24. August 2026 21:00

Wirtschaft Illusion Energiewende

Subventionen und Netzprobleme belasten Unternehmen

von Klaus Peter Krause drucken

Energiewende: Teure Infrastruktur ohne garantierte Rendite
Bildquelle: e-Redaktion Energiewende: Teure Infrastruktur ohne garantierte Rendite

Was wirtschaftlicher ist, wird künstlich verteuert – Die Behauptung vom industriellen CO2 als „Klimakiller“ ist ein Märchen – Die Vision von den kommunalen Einnahmen aus der Energiewende – Die Anlagen rechnen sich nur mit Staatshilfe – Subventionierte Investitionen sind auf Sand gebaut – 1 Billion Euro für die deutsche Energiewende und nichts gebracht – „Die Greta-Hörigkeit in Berlin und Brüssel war zu groß“ – Was der Staat darf und was nicht

Illusionen werden von denen, die sie haben, nie erkannt – allenfalls dann, wenn sie geplatzt sind. Ein Beispiel ist die Northvolt-Pleite in Schleswig-Holstein. Das Gleiche trifft auf Visionen zu. Über sie hat Helmut Schmidt sel. einst gesagt, wer solche habe, solle zum Arzt gehen.

Visionen und Illusionen verbreiten beispielsweise die Lübecker Nachrichten für die Region Lübeck. Das Regionalblatt hat jüngst*) getitelt: „Energiewende verspricht Millionen für die Region Lübeck. Windkraft und Fotovoltaik könnten der Hansestadt und den umliegenden Kreisen bis 2033 deutlich mehr regionale Wertschöpfung bringen“. Das Blatt hat die Daten einer Studie**) ausgewertet, die im April veröffentlicht worden ist. Die Stadt Lübeck könne ihre Einnahmen aus „grünem“ Strom bis 2033 mehr als verdoppeln.

Ein Arztbesuch ist auch hier angesagt. Geben wird es ihn natürlich nicht, denn der Arzt à la Helmut Schmidt wäre in diesem Fall ein kundiger, objektiver Ökonom, und dessen Diagnose wäre ganz, ganz unerwünscht.

Unabänderlicher Mangel: die viel zu geringe Energiedichte

Das Wort „grüner“ Strom soll den Eindruck vermitteln, seine Erzeugung sei ökologisch sinnvoll und diene dem Umweltschutz. Erwiesen, aber ohnehin offenkundig, ist das Gegenteil. Das ergibt sich aus seinen inhärenten Mängeln. Sie sind physikalisch-technisch bedingt und daher unabänderlich und unwiderlegbar.

Vor allem haben Wind und Sonnenlicht eine viel zu geringe Energie- bzw. Leistungsdichte.***) Das gilt ebenso für den Energiepflanzenanbau zur Herstellung von „Biogas“. Deshalb benötigt man relativ viel Platz und mithin Naturraum, um jene Menge an Wind- oder Sonnenenergie zu „ernten“, die nötig ist, um ein Kilogramm Kohle, einen Liter Erdöl oder ein Kilogramm Kernkraftbrennstoff zu ersetzen. Auch die landwirtschaftliche Erzeugung von Biokraftstoffen aus Raps, Mais oder Ölpalmen ist sehr flächenintensiv und auf pflegeintensive Monokulturen angewiesen. (Näheres zur Energie- oder Leistungsdichte hier).

Drei weitere unabänderliche Nachteile: unzuverlässig, Gefahr für die Netzstabilität, zu geringer Nutzungsgrad

Die weiteren unabänderlichen Nachteile von Strom aus Wind- und Sonnenenergie sind: Er ist unzuverlässig, weil er wetterabhängiger Zufallsstrom ist, schlecht regelbar und daher eine Gefahr für die Netzstabilität. Sein Nutzungsgrad ist zu gering, weshalb er wegen seiner schlechten Kostenbilanz wirtschaftlich unbrauchbar ist. (Näheres siehe hier).

Weil das so ist, die politisch Mächtigen die alternativen, fälschlich „erneuerbar“ genannten Energiequellen aber trotzdem zur Stromerzeugung einsetzen wollen und dafür Unternehmen finden müssen, greifen sie zur Subventionierung und zum Zwang durch Gesetze. Ohne Subventionen und Gesetzeszwang gäbe es diesen künstlichen, aufgeblähten und hochgepäppelten Wirtschaftszweig nicht.

Was wirtschaftlicher ist, wird künstlich verteuert

Um in der Bevölkerung für diesen physikalisch-technischen und daher wirtschaftlichen Unfug gläubige Gefolgsleute zu finden, werden CO2-Emissionen industriellen Ursprungs als klimaerhitzend hingestellt und mit Zwangsabgaben und bürokratischen Maßnahmen traktiert – Energiewende genannt.

Es geht um die Emissionen der herkömmlichen, aber wirtschaftlich preisgünstigen Stromerzeugung durch die Verbrennung von Kohle, Erdöl und Erdgas. Diesen Stromerzeugern sind Sonne, Wind und die Pflanzenvergärung zu „Biogas“ im marktwirtschaftlichen Wettbewerb hoffnungslos und dauerhaft unterlegen. Daher werden Stromerzeugung aus Kohle, Erdöl und Erdgas künstlich verteuert und die daraus entstehenden CO2-Emissionen im angepeilten Endzustand, „Klimaneutralität“ genannt, letztlich verboten.

Der Sinn ist, Wind-, Sonnen- und Biogasstrom durch marktwirtschaftswidrige staatliche Intervention künstlich wettbewerbsfähig zu machen, solange diese Emissionen – begrenzt zwar, aber notgedrungen – noch erlaubt sind.

Die Behauptung vom industriellen CO2 als „Klimakiller“ ist ein Märchen

Besonders schlimm ist derartiger Schildbürger-Schwachsinn, weil die industriellen CO2-Emissionen das Erdklima ebenso wenig aufheizen wie das atmosphärische CO2. In der Atmosphäre vermischen sich beide ohnehin. CO2 ist und bleibt CO2 – ganz unabhängig von seiner Herkunft. CO2 ist kein Gift, sondern ein für das Leben auf der Erde notwendiges Gas.

Die Behauptung vom industriellen CO2 als „Klimakiller“ ist ein Märchen. Sie ist nach wie vor unbewiesen, widerlegt aber sehr wohl.

Die Vision von den kommunalen Einnahmen aus der Energiewende

Zurück nach Lübeck zur Vision und Illusion von den kommunalen Einnahmen aus der Energiewende. Jene Studie ist, wie das Lübecker Regionalblatt erläutert, eine Untersuchung darüber, „welche wirtschaftlichen Effekte Windkraft- und Photovoltaikanlagen in einer Region auslösen können – etwa durch Planung, Bau, Betrieb und Verpachtung von Anlagen“. Davon könnten auch Kommunen profitieren, etwa durch Steuern, Pachten und weitere Zahlungen.

Besonders groß wäre der Effekt, wenn es regionale Unternehmen wären, die die Anlagen planten, bauten und betrieben. Dann bliebe ein größerer Teil der Aufträge und Gewinne vor Ort.

Die Anlagen rechnen sich nur mit Staatshilfe

Die Beschreibung derart herrlicher Aussichten ist für die finanziell durchweg klammen Kommunen als Lockspeise gedacht. Die Kommunen sollen sich dafür einsetzen, dass in ihren Gemeindegebieten immer mehr Windkraft- und Fotovoltaikanlagen entstehen. Mögen sie und die Unternehmen den Verlockungen widerstehen.

Die Anlagen rechnen sich nur mit staatlicher Subventionierung und unterstützenden Gesetzen. Das Geld dafür nimmt der Staat uns Bürgern zwangsweise ab.

Subventionierte Investitionen sind auf Sand gebaut

Subventionierte und mit Zwang durchgesetzte Investitionen sind auf Sand gebaut, gleichsam auf Treibsand. Subventionen und gesetzliche Regelwerke kommen und gehen. In einem Bericht vom 19. August (Seite 8) machen die Lübecker Nachrichten darauf aufmerksam, dass die Bundesregierung die „Förderung für Erneuerbare Energien umkrempeln“ will. Die Regierungskoalition plane, den „Erneuerbaren Markt“ grundlegend umzubauen.

Bisher gebe es für Strom aus Wind- und Solaranlagen eine auf zwanzig Jahre gesetzlich garantierte Vergütung. Die soll schrittweise wegfallen. Die Alternativstromerzeuger müssen sich dann darauf einstellen, ihren Strom am Markt zu verkaufen – also zu Marktpreisen, ohne staatliche Garantie.

Und prompt beginnt bei den Profiteuren und Mittätern das Jammern. Ein Beispiel dafür ist in Schleswig-Holstein die Gemeinde Janneby. Sie betreibt mit ihren Bürgern eine Windkraftindustriefläche mit zwölf Windkraftanlagen, die schönfärberisch, weil wohlklingender, wie üblich „Park“ genannt wird. Ihr Vorstand Jörg Thordsen klagt über die Pläne der Bundesregierung: „Für uns wäre es das Aus“. (Quelle: Lübecker Nachrichten, a. a. O.).

Aber das Aus ist lange fällig – für die gesamte Energiewendepolitik und deren Mittäter.

Eine Billion Euro für die deutsche Energiewende und nichts gebracht

Vor einem Monat hat die Rheinische Post Christian Kullmann zu Wort kommen lassen, den Vorstandsvorsitzenden der Evonik Industries AG in Essen. Evonik gehört zu den global führenden Unternehmen der Spezialchemie. Die BILD-Zeitung (hier) nannte Kullmanns Äußerungen „eine knallharte Abrechnung mit der Energiewende“.

Eine davon lautet: „Die deutsche Energiewende hat bislang rund 1000 Milliarden Euro gekostet. Und was hat sie uns gebracht? Nichts.“ Deutschlands Anteil an den globalen CO2-Emissionen betrage gerade einmal 1,6 Prozent. Für das Weltklima sei es „unerheblich, wann wir klimaneutral werden“. Für das Überleben der deutschen Chemie aber nicht.

Kullmann fordert, das nationale Klimaziel von 2045 auf das EU-Niveau 2050 zu verschieben. Eine weitere Verschärfung des Emissionshandels lehnt er ab. Europa habe bereits das weltweit schärfste CO2-Gebührenregime. Zusätzliche Lasten würden die heimische Industrie im internationalen Wettbewerb nur weiter schwächen.

„Die Greta-Hörigkeit in Berlin und Brüssel war zu groß“

Der Braunkohleausstieg in Nordrhein-Westfalen 2030 ist für Kullmann nicht machbar: „Wir haben nicht genug Gaskraftwerke. Wir haben eine Netzinfrastruktur wie in Albanien, und es gibt keinen bezahlbaren Wasserstoff.“ Die Kohle werde mindestens bis 2033 gebraucht, voraussichtlich länger.

Die 1 Billion Euro für die Energiewende hätten diese Probleme nicht gelöst. Im Gegenteil: Die Politik habe zu lange auf Ideologie gesetzt. „Die Greta-Hörigkeit in Berlin und Brüssel war zu groß. Nun ist es Zeit, auf Wachstum umzusteuern.“ (Der ganze Artikel der Rheinischen Post vom 18. Juli 2026 hier).

Dass immer mehr an sich gesunde Unternehmen aufgeben, geht zwar nicht nur auf das Konto der „künstlichen Verteuerung der Energie durch die Energiewende“, aber zu einem eigentlich überflüssigen Teil. Andere Ursachen sind z. B. fehlende Nachfolger und Fachkräftemangel. 2025 sind in Deutschland insgesamt 187.744 Unternehmen von der Bildfläche verschwunden.

Was der Staat darf und was nicht

Schlussbemerkung: Investitionen anstoßen darf der Staat – in Sonderfällen und gelegentlich, nicht aber solche, die erkennbar und belegbar in die Irre führen. Subventionierte Investitionen, um gegen den Markt und den Wettbewerb die irrsinnige Energiewende durchzupauken, gehören nicht dazu.

___________________________________

*) Ausgabe vom 16. August 2026, Seite 1 und 18.

**) Ein Gemeinschaftswerk vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung, dem Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung sowie von der IW Consult GmbH, einem Dienstleister für Auftragsforschung und Beratung, das „an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis strategische Lösungen für Unternehmen, Regionen, Verbände, Ministerien und Stiftungen“ entwickelt. Besagte Studie hat 2024 das Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegeben.

***) Die Leistungsdichte eines Energieträgers gibt an, wie viel Leistung (Watt) je Flächeneinheit (Quadratmeter) umgesetzt wird. Je höher dieser Wert, desto kleiner können z. B. ein Kraftwerk und sein Flächenbedarf ausgelegt werden. Geringe Leistungsdichte dagegen bedeutet umgekehrt einen höheren Materialaufwand und größeren Flächenbedarf.

Information:

Dieser Artikel wurde zuerst auf dem Blog des Autors veröffentlicht.


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