11. August 2026 18:00

Kultur Was männlich ist und wer es bestimmt

Popkultur, Literatur und persönliche Erfahrung

von Sascha Blöcker drucken

Grok
Bildquelle: Eigenes Bild Grok

Männlich

Während man in den letzten Jahren zunehmend Männlichkeit & die damit einhergehenden Eigenschaften als toxisch bezeichnete, stelle ich mir die Frage: Was ist eigentlich männlich & wer legt das fest? Ist Männlichkeit das Gegenteil von Weiblichkeit? Braucht es Männlichkeit, wenn wir denn wissen, was das eigentlich ist? Und lässt sich Männlichkeit einfach so definieren?

In der Popkultur

Ob es den Menschen nun passt oder nicht, die Popkultur hat nach wie vor einen gewaltigen Einfluss darauf, wie wir die Dinge sehen. Ich beginne mit den männlichen Vorbildern meiner prägenden Jahre: Schwarzenegger, Stallone, Van Damme, Hugh Jackman, Mark William Calaway, Clint Eastwood & Mel Gibson. All diese Vorbilder meiner Zeit haben einiges gemeinsam, denn sie alle zeichnen sich in den meisten ihrer Rollen als stoisch, stark (nicht nur, aber auch physisch), distanziert, fokussiert & bis auf wenige Ausnahmen kontrolliert aus. War es das jetzt schon? Ist das die Liste der Attribute, welche Männlichkeit ausmachen? Muss man sie alle erfüllen oder kann ich wie Martin Riggs (Mel Gibson in Lethal Weapon) auch gerne mal die Kontrolle verlieren & dennoch männlich sein? Was ist mit den popkulturellen Männlichkeitsvorbildern der Generation nach mir? Die Generation, die mit Superhelden großgeworden ist? Iron Man (Tony Stark) unterscheidet sich doch schon enorm von jenen Vorbildern, mit denen ich großgeworden bin. Intelligenz, Innovation & Erfolg stehen auf einmal im Fokus. Während die Helden meiner Zeit sehr bescheiden irgendwo abgelegen wohnten & regelmäßig mit dem Hubschrauber angeflogen werden mussten, um rekrutiert zu werden, lebt Tony in einer Villa, mit großen Autos & viel Luxus. Ist das schlechter? Ein Sozialist würde diese Frage wohl mit Ja beantworten, ich eher nicht. Aber funktioniert Tony denn eigentlich als männliches Vorbild? Und wenn ja, ab wann? Häufig werden Marvelhelden & deren Physis abwertend den Actionhelden der 80er & 90er gegenübergestellt. Sinnbildlich, um den Verfall der Männlichkeit in der Gesellschaft aufzuzeigen. Ich lehne dieses ab und sage es in aller Deutlichkeit. Spider-Man ist für mich gleichermaßen männlich wie Rambo. Es ist eine andere Art von männlich, aber er ist männlich.

Fifty Shades of …

Ich kann hier natürlich nur für mich sprechen, aber auf meiner Reise zur Erkenntnis, was nun männlich ist & was nicht, habe ich verschiedene Typen von Männlichkeit kennengelernt. Es gibt den ruhigen, unerschütterlichen Typen, der in der Krise den Überblick behält, während um ihn herum alles wackelt. Den, der Verantwortung übernimmt, ohne sie lautstark einzufordern, aber natürlich auch jenen, der sie fordert, weil er Verbesserung anstrebt. Den, der schützt, entweder weil er muss oder einfach, weil er es kann. Männlichkeit ist keine Einheitssoße. Sie hat Schattierungen. Der Handwerker, der mit rauen Händen etwas Dauerhaftes schafft. Der Denker, der komplexe Probleme löst und dabei ruhig bleibt. Der Vater, der seinen Kindern Sicherheit gibt, indem er selbst Sicherheit ausstrahlt. All das sind Facetten derselben Sache. Was sie eint, ist die Weigerung, sich selbst aufzugeben. Wer bei jeder Enttäuschung heult und sich in Selbstmitleid wälzt, der hat den Kern verfehlt. Männlichkeit bedeutet nicht, nie zu fühlen. Sie bedeutet, Gefühle zu haben und trotzdem zu handeln. Den Schmerz anzunehmen & ihn zu verdrängen – nicht ihn zur Schau zu stellen wie eine Trophäe der eigenen Schwäche. Und natürlich gibt es den anderen Pol: den Mann, der bei jedem Gegenwind in Tränen ausbricht, der vor Herausforderungen zusammenklappt, der sich selbst als Opfer stilisiert und jede Form von Härte als „toxisch“ abtut. Diese verweichlichten Gestalten, die schlapp und weinerlich durchs Leben schleichen, haben mit Männlichkeit so viel zu tun wie ein Pappkarton mit Stahl. Sie sind das Gegenteil von dem, was Männer ausmacht: Ohne es genau definieren zu können, würde ich schon sagen, dass Standhaftigkeit, Resilienz, die Fähigkeit, Schmerz zu ertragen, ohne die Schuld in der Welt zu suchen, dazugehören.

Braucht es Männlichkeit?

Klar, ohne Männer wäre die Welt in 4–6 Wochen nahezu frei von Menschen. Das liegt auch an der Verteilung der Jobs, aber nehmen wir einmal an, wir würden das Verschwinden der Männer planen und Frauen in allen überlebenswichtigen Berufen anlernen & ausbilden. Brauchte es dann Männlichkeit? Viele Marmeladengläser blieben ungeöffnet, aber gäbe es darüber hinaus gewaltige Problemszenarien? Ich denke, ehrlich gesagt, nicht. Es gäbe weiterhin Kriege, Gewalt, Ausgrenzung, Missgunst & Neid. Was es nicht mehr gäbe, wären Innovation & Spaß. Allerdings glaube ich auch, dass beides enden würde, wenn es keine Frauen mehr gäbe. Dr. Cox aus Scrubs fasste es einmal perfekt zusammen, als er gefragt wurde, warum er Arzt geworden ist. Seine Antwort lautete: „Women, money, power & women.“ Frauen waren, sind & werden immer ein gewaltiger Antrieb für Männer sein. Männer ohne Frauen sind wie ein Motor ohne Treibstoff.

Was ist männlich?

Wenn wir annehmen, dass Gott allmächtig und allwissend ist, dann lässt sich Männlichkeit aus den von Frauen bevorzugten Eigenschaften ableiten. Alle Gottlosen dürfen den letzten Satz gerne mit Evolution oder einer anderen Theorie aus dem Hause Satans ersetzen. Ja, liebe Damen Welt, auch bei euch gibt es Präferenzen bei der Wahl des Partners & ich weiß, dass ihr das nicht gerne hört. Aber Elvis schwang seine Hüfte auf der Bühne nicht hin und her, weil das seine Stimmenbänder unterstützt. Und die Frauen, die damals in Ohnmacht fielen, taten dies auch gerne schon vor den ersten musikalischen Tönen. Nun ist Prominenz, Ansehen & Erfolg natürlich etwas, das den Blick auf männliche Eigenschaften verzerren kann. Wir können aber zwei Prominente aus demselben Tätigkeitsfeld miteinander sehr gut vergleichen. Chris Hemsworth, Jesse Eisenberg & Henry Cavill sind alle 1983 geboren, sie alle sind erfolgreiche Schauspieler & sie alle sind extrem beliebt. Dennoch ist es so, dass Cavill (Superman) & Hemsworth (Thor) bei Frauen deutlich besser ankommen als Eisenberg (Mark Zuckerberg). Sie sind – und da werden mir die meisten wohl zustimmen – bereits optisch maskuliner. Und die Optik verrät ja schon viel. Niemand ist überdurchschnittlich muskulös, wenn er nicht diszipliniert ist und regelmäßig zum Sport geht. Niemand sieht so aus, wenn er seine Impulse & Gelüste nicht in den Hintergrund drängen kann, wenn es um die Ernährung geht. Hinzu strahlen breite Schultern bei einem Mann auch Sicherheit aus. Hinzu kommt natürlich noch ein Beruf, der monetär viel abwirft & irgendwie nach Abenteuer riecht.

Ernest Hemingway verstand das besser als die meisten. In seinen Büchern ist Männlichkeit nie laut proklamiert, sondern immer Subtext, immer unter der Oberfläche. In „Der alte Mann und das Meer“ kämpft Santiago nicht nur gegen den Fisch, sondern gegen die Erschöpfung, den Zweifel, das Alter & den Tod selbst. Er weint nicht. Er jammert nicht. Er hält durch, auch wenn der Körper versagt und die Welt gegen ihn steht. Das ist der Code: „A man can be destroyed but not defeated.“ In „Wem die Stunde schlägt“ oder „In einem anderen Land“ spürt man denselben Geist – Männer, die in Extremen leben, die Verantwortung tragen, die den Preis zahlen, ohne zu jammern. Hemingway selbst lebte das, was er schrieb: Abenteuer, Härte, die Suche nach dem Essentiellen. Seine Figuren sind selten laut, aber immer präsent. Sie verlieren, sie leiden, sie sterben manchmal – doch sie bleiben Männer. Kein Raum für Schlappheit, kein Platz für das öffentliche Zerfließen. Nur der Mann & eine abenteuerliche Mission.

Fazit

Auf der Suche nach dem, was Männlichkeit ist, bin ich dem Ziel in den letzten Jahren nicht näher gekommen, auch wenn ich glaube, selbst männlicher zu werden. Ich finde das spannend & verwirrend, denn am Ende suggeriert es irgendwie, dass der Weg das Ziel ist, was der männlichen Eigenschaft der Zielstrebigkeit zuwiderläuft. Ich denke, die Klaviatur der Männlichkeit ist zu groß, als dass ein Mann sie in Gänze bespielen könnte, & deshalb bleibt einem jeden von uns nur, sich auf einige Punkte zu versteifen und die anderen nicht aus den Augen zu verlieren. Ich denke, wir werden in den nächsten Jahren Männlichkeit brauchen & zwar möglichst viel davon. Nun bleibt nur noch die Frage, ob es Männer sein werden, die diese hervorrufen, oder ob das an den Frauen hängen bleibt.


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