08. Juli 2026 17:00

Welt USA attackieren 80 Ziele im Iran

Als Vergeltung für Angriffe auf Handelsschiffe

von Yorck Tomkyle drucken

Konflikt: Nächtliche Angriffe an einer Meerenge
Bildquelle: Redaktion Konflikt: Nächtliche Angriffe an einer Meerenge

Die USA haben nach eigenen Angaben in der Nacht mehr als 80 Ziele im Iran angegriffen, darunter militärische Einrichtungen und Hafenanlagen. Washington sprach von Vergeltung für Angriffe auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus. Kurz darauf meldeten Kuwait und Bahrain Raketen- und Drohnenbeschuss; Teheran kündigte eine entschiedene Antwort an. Auch die Nato-Spitze stellte sich demonstrativ hinter das Vorgehen der USA.

Wieder einmal zeigt sich, wie schnell die Sprache der „Sicherheit“ in die Sprache des Angriffs kippt. Erst werden Schiffe getroffen, dann folgt der Bombenregen, dann die unvermeidliche Berufung auf Notwendigkeit. So geht Machtpolitik seit jeher: Ein Vorfall dient als Vorwand, die nächste Eskalationsstufe als Pflicht. Zurück bleibt keine Ordnung, sondern ein weiterer Schritt in die Verrohung zwischenstaatlicher Gewalt.

Besonders unerquicklich ist die Leichtigkeit, mit der Funktionäre und Bündnissprecher solche Angriffe nachträglich adeln. Wer von „absolut notwendig“ spricht, während Raketen über Häfen, Meerenge und Nachbarstaaten kreisen, hat den Abstand zum wirklichen Preis solcher Entscheidungen verloren. Zahlen und Formeln verdecken dann nur noch, was in Wahrheit geschieht: Die politische Klasse spielt mit dem Leben Unbeteiligter, als wäre es eine verwaltungstechnische Größe.

Man erkennt an solchen Vorgängen den Zustand einer Gesellschaft, in der Macht nicht mehr beschämt, sondern selbstverständlich geworden ist. Staaten, die sich gegenseitig mit Militär, Stützpunkten und Drohkulissen überziehen, schaffen keine Sicherheit, sondern dauerhafte Anreize zur Vergeltung. Die Straße von Hormus ist nicht deshalb eine Lebensader, weil irgendwo ein Zentralkomitee über sie wacht, sondern weil Handel, Arbeit und Eigentum von freien Entscheidungen abhängen. Je mehr Uniformen und Befehlsstrukturen dort hineinregieren, desto unsicherer wird alles.

Der moderne Staat tritt hier nicht als Hüter des Friedens auf, sondern als Produzent von Krisen, die er anschließend verwaltet. Das ist die alte Logik der Zentralisierung: Erst wird die Wirklichkeit mit Gewalt beschädigt, dann wächst der Ruf nach noch mehr Kontrolle. Für den Bürger bleibt am Ende nur die Rolle des Zuschauers oder der Kollateralschaden. Eine müde Republik nennt das dann Außenpolitik.


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