TotalEnergies-Chef verrät: So viel kostet die Passage eines Supertankers durch Hormus
Billiges Golföl verspricht enorme Margen – doch die Fahrt durch eine der gefährlichsten Wasserstraßen hat ihren Preis
von Tyler Durden drucken
Die krisenbedingten Verwerfungen an den Ölmärkten der Golfregion haben den französischen Energieriesen TotalEnergies SE in die Rolle eines Vorreiters gebracht. Das Unternehmen nutzt die hohen Preisabschläge auf Rohöl aus dem Persischen Golf, das für 50 bis 60 Dollar je Barrel angeboten wird, und transportiert es durch die hart umkämpfte Straße von Hormus. Vorstandschef Patrick Pouyanné erklärte am Montag auf einer Energiekonferenz in Norwegen, dass die Passage durch die Wasserstraße inzwischen rund 20 Millionen Dollar pro Supertanker koste.
„Bloomberg“ hatte Pouyanné zuvor mit der Aussage zitiert, die zusätzlichen Kosten für den Transport von Rohöl auf Supertankern durch das Nadelöhr von Hormus beliefen sich auf rund 10 Dollar je Barrel. Da Brent-Rohöl-Futures jedoch bei 92 Dollar je Barrel liegen, könnte der mögliche Gewinn mehr als 30 Dollar je Barrel betragen. Finanzierungskosten und andere Ausgaben sind dabei noch nicht berücksichtigt. Für Unternehmen, die bereit sind, die Risiken eines frühen Engagements in einer der gefährlichsten Wasserstraßen der Welt einzugehen, ergeben sich damit außergewöhnlich hohe Margen.
TotalEnergies gehört zu den größten Händlern von irakischem und katarischem Rohöl. Beide Produzenten transportieren ihr Öl weiterhin durch die Straße von Hormus.
„Wir sind heute wahrscheinlich der größte Händler von Öl aus dem Irak oder aus Katar ... und ich kann Ihnen sagen, dass Rohöl heute ganz unauffällig durch die Straße von Hormus transportiert wird, ohne dass dies öffentlich bekannt gemacht wird“, sagte Pouyanné.
Pouyanné machte keine näheren Angaben dazu, ob von TotalEnergies beauftragte Tanker den vom US-Militär überwachten Schifffahrtskorridor vor Oman nutzen.
Jüngste Daten zeigen einen deutlichen Anstieg der Durchfahrten. Das wirft die Frage auf, ob Teherans Kontrolle über das maritime Nadelöhr nachgelassen hat.
Pouyanné warnte außerdem, dass sich der Markt für raffinierte Erdölprodukte derzeit in einer Krise befinde.
„Wir haben einen schwachen Rohölmarkt und gleichzeitig sehr starke Märkte für Erdölprodukte, was sehr ungewöhnlich ist“, sagte er. „Unsere Verbraucher in Europa werden darunter leiden“, während in den Vereinigten Staaten „die Benzinpreise nicht unter 4 Dollar fallen werden, wie Präsident Trump es gerne hätte“.
Weitere Informationen zu Pouyanné von Javier Blas bei „Bloomberg“: „TotalEnergies-Chef Patrick Pouyanné bringt es auf den Punkt. Er warnt davor, dass einige Schwellenländer nach zwei unmittelbar aufeinanderfolgenden Preisschocks – 2022 und 2026 – das ‚Vertrauen‘ in Flüssigerdgas (LNG) verlieren. Die Folge? ‚Zurück zur Kohle.‘“
Die Produzenten am Golf sind bereit, Rohöl mit hohen Preisabschlägen abzugeben, während einige Energieunternehmen bereit sind, für beträchtliche Gewinne das Risiko einer Fahrt durch die Straße von Hormus einzugehen. Trotz alledem kann ein höherer Durchfluss von Rohöl, wie Pouyanné warnte, nur wenig dazu beitragen, die weltweite Krise bei raffinierten Erdölprodukten zu lösen.
Quellen:
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