04. November 2026 18:00

Onlinehandel Die EU kassiert beim Einkaufen jetzt doppelt ab!

Pauschale Abgaben belasten kleine Einkäufe besonders

von Joana Cotar drucken

Einfuhrabgaben: Zusätzliche Kosten für Bestellungen außerhalb der EU.
Bildquelle: e-Redaktion Einfuhrabgaben: Zusätzliche Kosten für Bestellungen außerhalb der EU.

Seit dem 1. November ist Einkaufen außerhalb der EU wieder teurer. Die EU hat eine neue „Bearbeitungsgebühr“ von zwei Euro für Waren eingeführt, die Verbraucher bei Onlinehändlern außerhalb der EU bestellen. Zuerst denkt man sich: Zwei Euro, das ist doch nichts, kann man mal machen – auch wenn die Frage im Raum steht, was denn da bearbeitet wird und an wen die zwei Euro gehen. Doch wer die Europäische Union kennt, weiß, dass irgendwo ein Fallstrick lauert, und so ist das auch hier: Die Gebühr wird für jede unterschiedliche Warenposition in einem Paket fällig.

Bestelle ich ein T-Shirt, eine Handyhülle und ein Buch, kassiert der Staat insgesamt sechs Euro. Liegen vier gleiche T-Shirts im Paket, sind es nur zwei Euro. Für die EU ist Vielfalt beim Einkaufen ein Privileg, das man sich leisten können muss. Und das ist nur der neueste Beitrag zur europäischen Gebührenfolklore.

Bereits am 1. Juli dieses Jahres wurde die bisherige Freigrenze von 150 Euro für Kleinsendungen abgeschafft. Seither werden drei Euro Zoll erhoben – ebenfalls pro Warenkategorie. Zusammen mit der neu erhobenen Bearbeitungsgebühr macht das insgesamt fünf Euro und darauf kommt dann auch noch die Einfuhrumsatzsteuer. Die liegt in Deutschland für die meisten Waren bei 19 Prozent und wird bereits seit 2021 auch auf Kleinstsendungen erhoben.

Nehmen wir also eine Bestellung mit drei unterschiedlichen Warenpositionen im Gesamtwert von 30 Euro. Dafür fallen inzwischen neun Euro Pauschalzoll und weitere sechs Euro Bearbeitungsgebühr an. Zusammen 15 Euro, zuzüglich der anfallenden Einfuhrumsatzsteuer. Die Einfuhrumsatzsteuer wird übrigens auf Warenwert, Zoll und Bearbeitungsgebühr berechnet. Auf die neun Euro Pauschalzoll kassiert der Fiskus also noch einmal 1,71 Euro Steuer obendrauf. Eine Steuer auf die Steuer, darin hat die Politik Übung.

Ein 30-Euro-Paket kostet somit stolze 53,55 Euro!

Eine Verteuerung um 78,5 Prozent.

Wer nun hofft, das alles sei nur eine Übergangslösung, hat zur Hälfte recht. Der Pauschalzoll ist tatsächlich bis Juli 2028 befristet. Danach gilt für jede Sendung der reguläre Zolltarif, und zwar ab dem ersten Euro. Die Bearbeitungsgebühr hat man gar nicht erst befristet. Milton Friedman hat einmal gesagt, nichts sei so dauerhaft wie ein vorübergehendes Regierungsprogramm. Recht hatte er.

Offiziell dient das Ganze natürlich einem guten Zweck. Die EU würde nie etwas tun, das den Bürgern einfach nur schadet. Natürlich nicht. Sie möchte ihre Zollbehörden entlasten, uns Verbraucher vor unsicheren Produkten schützen (der Nannystaat lässt grüßen) und für „fairen“ Wettbewerb sorgen. Vor allem billige Waren aus China stehen dabei im Visier.

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil erklärte, man wolle die „Flut an Ramschware stoppen“ und damit den deutschen Einzelhandel schützen. Die Politik entscheidet also, welche Konkurrenz erwünscht ist. Getroffen werden davon allerdings ALLE Bestellungen aus Drittländern. Das englische Fachbuch aus London wird genauso teurer wie das Ersatzteil für die Kaffeemaschine aus den USA oder das Uhrenarmband aus der Schweiz. Für den Finanzminister ist offenbar alles Ramschware, was an der EU-Grenze verzollt werden muss.

Wenn ein deutscher Händler mit einem chinesischen Anbieter preislich nicht mithalten kann, wäre die marktwirtschaftliche Antwort ziemlich einfach: Er muss seinen Kunden einen Grund bieten, trotzdem bei ihm einzukaufen. Etwa bessere Qualität, gute Beratung, schnellere Lieferung oder einen zuverlässigeren Service. Vielleicht ist der ausländische Anbieter aber schlicht günstiger und seine Ware für den Käufer vollkommen ausreichend. Auch das darf in einer freien Wirtschaft vorkommen, jedoch nicht in der Logik unserer Politiker. Die haben sich für die Verteuerung der Alternative entschieden.

Dabei verschweigt die Politik geflissentlich, warum deutsche Händler und Unternehmen überhaupt solche Schwierigkeiten haben, mit ausländischen Anbietern mitzuhalten. Hohe Energiepreise, eine enorme Steuer- und Abgabenlast, ausufernde Bürokratie und hohe Arbeitskosten machen das Wirtschaften in Deutschland teuer. Eine Arbeitsstunde kostete deutsche Unternehmen 2025 rund 45 Euro, rund 29 Prozent mehr als im EU-Durchschnitt. Und wer hat einen erheblichen Teil dieser Standortnachteile zu verantworten? Die Politiker, die jetzt vorgeben, unsere Unternehmen vor der Konkurrenz schützen zu müssen. Man könnte natürlich Steuern senken, Vorschriften abschaffen und die Wirtschaft endlich von staatlichen Fesseln befreien. Das würde allerdings bedeuten, die eigene Politik zu ändern und auf Einnahmen und Macht zu verzichten. Da ist es offenbar bequemer, ausländische Produkte künstlich zu verteuern und den Bürgern die Rechnung zu präsentieren. So muss die Politik ihre Fehler nicht korrigieren, und der Verbraucher darf sie auch noch bezahlen.

Wenn Donald Trump Importzölle erhebt, warnt Brüssel vor Handelshemmnissen und steigenden Verbraucherpreisen. Vollkommen zu Recht. Zölle sind Steuern, sie verteuern Waren, verzerren den Wettbewerb und schaden den Menschen, die sie am Ende bezahlen. Sobald die EU aber selbst neue Einfuhrabgaben beschließt, nennt sie das Marktgerechtigkeit und Verbraucherschutz, und alles hat seine Ordnung. Wir sind schließlich die Guten.

Die neue Gebühr soll auch gar nicht die Bürger treffen, sagt die Politik, sondern Plattformen und Transportdienstleister. Dass diese die höheren Kosten an die Bürger weitergeben, sei nicht vorgesehen, aber - ups - das tun sie eben doch. Welch eine Überraschung!

Besonders ärgerlich ist, wen solche pauschalen Abgaben treffen. Wer für 140 Euro einkauft, wird fünf Euro je Warenkategorie leichter verkraften als jemand, der für zehn Euro eine Kleinigkeit bestellt. Für den kleinen Geldbeutel ist die Belastung relativ zum Warenwert besonders hoch. Ausgerechnet diejenigen, die aus guten Gründen gezielt nach günstigen Angeboten suchen, sollen dafür also draufzahlen.

Die Entscheidung, ob jemand ein Produkt aus China, den USA oder Deutschland kauft, ist seine eigene Angelegenheit. Sein Geld gehört ihm. Er darf selbst beurteilen, welches Angebot seinen Bedürfnissen entspricht. Und er darf dabei auch Fehler machen. Nicht selten ist die Ware von Temu oder AliExpress qualitativ minderwertig. Daraus lernt man. Dafür braucht man keine europäische Behörde, die die Kaufentscheidung durch künstliche Verteuerung in die gewünschte Richtung lenkt.

Freier Handel ermöglicht Wettbewerb über Grenzen hinweg. Er zwingt Unternehmen, sich um ihre Kunden zu bemühen, und eröffnet Verbrauchern eine größere Auswahl. Protektionismus schützt dagegen bestehende Anbieter vor dem Druck, besser oder günstiger werden zu müssen. Die Rechnung bezahlen diejenigen, die eigentlich vom Wettbewerb profitieren sollten.

Die Politik hat offenbar eine ganz eigene Vorstellung von Verbraucherfreiheit entwickelt. Jeder darf kaufen, was er möchte, solange er bereit ist, für diese Frechheit extra zu bezahlen. Wenn Sie also zukünftig sparen wollen, bestellen Sie einfach vier gleiche T-Shirts. Konformismus war innerhalb der EU schon immer billig zu haben.


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