Lohnkosten: Sozialbeiträge könnten bis 2035 auf fast 50 Prozent steigen
Arbeitnehmer und Arbeitgeber tragen die Last gemeinsam
von Naomi Braun-Ferenczi drucken
Eine neue Studie des IGES-Instituts im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft rechnet damit, dass die Sozialbeiträge in Deutschland bis 2035 auf nahezu 50 Prozent des Bruttolohns steigen könnten. Ausgangspunkt sind 42,8 Prozent im Jahr 2026. Besonders betroffen wären Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung; je nach Szenario liegt die erwartete Gesamtbelastung 2035 zwischen 46,6 und 51,6 Prozent.
Entscheidend ist die Frage der Zuständigkeit. Wer über 100 Euro Bruttolohn schon heute knapp 43 Euro per Abzug umleitet und morgen womöglich fast die Hälfte, verschiebt die Grenze zwischen Einkommen und Zugriff immer weiter zugunsten eines Systems, das nie den Besitz der Betroffenen, aber stets deren Verfügungsmacht beansprucht. Das nennt man nicht Verantwortung, sondern Zwangsfinanzierung. Die Beitragspflicht folgt nicht aus Vertrag, sondern aus politischer Anordnung. Genau darin liegt das Problem.
Wer arbeiten will, soll für die Folgen seiner Entscheidungen auch einstehen können. Wer sparen, vorsorgen oder sich anders absichern will, muss das frei tun dürfen. Stattdessen wird der Lohn vorab zerlegt, bevor der Arbeitnehmer überhaupt darüber verfügen kann. Arbeitgeber tragen die Last mit, aber auch das ist kein Zeichen von Solidarität, sondern ein künstlich erzwungener Transfer über den Arbeitsvertrag hinweg. Die Kosten der zentralisierten Sozialversicherung werden nicht freiwillig getragen, sondern auf alle Erwerbstätigen verteilt.
Besonders deutlich zeigt sich das bei der Rente. Dass der Beitragssatz laut Modell bis 2035 auf 20,9 Prozent steigen soll, ist kein Naturereignis. Es ist das Ergebnis eines Systems, das demografische Realität mit Umverteilung beantwortet und dabei die Eigentumsrechte der Beitragszahler immer weiter aushöhlt. Gleiches gilt für Kranken- und Pflegeversicherung: Wenn die Ausgaben steigen, werden nicht Strukturen an die Möglichkeiten der Bürger angepasst, sondern die Bürger an die Kostenstruktur eines aufgeblähten Systems.
Auch die geplante Kapitalrente ändert daran wenig. Wenn erst ab 2028 zusätzliche Beitragspunkte in einen staatlich organisierten Kapitalstock fließen und Entlastung womöglich erst nach 2035 kommt, ist das keine Lösung für die Gegenwart, sondern ein weiterer Zugriff auf künftige Einkommen. Der Staat ersetzt hier Einwilligung durch Zwang und nennt das Reform.
Die Grenze legitimer Gewalt verläuft dort, wo friedliche Verfügung über eigenes Eigentum kriminalisiert wird. Wer Arbeit immer teurer macht, indem er Einkommen vorab abschöpft, beschädigt nicht nur Leistung, sondern auch Verantwortlichkeit. Freiheit beginnt dort, wo Menschen über ihr Geld selbst entscheiden dürfen.
Kommentare
Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv nur registrierten Benutzern zur Verfügung.
Wenn Sie bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, können Sie sich mit dem Registrierungsformular ein kostenloses Konto erstellen.

