Kreditwürdigkeit: Hat die Schufa ihr Transparenz-Versprechen gebrochen?
Recherchen berichten über zusätzliche Bewertungen für Firmenkunden
Die Schufa hatte einen neuen, angeblich „vollkommen transparenten“ Score angekündigt, mit nur zwölf statt 100 Kriterien und dem Versprechen, Verbraucher könnten ihre Bewertung künftig nachvollziehen. Recherchen von NDR und Süddeutscher Zeitung zufolge gibt es jedoch weitere, deutlich komplexere Scores und Zusatzmodelle, darunter einen speziellen Hypotheken-Score sowie zusätzliche Datenpakete für Firmenkunden, die öffentlich nicht sauber erklärt worden seien.
Das ist der alte Trick in modernem Gewand: erst Transparenz versprechen, dann die Kleingedruckt-Maschine anlaufen lassen. Natürlich nur zu unserem Besten. Wer Millionen Menschen bewertet, sollte sich nicht als pädagogischer Leuchtturm aufspielen und hinterher mit Sondermodellen, Auftragsdatenverarbeitung und „gesonderten“ Kriterien hantieren, als ginge es um eine interne Bastelarbeit für Fortgeschrittene. Sobald ein Unternehmen darüber entscheidet, ob jemand einen Vertrag, einen Kredit oder eine Versicherung bekommt, ist Unklarheit kein Schönheitsfehler. Sie ist Macht.
Besonders sauber ist die Konstruktion dort, wo Verbraucher zwar einen Score sehen können, aber nicht den tatsächlich verwendeten Maßstab. Dann dürfen sie sich also mit dem offiziellen Schaufenster begnügen, während im Hinterzimmer ein anderes Bewertungswerk läuft. Der Bürger darf frei entscheiden, solange er richtig entscheidet. Wer so arbeitet, verkauft nicht Transparenz, sondern eine Beruhigungsformel für Öffentlichkeit und Politik. Das ist kein Fortschritt, sondern ein Etikettentausch.
Noch bemerkenswerter ist die sprachliche Akrobatik: Es habe ja nie geheißen, dass es nur einen Score geben werde. Das mag juristisch sauber wirken. Praktisch bleibt es ein Transparenzversprechen mit Ausweichspur. Wenn ein Unternehmen die Regeln der Bewertung kennt, die Bewerteten aber nur einen Teil davon sehen dürfen, dann ist die Informationsasymmetrie kein Versehen. Sie ist das Geschäftsmodell.
Gerade bei der Kreditwürdigkeit zeigt sich, wie brüchig die schöne Rede von der Selbstbestimmung ist. Ein einziger Datensatz kann über Zinssätze, Vertragsabschlüsse und Chancen auf dem Wohnungsmarkt mitentscheiden. Wer hier im Nebel operiert, verlangt von den Betroffenen Vertrauen in eine Maschine, deren Logik sie nicht kennen sollen. Das ist ökonomisch bequem und für die Betroffenen teuer. Die Bürokratie entdeckt ein Problem, das ohne sie deutlich kleiner wäre – und verwandelt es in ein System, das sich dann als Lösung ausgibt.
Am Ende bleibt ein einfacher Befund: Wer Transparenz verspricht und Komplexität versteckt, will keine mündigen Kunden. Er will gehorsame Zahlenobjekte.
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