brutalen Raider Krem (Matthias Schoenaerts) sucht. Kara wird widerwillig in die Quest hineingezogen. Die beiden reisen durch eine chaotische, von Aliens bevölkerte Galaxis, jagen Krem und seine Bande und stoßen auf Gefahren, Verrat und Momente der Selbstfindung. Im Verlauf der Reise entwickelt sich eine ungewöhnliche Mentor-Schützling-Beziehung, bei der beide voneinander lernen. Superman (David Corenswet) taucht in Cameos auf und dient als Kontrastfigur. Der Plot ist geradlinig und folgt klassischen Rache-Quest-Strukturen, angereichert mit Superhelden-Elementen. Es geht um Trauer, Verantwortung, Gerechtigkeit und einen Hund versus Rache und darum, seinen eigenen Weg zu finden. Kein überladenes Multiversum-Chaos, sondern ein fokussiertes, persönliches Abenteuer.

Machart

Der Film fühlt sich wie eine natürliche Erweiterung von James Gunns Stil an – „Guardians of the Galaxy“ trifft DC. Es gibt dynamische, rotierende Kamerafahrten in den Action-Szenen, einen bunten, aber etwas generischen Space-Western-Look mit schrägen Aliens, Kneipen und Raumschiffen. Die Effekte sind solide, ohne immer zu beeindrucken; manche Planeten wirken wie praktische Sets mit CGI-Überzug, was charmant retro wirken kann. Milly Alcock trägt den Film auf den Schultern. Sie spielt Kara als lebendige, fehlerhafte junge Frau – mal ausgelassen und selbstbewusst, mal verletzlich und wütend. Sie ist kein unfehlbares Idol, sondern eine Heldin mit echten Problemen, die trotzdem das Richtige tut. Das macht sie sympathisch und menschlich. Die Chemie mit Ruthye funktioniert ganz gut und sorgt für humorvolle und berührende Momente. Der Ton balanciert Humor, Pathos und Action gekonnt aus, ohne zu zynisch oder zu kitschig zu werden. Im Vergleich zu Superman wirkt Supergirl etwas kleiner und intimer – weniger episches Worldbuilding, mehr Road-Trip-Vibes durch die Galaxis. Das ist bewusst gewählt und funktioniert als Kontrast: Wo Superman die große Hoffnung und das Ideal verkörpert, zeigt Supergirl eine Heldin, die damit ringt und trotzdem wächst.

Lobo

Ein Highlight für viele Fans ist Jason Momoa als Lobo. Der Czarnian-Bounty-Hunter, bekannt als „The Main Man“, ist ein chaotischer, unsterblicher Psycho mit God Complex, Zigarre im Mund und einer Vorliebe für extreme Gewalt. Im Comic war Lobo ursprünglich Teil früherer Ideen für die Story, taucht im fertigen Film aber als zusätzlicher, fan-service-lastiger Charakter auf. Momoa verkörpert ihn mit sichtlichem Spaß – grinsend, übertrieben und energiegeladen. Er stiehlt Szenen, ohne die Hauptgeschichte zu übernehmen. Lobo dient als Kontrast zu Karas Moralvorstellungen (die vorhanden sind, auch wenn sie diese nie verbalisiert) und bringt zusätzliche Action und Humor. Sein Auftritt ist kein Gamechanger, aber ein gelungener, unterhaltsamer Bonus, der Lust auf mehr macht.

Kritik und warum er besser ist, als viele sagen

Kritiker und Teile des Publikums werfen dem Film vor, nichts wirklich Neues zu erfinden. Das Worldbuilding bleibt oberflächlich – die Galaxis fühlt sich wie eine „Guardians“-Kopie an, ohne tiefgehende eigene Kultur oder Überraschungen. Manche Szenen wiederholen sich (Kara rettet Ruthye, Konflikt, Weiterreise), der Antagonist Krem bleibt etwas eindimensional, und das Ganze wirkt manchmal wie eine sichere, formelhafte Umsetzung statt eines ambitionierten Risikos. Das stimmt teilweise: Der Film bricht keine neuen Grenzen und leidet stellenweise an mangelnder Kreativität, besonders beim Ausbau der fremden Welten. Er ist kein innovatives Meisterwerk, wie manche gehofft hatten. Trotzdem ist er besser, als die negativen Stimmen behaupten. Er macht einfach Spaß. Kein aufgesetzter Girlboss – Kara ist stark, aber durch ihre Verletzlichkeit und Fehler authentisch, nicht durch predigende Monologe. Sie definiert sich nicht primär gegen Superman, sondern findet ihren eigenen Weg, was den Film zu einem schönen, ausgleichenden Gegenstück macht. Wo Superman das große, hoffnungsvolle Bild zeichnet, zeigt Supergirl eine Heldin, die damit kämpft – und genau deshalb relatable bleibt. Milly Alcock liefert eine charismatische Performance, die Action ist solide, die Emotionen sitzen und der Film endet mit einem positiven, befriedigenden Gefühl. Er ist kein Muss für jeden, aber ein solider DCU-Eintrag, der unterhält und die Welt erweitert, ohne zu überfordern. Für mich persönlich ist das eine echte Stärke.

Fazit

„Supergirl: Woman of Tomorrow“ ist okay – und das ist mehr, als viele Superheldenfilme heute von sich behaupten können. Ein Fun-Film, der an einem heißen Sommertag gut runtergeht, ohne besonders anspruchsvoll zu sein. Er ist viel besser, als ich erwartet hatte. Besonders freut mich, dass wir keinen zweiten Superman bekommen haben, sondern einen Kontrast. Supergirl ist etwas Eigenes, hat einen ganz eigenen Kodex und ganz eigene Werte. Sie ist nicht zu gefestigt, sie verhält sich genau so, wie sich eine 23-Jährige verhalten würde. Milly Alcock macht einen fantastischen Job und wird der Rolle gerecht. Wer also nicht zu viel erwartet, kann mit diesem Film durchaus Spaß haben. Ich hatte ihn auf jeden Fall.


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