23. Juni 2026 18:00

Gesellschaft Der politische Skandal ist tot

Fragmentierte Moral verhindert öffentliche Empörung

von Sascha Blöcker drucken

Grok
Bildquelle: Eigenes Bild Grok

Skandal um den Skandal selbst

Schleichend, kaum merklich, Stück für Stück haben wir ihn verloren: den politischen Skandal. Nicht falsch verstehen: Auf allen Ebenen des politischen Spektrums wird noch immer „Skandal!“ geschrien. Gar ist es so, dass kaum noch ein Titel eines politischen YouTube‑Videos ohne diese zur Worthülse verkommene Floskel auskommt. Beispiel: „Skandal: Baerbock erklärt Russland den Krieg (sie kann nur kein Englisch).“ Auf der anderen Seite wird alles, was Höcke sagt – und wenn er nichts gesagt hat, was man mit dem Wort „Skandal“ ausschmücken kann –, versucht, zu einem solchen zu machen. Ich frage mich: Wann gab es den letzten echten Skandal? Was braucht Deutschland, um als Gesellschaft, als Einheit, noch von einem moralischen Fehltritt zu sprechen?

Skandal

Ein Skandal ist ein unliebsames, öffentliches Vorkommnis, das allgemeine Empörung, Zorn oder großes Aufsehen erregt. Meist wird damit das Bekanntwerden einer schändlichen Handlung, eines moralischen Fehltritts oder eines Regelverstoßes bezeichnet, der das öffentliche Gewissen schädigt. Etymologie: Das Wort leitet sich vom altgriechischen „skandalon“ ab, was ursprünglich den „Auslöser einer Falle“ oder ein „Hindernis“ bedeutete. Öffentliches Empören: Damit ein Vorfall zum Skandal wird, reicht ein Fehler allein nicht aus. Es erfordert zwingend eine moralische Bewertung und eine hitzige, öffentliche Reaktion, oft befeuert durch die Medien. Sie werden es gemerkt haben: Alles, was Sie bis dato in diesem Absatz gelesen haben, habe ich kopiert und eingefügt. Warum? Damit wir alle denselben Stand haben. Der Punkt der öffentlichen Empörung ist hier besonders interessant, denn er erklärt am besten, warum der politische Skandal tot ist.

Ende der Öffentlichkeit

Es gibt die Öffentlichkeit nicht mehr. Wir informieren uns nicht mehr gleich, wir lesen nicht mehr dieselben Bücher und wir haben nicht mehr dieselben Helden. Daraus resultiert die erkennbare subjektive Moral. Die Moral ist für einen Libertären etwas Persönliches. Zu keinem Zeitpunkt bin ich versucht, bei meinem Gegenüber dieselben moralischen Vorstellungen zu vermuten, wie ich sie bei mir selbst vorfinde. Für Etatisten ist Moral etwas anderes: Sie sollte staatliches Eigentum sein, sie sollte vom Staat vorgegeben werden. Rechte sehen sie als emotionales Druckmittel, um Law und Order bequemer durchzusetzen, und Linke sehen die Moral als etwas, das allein dazu dient, den „richtigen“ Leuten den Garaus zu machen. Kurz gesagt: Für den Rechten ist moralisch, was jemand im Anzug in der Hauptstadt zu Papier gebracht hat. Für den Linken ist klar, dass man in der Hauptstadt zu Papier bringt, was man für moralisch hält. Aus dieser moralischen Trinität entsteht die Unmöglichkeit eines übergreifenden Skandals. Denn eine hitzige, öffentliche Reaktion kann nicht entstehen, wenn die Betrachtungswinkel sich so massiv unterscheiden.

Gezwungene Moral zur Vermeidung des Skandals

Der folgende Absatz entstammt ausschließlich meinen eigenen Ansichten. Eine Diskussion darüber in den Kommentaren würde ich sehr begrüßen. Ich glaube, dass „gezwungene Moral zur Vermeidung des Skandals“ ein Phänomen ist, das hauptsächlich im linken Spektrum zu finden ist. Ich kann und will einfach nicht glauben, dass der Großteil der Linken so geisteskrank ist, dass es ihnen tatsächlich egal ist, dass in England etwa 250.000 Mädchen Opfer islamischer Grooming‑Gangs wurden. Ja, ihre Rädelsführer sind wahrhaftig geisteskrank und zutiefst schlechte Menschen. Aber ich denke auch, dass dieser gewaltige Druck, der innerhalb der Linken aufgebaut wurde, um jeden Abweichler zu denunzieren, seinen Zweck erfüllt. Die Irren an der Spitze wissen, dass sie irre sind, und generieren ihren Beistand über sozialen Druck. Sie wissen, dass ihre Anhänger meist nicht irre, aber auch nicht besonders stark oder standhaft sind. Die dem linken Gedankengut unvermeidlich innewohnenden Schwächen wurden meiner Meinung nach von der Führung nahezu perfekt antizipiert und gegen sie gerichtet. Ich schätze, bei den Linken sprechen wir von ca. 8 bis 10 % komplett Wahnsinnigen, und der Rest watschelt hinterher. Diese Methodik ermöglicht es, Linke glauben zu machen, dass das Ansprechen schrecklichster Taten, die vom Islam begangen wurden, zu einer weiteren schrecklichen Tat (Rassismus) führen würde – und zusätzlich zu persönlichen Nachteilen. Folglich kann ein Linker nichts mit Skandalisieren befeuern, das eine andere, seiner Meinung nach, schlechte Sache befeuern würde. Die oft erwähnte geballte Faust in der Tasche.

Nicht mal mehr …

Nachdem vor Kurzem herauskam, dass zwei Grünen‑Politiker ihre Steuern nicht ordnungsgemäß abgeführt haben (Cem Özdemir und Felix Banaszak), dachte ich, das könnte ein Skandal werden. Der Deutsche hat eigentlich mehr Verständnis für Kinderschänder als für Steuerhinterzieher – aber selbst das scheint nicht mehr auszureichen, um einen Skandal auszulösen.

Früher

Es gab Zeiten, da wurden Nichtigkeiten zu wochenlang diskutierten Skandalen. Und heute? Maskendeals, Corona‑Akten, SMS‑Affären, gefälschte Doktorarbeiten, demente Präsidenten, Epstein, Grooming‑Gangs, offensichtliche Lügen im ZDF, Zensur, Prinz Reuß (immer noch im Gefängnis) etc. Ich könnte seitenweise so weitermachen, aber was würde es bringen? Das Informationszeitalter gibt uns zwar die Informationen, aber aufgrund der Fülle, der bildlichen Darstellungen und des Online‑Konsumverhaltens haben wir die Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfischs. Was helfen da die Informationen? Was bringt es, dass das Internet nie vergisst, wenn wir uns nichts merken können? Und was bringt es, etwas zu wissen und sich etwas zu merken, wenn daraus keine Konsequenzen entstehen?

Der Skandal als Konsequenz

Ich würde gerne „Danke, Merkel“ schreiben, da sie über jeden Zweifel erhaben die ungekrönte Königin des Wegduckens war. War einer ihrer vielen Fehler mal Thema, dann hast du sie drei Wochen nicht gesehen – und wenn sie wieder auftauchte, wurde bereits eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Gerne beteiligte sie sich dann auch an der Treibjagd. Merkel ist wahrscheinlich nur der Grund dafür, dass der Skandal in Deutschland weiter entfernt wirkt als in den meisten anderen Ländern. Das Problem selbst ist aber zumindest in der westlichen Welt allgegenwärtig. Die Intensität zeigt sich momentan allerdings so deutlich wie nie. Keir Starmer verkündet seinen Rücktritt – zum einen natürlich wegen der Skandale der vergangenen Wochen (Grooming‑Gangs und in Handschellen verblutende Engländer), aber auch wegen seiner Beliebtheit. 21 Prozent Zustimmungsrate sind in England eine Katastrophe. Natürlich wären 21 Prozent für Merz ein Traum, der in Erfüllung ginge, da er bei schlappen 18 Prozent verharrt. Lange wäre auch er gefallen, gäbe es noch den politischen Skandal. Da dieser aber nicht mehr existiert, bleibt Friedrich im Amt und die Konsequenz bleibt aus. Der Skandal war einst die Reaktion auf eine verwerfliche Aktion. War die Reaktion groß genug, konnte sie auch über den eigentlichen Skandal hinaus Konsequenzen haben. Im Fall Keir Starmer besteht die Konsequenz aus einem Rücktritt.

Fazit

Der Skandal ist tot, da es keine gemeinsame Moral mehr gibt. „Skandal“ ist nur noch ein Wort, das dazu dient, einen Titel besonders reißerisch klingen zu lassen – gerne in Kombination mit einem Ausrufezeichen oder einem Polizei‑Sirenen‑Emoticon. Der Skandal hatte eine bedeutende Funktion, die heute schmerzlich fehlt. Dessen Fehlen bedeutet für einige wenige (bis jetzt) sogar Gefängnis. Das Fehlen des Skandals verunmöglicht den friedlichen Machtwechsel zunehmend. Ich denke, dass diese Erkenntnis zeitnah ihre Bahnen ziehen wird.


Sie schätzen diesen Artikel? Die Freiheitsfunken sollen auch in Zukunft frei zugänglich erscheinen und immer heller und breiter sprühen. Die Sichtbarkeit ohne Bezahlschranken ist uns wichtig. Deshalb sind wir auf Ihre Hilfe angewiesen. Freiheit gibt es nicht geschenkt. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit.

PayPal Überweisung Bitcoin und Monero


Kennen Sie schon unseren Newsletter? Hier geht es zur Anmeldung.

Artikel bewerten

Artikel teilen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv nur registrierten Benutzern zur Verfügung.

Wenn Sie bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, können Sie sich mit dem Registrierungsformular ein kostenloses Konto erstellen.