19. Oktober 2026 16:00

Ideologiekritik Wir leben in der Zeit des „Kojote-Karl-Marxismus“

Warum der Kommunismus über dem Abgrund schwebt

von Robert Grözinger drucken

Road-Runner vor Abgrund: Über einen solchen schwebt der „Kojote-Karl-Marxismus“ - noch.
Bildquelle: e-Redaktion Road-Runner vor Abgrund: Über einen solchen schwebt der „Kojote-Karl-Marxismus“ - noch.

Jan Böhmermann lässt sich vor laufender Kamera von einem Lastkraftwagen überfahren, und das Publikum freut sich. Ach nee, Moment. Der linksradikale Aktivist im zwangsfinanzierten Sold des ZDF, ein bestenfalls mittelmäßiger Komiker- und Satirikerdarsteller, stellt den Wahlsieger der sachsen-anhaltischen Landtagswahl dar. Dafür ist er wie das Original Ulrich Siegmund im Wahlkampf auf einem Moped herumgegurkt und hat sich dabei filmen lassen. Böhmermanns Kollegen haben dann einen ausgerechnet von rechts (!) kommenden Lastkraftwagen ins Bild hineingeschnitten. Clever!

Hilfreich für die Herstellung dieser Illusion war der Umstand, dass Siegmund dem Fernseh-Hofnarren physiognomisch ähnelt – was Letzteren bestimmt unheimlich wurmt. Das ist derselbe Böhmermann, der einst alle AfD-Wähler – oder waren es die Pegida-Demonstranten? Jedenfalls einen Teil seiner zwangszahlenden „Kunden“ – in die Kamera hinein mit den Worten „Ihr. Seid. Vollidioten.“ anblaffte. Derselbe Böhmermann, der einen „rechten“ Konkurrenten aus den sozialen Medien, nämlich Clownie von Clownswelt, erfolglos wegzumobben versuchte. Dieser Böhmermann erkennt jetzt frustriert und hilflos, dass er auf dem absteigenden Ast sitzt, während seine beiden ideologischen Gegenpole trotz all seiner Bemühungen von Erfolg zu Erfolg springen.

Daher der selbstzerstörerische Rumpelstilzchen-Auftritt. So sehr wurmte ihn das alles, dass er die letzten Hemmungen fallen ließ und sein wahres Gesicht zeigte. Linksextremist Böhmermann verkörpert mit seinem unlustigen Sketch den „Todestrieb in der Geschichte“, wie der russische Mathematiker und Philosoph Igor Schafarewitsch in einem Buch mit diesem Titel den Sozialismus in seinen verschiedenen Erscheinungsformen zusammenfassend beschreibt.

Die Hemmungslosigkeit, mit der die linke Antifa schwerste Verletzungen und sogar den Tod anderer in Kauf nimmt, ist eine weitere Ausdrucksform desselben Todestriebes. Ebenso, wenn auch indirekter, die würdelose Art, wie die SPD den Tod der Stieftochter der Ex-Arbeitsministerin Bärbel Bas für einen politischen Punktegewinn instrumentalisiert. Im größeren Rahmen zeigt sich dieser Trieb in der Unfähigkeit der de facto sozialistischen Regierungsparteien CDU/CSU und SPD, in der gegenwärtigen, selbstverschuldeten, multifaktoriellen Krise die richtigen Entscheidungen zu treffen. Lieber lässt man den Laden krachend gegen die Wand fahren – und riskiert Verwüstung und blindwütige Zerstörung, wie sie gerade in Frankreich beginnen.

Der Grund für diesen Todestrieb nationaler wie internationaler Sozialisten, ob moderat oder extrem, weichgespült oder hart, ist die ihrer Ideologie notwendig innewohnende Sinnlosigkeit. Für das Folgende ist zu beachten, dass nicht jeder linke Möchtegernclown der Sorte Böhmermann, Klingbeil oder Merz sich der Ideologie, die ihn antreibt, vollends bewusst ist. Dennoch ist sie ihr Antrieb. Den Extremeren unter den Linken ist ihre Ideologie durchaus bewusst. Auch, worauf sie fußt: auf reinem Materialismus. Und der wiederum fußt auf einer Grundannahme über das Universum, die seit Jahrzehnten widerlegt ist. Weil das aber nicht anerkannt wird, leben wir in einer Clownswelt.

Bewusste, also „ehrliche“ Linke aller Couleur nennen die philosophische Grundlage ihrer Ideologie „dialektischen Materialismus“. Dieser ist, so heißt es bei der linkslastigen Wikipedia, „die philosophische Weltanschauung des Marxismus. Sie verwendet die Methode der Dialektik – des Denkens in Widersprüchen –, um die Welt auf materialistischer Grundlage zu erklären.“

Wenn alles nur Materie (und Energie) ist, dann ist der Sozialismus die konsequenteste Angleichung menschlichen Seins an die Realität. Dann ist es für Leute mit dem „richtigen“ Bewusstsein kein Problem, jemanden zu „entfernen“, der ihnen im Weg steht – etwa aufgrund seiner konträren Meinung, die jedoch andere überzeugt. Um sicherzustellen, dass dieser Jemand nicht später wieder zum Problem wird, ist es effizient, ihn zu töten. Noch effizienter ist es, wenn man ihm vor dem Ableben ein bisschen Arbeitskraft abpressen kann. Wenn die Gesetzeslage ein solches Vorgehen „leider“ noch nicht ermöglicht, lässt man unter dem Siegel der „Satire“ seiner entsprechenden Phantasie freien Lauf.

Das Spannende am dialektischen Materialismus ist, dass die naturwissenschaftliche Grundannahme dieser Philosophie im Verlauf des vergangenen Jahrhunderts widerlegt wurde, die Philosophie aber weiterhin fortlebt. Wie Karl der Kojote bewegt sie sich in der Luft über dem Abgrund. Nur solange sie nicht nach unten schaut, kann sie sich noch oben halten.

Was ist die für den Materialismus, mithin auch den dialektischen, notwendige naturwissenschaftliche Grundannahme? Schauen wir wieder bei Wikipedia nach: „Demnach besteht die Einheit der Welt in der sich stets bewegenden Materie, die ewig und unendlich ist und den Menschen in ihrer praktischen Lebenstätigkeit gegeben ist, indem sie dort Lebensgrundlage und Erkenntnisquelle der menschlichen Gesellschaft darstellt. Mit dieser philosophischen Weltanschauung ist es möglich, die Unterschiede von Bewusstsein und Sein, von belebten und unbelebten Dingen anzuerkennen und trotzdem an einem materiellen Ursprung aller Dinge festzuhalten.“

Die Naturwissenschaft von heute sagt, dass die Materie der Welt keineswegs ewig und unendlich ist, sondern vor etwas mehr als 13 Milliarden Jahren entstanden ist, im sogenannten Urknall. Und dass sie auf einen entropischen Kältetod zusteuert, der in vielen Milliarden Jahren eintreten wird, wenn alle Energieunterschiede verschwunden sind. So viel ist bekannt. Was heute weniger bekannt ist: Als Wissenschaftler in den zwanziger und dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts erstmals aufgrund einiger ernst zu nehmender Anzeichen über einen absoluten Anfang des Universums spekulierten, wurden sie von nationalen und internationalen Sozialisten wie Regimegegner angefeindet und, sofern sie unter deren Herrschaft lebten, verfolgt. Und in freieren, demokratischen Gefilden wurden sie von anderen Wissenschaftlern verhöhnt.

In ihrem im vergangenen Jahr herausgegebenen Buch „Dieu - La science - Les preuves - L'aube d'une révolution“ – zu Deutsch etwa: „Gott – die Naturwissenschaft – die Indizien – Anbruch einer Revolution“ – beschreiben die Autoren Michel-Yves Bolloré und Olivier Bonnassies, welche Wissenschaftler von den Bolschewisten und den Nationalsozialisten verfolgt wurden, weil sie die Ewigkeit des Universums anzweifelten. Darunter war etwa Alexander Friedmann, ein Mathematiker an der Universität St. Petersburg. Friedmann entdeckte 1922, dass Albert Einstein in seine Formel zur Beschreibung der allgemeinen Relativitätstheorie ursprünglich eine Konstante mit einem bestimmten Wert hineingeschmuggelt hatte. Diese Konstante war „notwendig“, damit die Formel der vorherrschenden Orthodoxie eines ewigen und unendlichen Universums nicht widersprach.

Erst wehrte sich der Deutsche wütend gegen diesen Vorwurf Friedmanns, gestand aber ein Jahr später ein, einen Fehler gemacht zu haben, und entfernte die Konstante. Von da an wurde Friedmann vom sowjetischen Geheimdienst beschattet. Parteinahe Universitätsdirektoren versuchten, ihn davon abzuhalten, weiterhin die Theorie der kosmischen Expansion zu lehren. Der Mathematiker verstarb kurz darauf an Typhus.

Andere sowjetische Physiker und Mathematiker, die auf der Spur des Urknalls waren, kamen weniger glimpflich davon. Die Autoren des eben zitierten Buches listen sie namentlich auf: Innokenty Balankovsky, Yevgeny Perepyolkin, Vsevolod Frederiks, Lev Landau, Vladimir Fock, Matvei Bronstein, Maximilian Musselius, Dmitri Eropkin, Boris Numerov. Sie alle wurden zumindest weggesperrt, oft im Gulag. Viele wurden gefoltert, die meisten starben entweder aufgrund der Strapazen ihrer Strafe oder wurden irgendwann erschossen. Zwei weitere Wissenschaftler, George Gamow und Jacob Tamarkin, konnten fliehen und wanderten in die USA aus.

In Deutschland sah es nicht besser aus. Noch vor der Machtergreifung der Nazis wurde Einstein heftig von Physikerkollegen angegriffen. 1931 verfassten 100 Wissenschaftler eine Schrift gegen ihn: „Hundert Autoren gegen Einstein“. Darin verurteilten sie die Relativitätstheorie als falsch und „undeutsch“. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten mussten neben Einstein zwei andere Urknall-Theoretiker Deutschland verlassen: Max Born und Otto Stern. Selbstverständlich spielte bei den Anfeindungen gegen alle drei deren jüdische Herkunft eine Rolle, aber auch ihre Unterstützung der Idee eines absoluten Beginns eines expandierenden Universums. Nach der Machtübernahme gab Adolf Hitler dem Parteiideologen Alfred Rosenberg den Auftrag, eine passende „arische“ Alternative zur Relativitätstheorie und zum Urknall zu finden.

Im Mai 1933 versuchte Physik-Nobelpreisträger Max Planck noch, durch eine persönliche Intervention bei Hitler den massenhaften Exodus jüdischer Wissenschaftler zu stoppen. Er schrieb 1947 in einem Artikel unter dem Titel „Mein Besuch bei Adolf Hitler“ darüber. Der Führer blaffte ihn an – ich rückübersetze hier das Zitat aus der englischen Fassung des Buches von Bolloré und Bonnassies: „Die jüdische Wissenschaft pervertiert das Denken über das Weltall und versucht uns davon zu überzeugen, dass es nicht ewig existiert hat!“

Es war – und ist – den konsequenten Materialisten wichtig, am Glauben festzuhalten, dass das Universum keinen Anfang und kein Ende hat. Die Motivation ist eindeutig: Wenn Materie und damit auch Zeit und Raum einen absoluten Anfang haben, gibt es etwas, das mächtiger ist als Materie, Zeit und Raum. Mächtiger also, als der Mensch – und auch seine technischen Derivate – es jemals sein könnten. Wenn das Universum ein Ende finden wird, reicht es nicht aus, Sinn und Zweck allein darin zu finden, das Schlaraffenland für alle zu errichten. Worin liegen Sinn und Zweck, wenn am Ende alles ins Nichts zerfallen wird?

Die dennoch fortschreitende Durchdringung unserer Kultur mit Schlaraffenland-Denken erklärt, weshalb auch im Westen bis heute viele Wissenschaftler emsig nach Wegen suchen, eine diesseitige Ewigkeit zu finden. Etwa mit der Vorstellung eines oszillierenden Universums – seit 1998 widerlegt, als nachgewiesen wurde, dass sich die Expansion des Universums beschleunigt – oder mit der Idee unendlich vieler Paralleluniversen, die fast schon definitionsgemäß nicht nachweisbar ist und auch dem Rasiermesserprinzip Ockhams widerspricht.

Mit anderen Worten: Der Sozialismus und seine mehr oder weniger kohärenten Ableger wie der Existenzialismus und der Wokismus stehen ohne physikalische Grundlage für ihre Ideologie da. Etwa wie der Namensvetter des Mitautors des Kommunistischen Manifests, Kojote Karl, der sich beim Versuch, den ewig schnelleren Road-Runner zu erhaschen,über einen Abgrund verrannt hat.

Der erste handfeste Beweis für den Urknall wurde 1964 erbracht, als die aufgrund der Urknall-Theorie vorhergesagte und vorausberechnete Weltall-Hintergrundstrahlung von etwa drei Kelvin entdeckt wurde. Selbst dann versuchten Wissenschaftler einige Jahre lang, diese Entdeckung in Modelle eines ewigen Universums zu integrieren – letztendlich erfolglos. Gleichzeitig fing im Westen die neosozialistische Kulturrevolution an.

Der Grund, warum auch die vielen weiteren Beweise für den Urknall seither in der politischen Kultur keinen Eindruck gemacht haben und der Linksextremismus selbst nach dem Fall der Berliner Mauer nie abstarb, ist dieser: Ob das Universum unendlich lange existiert hat oder „erst“ seit 13 Milliarden Jahren, macht im alltäglichen Leben und in der politischen Auseinandersetzung für genau niemanden einen Unterschied. Nach heutigem Kenntnisstand wird unsere Sonne noch vier Milliarden Jahre scheinen. Wichtiger für uns: Mit großer Sicherheit wird sich die Intensität ihrer Strahlung in den nächsten 10.000 Jahren nicht signifikant ändern. Selbst diese vergleichsweise mickrige Zeitspanne ist für genau alle Menschen in ihrer Lebensrealität nicht spürbar von der Ewigkeit zu unterscheiden.

Mit anderen Worten: Der Kojote-Karl-Marxismus kann weiterhin so tun, als hätte er noch Boden unter den Füßen, denn im Moment kümmert kaum jemanden der Unterschied zwischen Unendlichkeit und 10.000 Jahren. Und das hat mit der eben erwähnten Kulturrevolution zu tun. Der Kojote-Karl-Marxismus hat dabei zwei Probleme: Zum einen darf er nicht genau hinschauen. Das heißt, die von ihm beherrschte Kultur muss an der Oberfläche bleiben und darf bloß nicht tiefer blicken. Genau diesen tieferen Blick vermeidet sie: Es herrscht der Trash, bestenfalls die Mittelmäßigkeit. Das andere Problem ist, dass in dieser politischen Kultur nur noch Kojote-Karl-artige Clowns an die Macht streben und kommen und nur ähnlich gestrickte Clowns in den wirklich großen Medien auftreten dürfen. Das kann natürlich nicht gutgehen, schon gar nicht „ewig“.

Seit der Erfindung der Zentralbanken und der damit verbundenen Ermöglichung „ewiger“ Schulden leben wir in der Illusion, dass Geld unendlich herstellbar und verfügbar ist. Wohl nicht zufällig fällt die Gründung einer der ersten und lange Zeit der wichtigsten Zentralbank, der Bank von England, im Jahr 1694 mit dem Beginn der Ära der Aufklärung zusammen. Hier wieder ein Zitat aus Wikipedia: „Der Begriff Aufklärung bezeichnet die um das Jahr 1700 einsetzende Entwicklung, durch rationales Denken alle den Fortschritt behindernden Strukturen zu überwinden.“ Man glaubte im Zuge der Aufklärung, auf die „Hypothese Gott“ verzichten zu können. Der Sozialismus war die „ehrlichste“, im Sinne von konsequenteste, Ideologie der Aufklärung. „Es galt“, heißt es bei Wikipedia weiter über diese Zeit, „Akzeptanz für neu erlangtes Wissen zu schaffen – etwa für jenes, das im Zuge der naturwissenschaftlichen Revolution im 16. und 17. Jahrhundert gewonnen worden war.“

Zum neu erlangten Wissen gehörte damals das Postulat, dass das Universum unendlich groß sei. Es ist eine Ironie des Schicksals, dass weitere wissenschaftliche Forschung dieses Postulat nun zerstört und damit den Weg für die „Hypothese Gott“ wieder freigemacht hat. Der Kommunismus, der sich „wissenschaftlich“ nennen zu dürfen glaubte, hat seine wissenschaftliche Grundlage verloren. Eine andere Ironie des Schicksals ist, dass technisch-wissenschaftlicher Fortschritt es möglich macht, diese Erkenntnis immer weiter zu verbreiten. Der Road-Runner, den Kojote Karl fangen wollte, ist ihm mal wieder entwischt. Eines Tages, so ist zu erwarten, wird der Kojote-Karl-Marxismus dorthin fliegen, wo die Schwerkraft ihn haben will.

Quellen:

Dialektischer Materialismus - Wikipedia

Aufklärung - Wikipedia

God, the Science, the Evidence - The Dawn of a Revolution; Michel-Yves Bolloré und Olibier Bonnassies; Amazon.de

Die Wiederentdeckung Gottes: Wie Kosmologie, Physik und Biologie einen Schöpfer erkennen (Institut für Glaube und Wissenschaft); Stephen C. Meyer; Amazon.de


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