06. November 2026 10:00

Geldpolitik Neuer EZB-Chef: Niederlande nominieren Ex-Zentralbanker Knot

Der frühere Notenbankchef steht für einen straffen Kurs

von Oliver C. Racke drucken

Zentralbank: Die Macht über Zinsen und Ersparnisse bleibt gebündelt.
Bildquelle: Redaktion Zentralbank: Die Macht über Zinsen und Ersparnisse bleibt gebündelt.

Die Niederlande haben den früheren Chef ihrer Zentralbank, Klaas Knot, offiziell als Kandidaten für den Vorsitz der Europäischen Zentralbank nominiert. Knot gilt als aussichtsreicher Nachfolger von Christine Lagarde, die ihr Amt im Februar vorzeitig abgeben will. Im Rennen um den Posten gelten auch andere Notenbanker als möglich, darunter der Spanier Pablo Hernández de Cos. Inhaltlich steht Knot für eine straffe Geldpolitik und damit für einen Kurs, der sich von der zuvor sehr lockeren Linie der EZB absetzen soll.

Schon die Personalie zeigt das Grundproblem der Zentralbankordnung. Hier entscheidet kein Markt, kein Wettbewerb, kein Haftungsprinzip. Eine kleine Gruppe von Funktionären bestimmt über Geld, Zinsen und damit über die Rahmenbedingungen für Ersparnisse, Kredite und Investitionen in ganz Europa. Wer an der Spitze steht, ist deshalb nicht Nebensache. Es geht um Macht über die Geldordnung.

Das Problem liegt in der Anreizstruktur. Eine Zentralbank, die mit billigen Krediten und expansiver Geldpolitik operiert, verschiebt Risiken nach vorn und Kosten in die Zukunft. Wer heute Zugriff auf neues Geld erhält, profitiert zuerst. Wer spart, arbeitet und auf Stabilität angewiesen ist, trägt die Folgen später über Kaufkraftverluste und verzerrte Preise. Ob Knot nun straffer oder lockerer agiert, ändert an diesem Grundmechanismus nichts. Es geht nur um die Richtung der Verzerrung.

Bemerkenswert ist auch, wie eng der Kreis der möglichen Kandidaten bleibt. Zentralbanker wechseln untereinander, Institutionen nominieren sich aus sich selbst heraus, und am Ende entscheidet ein System, das sich um seine eigene Fortsetzung dreht. Das schafft keine Korrektur von Fehlanreizen, sondern verfestigt sie. Aus einer Ausnahme wird die Regel: Immer mehr Zuständigkeit sammelt sich bei Behörden, die sich politischer Kontrolle entziehen und deren Fehler kaum direkt haftbar gemacht werden können.

Die Folge ist eine schleichende Entmündigung der Marktteilnehmer. Sparer, Unternehmer und Arbeitnehmer müssen sich an ein Geldsystem anpassen, das von oben gesteuert wird und in dem politische und institutionelle Rücksichten oft schwerer wiegen als die Stabilität des Geldes. Die Debatte über Knot oder Hernández de Cos verdeckt daher den eigentlichen Punkt. Nicht die Person ist entscheidend, sondern die Machtkonzentration, die diese Position überhaupt erst erzeugt.

Wer stabile Verhältnisse will, muss weniger an der Spitze der Zentralbank rotieren lassen und mehr die Frage stellen, warum überhaupt so viel ökonomische Steuerung in einer einzigen Institution gebündelt ist. Genau dort beginnt das strukturelle Problem.


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