14. Juli 2026 18:00

Film Glennkill überzeugt als warmherziger Whodunit

Familienkomödie verbindet Witz und echte Ermittlungsarbeit

von Sascha Blöcker drucken

Grok
Bildquelle: Eigenes Bild Grok

Glennkill — Der wollige Whodunit für die ganze Familie

Endlich kann ich es mal wieder schreiben: Die Disney‑Magie ist zurück, nur halt nicht von Disney, aber das stört uns ja nicht. Worin liegt, oder besser gesagt lag, eigentlich die Magie von Disney? Unter vielen anderen Gründen würde ich sagen, dass einer der wichtigsten Disney‑Punkte darin bestand, dass sie Filme für Kinder gemacht haben, die als Erwachsene aber absolut genießbar sind. Wenn meine Kinder „König der Löwen“ schauen, kann ich nicht umhin, mich im Bildschirm zu verlieren. Er ist ein Klassiker für Alt und Jung. Glennkill schlägt in vielerlei Hinsicht in die selbe Kerbe. Er hat alberne Momente, die hauptsächlich für kleinere Kinder sind, Witze für verschiedene Altersstufen, ohne jemals schmutzig zu werden. Außerdem verfügt er über Momente der Trauer, der Wut und des Unverständnisses. Er bespielt die gesamte emotionale Klaviatur, ohne dabei einfältig zu sein oder, was noch schlimmer wäre, aber zum Glück auch keinen Platz findet, belehrend.

Handlung (Spoiler frei)

Schäfer George Hardy (Hugh Jackman) lebt zurückgezogen in einem Wohnwagen am Rand seiner Weide. Er ist ein leidenschaftlicher Krimi‑Fan und liest seiner Schafsherde jeden Abend spannende Kriminalromane vor — ohne zu ahnen, dass die Tiere nicht nur jedes Wort verstehen, sondern danach lebhaft über Täter, Motive und Hinweise diskutieren. Die Schafe führen ein friedliches, einfaches Leben und haben ihre eigene, naiv‑philosophische Sicht auf die Welt (z. B. glauben sie, nach dem Tod zu Wolken zu werden). Eines Tages wird das Idyll brutal gestört: George wird tot auf der Weide aufgefunden. Die Schafe erkennen schnell, dass es sich um Mord handelt. Da der örtliche, eher unerfahrene und überforderte Dorfpolizist Tim Derry (Nicholas Braun) mit dem Fall überfordert ist, beschließt die Herde — allen voran die kluge und neugierige Lily —, selbst zu ermitteln. Sie verlassen ihre gewohnte Weide, schleichen sich ins Dorf und beobachten die Menschen, sammeln Hinweise und wenden ihr aus den Krimis erworbenes Wissen an. Dabei stoßen sie auf menschliche Schwächen, Geheimnisse und Motive. Die Liste der Verdächtigen ist lang. Die Handlung lockt uns immer mal wieder auf eine falsche Fährte und verwirrt uns, aber der Fall ist beim Zusehen aufklärbar, was heute ja kein Standard mehr ist. Aber dazu später mehr. Zu den Verdächtigen gehören einem Kinderfilm‑/Familienfilm üblichen Seriotypen zufolge fast jeder im Dorf oder aus Georges Umfeld; sie haben potenziell ein Motiv oder geraten ins Visier der Schafe und der Ermittlungen. Dazu gehören Metzger, Priester, Verwandte, andere Schäfer und so weiter. Sie sind aber alle in ihrer Einfachheit schön geschrieben. Und bevor sich jetzt jemand aufregt, dass der Metzger zu den Verdächtigen gehört und Schafe den Fall lösen und dass der Film damit Vegetarierpropaganda sei: Ich bin Schlachtergeselle und habe mich nicht beleidigt gefühlt, also tun Sie dies bitte nicht stellvertretend für mich.

Whodunit (wie ist er als Krimi)

Als erwachsener Zuschauer interessiert dich in erster Linie der Fall, nicht dass das Drumherum nicht schön und unterhaltsam wäre, aber auch ich bin ein Deutscher, und als ein solcher habe ich wohl oder übel einen Hang zu Krimis. Wie gut ist er als Krimi? Am Ende des Films habe ich mich gefragt: Würde die Geschichte auch als eine Sherlock‑Holmes‑Geschichte funktionieren? Also der Aufbau, die Struktur, die Beweise und natürlich die Schlussfolgerungen. Die Antwort lautet: Ja und Ja. Glennkill ist ein vollwertiger Krimi in kindlichem Gewand. Wer also Spaß an derlei Geschichten hat, wird hier auf seine Kosten kommen. Nun dazu, wie man es nicht macht. Rian Johnson, der wohl schlechteste Filmregisseur aller Zeiten, versucht sich seit geraumer Zeit auch immer wieder mal an dem Whodunit‑Genre. Nachdem er Star Wars mit dem Film „Star Wars: Die letzten Jedi“ zerstört hatte, wendete er sich anspruchsvolleren Projekten zu. Ein Mann, der im Weltraum (keine Schwerkraft) Bomben FALLEN gelassen hat, dachte sich nun, dass es an der Zeit wäre, etwas Komplizierteres zu schreiben. Ich habe mir die ersten zwei Fehlgeburten dieses geistigen Darmausflusses angesehen und stellte beide Male fest: Er kann es nicht. Wenn er am Ende den Fall aufzulösen versucht, dann muss er die Geschehnisse, welche wir als Zuschauer beobachteten, umschreiben. Kurz gesagt: Seine Fälle sind nicht lösbar. Nicht mal Sherlock Holmes könnte diese Fälle lösen, weil sie schlecht geschrieben sind. Wer aber Fälle lösen konnte, ist der ermordete Schäfer George (ja, ich weiß, eigentlich wollen Schäfer Schafe, aber dann hätte mein Wortspiel nicht funktioniert), und auch der Fall um ihn ist lösbar, so wichtig für einen Whodunit‑Film.

Synchronarbeit

Die eigentlichen Stars im Film sind natürlich die animierten Schafe. Im englischen Original leihen ihnen Größen wie Julia Louis‑Dreyfus (Lily), Bryan Cranston (Sebastian), Chris O’Dowd (Mopple), Patrick Stewart (Sir Ritchfield), Regina Hall (Cloud) und weitere (u. a. Brett Goldstein, Rhys Darby, Bella Ramsey) ihre Stimmen. In der deutschen Fassung überzeugen Anke Engelke als Lily und Bastian Pastewka als Mopple — ein Dreamteam, das perfekt zur humorvollen Note passt.

Produktion und Stil

Die Dreharbeiten fanden 2024 in verschiedenen englischen Grafschaften statt. Der Mix aus realen Schauspielern und hochwertig animierten Schafen (hyperrealistisch und ausdrucksstark) verleiht dem Film einen einzigartigen Look. Die Schafe wirken nie kitschig, sondern erhalten echte Persönlichkeiten — vom sturen Einzelgänger Sebastian über den gemütlichen Mopple bis zum süßen Winterlamm. Die Kameraarbeit von George Steel und die Musik von Christophe Beck unterstreichen die idyllische, aber auch geheimnisvolle Atmosphäre. Im Vergleich zum Roman, der düsterer ist und mit schwarzem Humor arbeitet, setzte der Film auf eine hellere, zugänglichere Version, ohne die Seele der Vorlage zu verlieren. So meine Recherche, gelesen habe ich ihn allerdings nicht. Aber auch Deutschland hat seinen Anteil an diesem hochwertigen Produkt, denn Leonie Swann, die Autorin der Vorlage, ist eine Deutsche.

Fazit

An vielen ist da wieder ein Film im Kino vorbeigezogen, der absolut sehenswert ist. Er kam viel zu kleinlaut daher, dabei gab es zu keiner Zeit einen Grund, sich zu verstecken. Nun ist er bei Amazon und für Abonnenten verfügbar. Er dominiert seit seinem Erscheinen die Beliebtheitsliste in Deutschland und ist gar an dem großartigen „Der Astronaut — Project Hail Mary“ vorbeigezogen. Ich bin einfach nur dankbar, über einen sehr aktuellen Film einen durch und durch positiven Artikel schreiben zu können. Ich bin froh, die Worte „Spaß für die ganze Familie“ nicht als Floskel und Marketing‑Move zu schreiben. Ich bin glücklich, das alte Disney‑Gefühl auch mal aus der Sicht eines Vaters erleben zu dürfen. Ich empfehle ihn uneingeschränkt, vorzugsweise natürlich mit dem Nachwuchs, denn auch Kinder sollten wissen, dass Film so viel mehr ist oder sein kann als eine plumpe Abfolge von bunten Bildern und lauten Geräuschen, wie es bei „Der Super Mario Galaxy Film“ der Fall ist. Glennkill ist der verkanteste Kinoheld in diesem Jahr, und ich wäre überrascht, wenn er nicht in meiner Top‑zehn‑Liste der besten Filme 2026 landen würde. Glennkill kann dich zum Lachen und zum Weinen bringen, er ruft uns den Wert des Erinnerns ins Gedächtnis (ohne erhobenen Zeigefinger) und ist neben all dem auch noch wunderschön und spannend. 10 von 10 Punkten für das, was er ist.


Sie schätzen diesen Artikel? Die Freiheitsfunken sollen auch in Zukunft frei zugänglich erscheinen und immer heller und breiter sprühen. Die Sichtbarkeit ohne Bezahlschranken ist uns wichtig. Deshalb sind wir auf Ihre Hilfe angewiesen. Freiheit gibt es nicht geschenkt. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit.

PayPal Überweisung Bitcoin und Monero


Kennen Sie schon unseren Newsletter? Hier geht es zur Anmeldung.

Artikel bewerten

Artikel teilen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv nur registrierten Benutzern zur Verfügung.

Wenn Sie bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, können Sie sich mit dem Registrierungsformular ein kostenloses Konto erstellen.