Nach Ölpreis-Schock: Warum die Zinswende „unvermeidlich“ ist
Signalwirkung statt Problemlösung
Die Europäische Zentralbank dürfte nach dem jüngsten Ölpreisschock den Leitzins anheben. Begründet wird das mit der gestiegenen Inflation in der Eurozone, die zuletzt bei 3,2 Prozent lag und weiter steigen könnte. Zugleich wird eingeräumt, dass die Zinsentscheidung die Teuerung durch den externen Energieschock kaum bremst, aber als Signal der Entschlossenheit und Glaubwürdigkeit gilt. Für Sparer würden Festgelder attraktiver, für Kredite und Baufinanzierungen steigen die Kosten.
So sieht also geldpolitische Vernunft im Jahr 2026 aus: Man kann den Ölpreis nicht drücken, also dreht man an der Zinsschraube und tut so, als hätte man den Hebel der Lage im Griff. Natürlich nur zu unserem Besten. Die Notenbank will Glaubwürdigkeit retten, nachdem sie bei der Inflation schon einmal zu spät reagiert hat. Ein schöner Trost für alle, die jetzt höhere Kreditkosten tragen müssen. Der Bürger darf frei entscheiden, solange er richtig entscheidet, also am besten gar nicht mehr baut, weniger investiert und sich über höhere Sparzinsen freuen soll.
Der Kern der Sache ist unangenehm simpel: Ein externer Preisschock trifft eine ohnehin fragile Wirtschaft, und die zentrale Antwort heißt Verteuerung von Geld. Das trifft nicht den Ursprung des Problems, sondern die Leute, die ohnehin kalkulieren, planen und produzieren müssen. Unternehmen sollen investieren, obwohl Energie teuer, Zölle hoch, Infrastruktur marode und die Lage unsicher ist. Dann kommt aus der geldpolitischen Kommandozentrale der Hinweis auf „Symbolpolitik“. Ein wunderbares Wort. Es bedeutet meist: Wir können wenig bewirken, möchten aber bitte ernst genommen werden.
Die EZB verkauft sich als Hüterin der Stabilität, handelt aber vor allem nach dem Prinzip institutioneller Schadensbegrenzung. Erst überschätzt sie ihre Fähigkeit, Preise zu steuern. Dann entdeckt sie ihre Entschlossenheit. Dann wird der Kredit teurer. Das ist die übliche Reihenfolge. Der Bürger zahlt für die Fehler der Zentralplanung mit allgemeinem Geld und mit weniger freiem Zugang zu Kapital. Man nennt es Schutz. Gemeint ist Kontrolle über den Preis des Geldes, also über den Blutkreislauf der gesamten Wirtschaft.
Besonders hübsch ist die Sprache der Verantwortung: „angemessen und entschlossen“ klingen immer gut, wenn man die Lasten auf andere verteilt. Für Sparer mag ein Zinsanstieg angenehm wirken. Für Schuldner, Häuslebauer und Unternehmer ist er ein weiterer Riegel im ohnehin überregulierten System. Die offizielle Geldordnung verspricht Stabilität und produziert dauernd neue Eingriffe, als müsse jeder Fehlton mit einem größeren Hebel übertönt werden.
Am Ende bleibt die alte Lektion: Wer Geld politisch behandelt, bekommt politische Probleme. So sieht Fürsorge aus, wenn sie ein Mandat trägt und sich für neutral hält.
Kommentare
Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv nur registrierten Benutzern zur Verfügung.
Wenn Sie bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, können Sie sich mit dem Registrierungsformular ein kostenloses Konto erstellen.

