13. Mai 2024 16:00

Wiederaufgewärmte Hysterie Das Volk muss dringend ängstlicher werden

Der britische „Guardian“ schürt plumpe Klimapanik und entlarvt sich ein weiteres Mal als Propagandamaschine

von Robert Grözinger

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Bildquelle: Shutterstock Menschengemachte Klimahölle: Zunehmend sehen die Reaktionen auf die Dauerpropaganda in etwa so aus

Der „menschengemachte Klimawandel“ verliert an Angstpotential – in Deutschland, Europa und weltweit. Das besagt eine kürzlich herausgegebene Studie der „Alliance of Democracies“. Europäer machen sich mehr Sorgen über die langanhaltende Einwanderungswelle als über den Klimawandel. Besonders in Deutschland ist diese bemerkenswerte Trendumkehr zu erkennen.

Die klimapolitischen Angstmacher schlafen jedoch nicht. In Großbritannien hat der linke „Guardian“ in der vergangenen Woche eine Serie losgetreten, der die Sorgen der angeblich vielen angeblichen „führenden Klimawissenschaftler“ hervorhebt. Wer während der Corona-Krise die Angstkampagnen aufmerksam verfolgte, sieht hier das gleiche Muster im Spiel: Eine inoffizielle Priesterkaste sagt dem tumben Volk, was es gefälligst zu glauben hat. Und, wie wir sehen werden, zu tun. 

Ende Januar verschickte der „Guardian“, wie er jetzt schreibt, einen Fragekatalog an 843 „erreichbare führende Autoren und Redakteure von IPCC-Berichten seit 2018“. Fast die Hälfte davon, nämlich 380, hätten geantwortet. Allgemein malten sie ein pessimistisches Bild von der Zukunft des Wetters. Viele Wissenschaftler meinten, die klimapolitischen Maßnahmen reichten bei weitem nicht aus, um den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius über den „vorindustriellen“ Durchschnitt zu begrenzen – das Ziel des Pariser Abkommens von 2015.

Die Zeitung hob dabei merkwürdige Details hervor: „Jüngere Wissenschaftler“ seien pessimistischer: „52 Prozent der Befragten unter 50 Jahren rechneten mit einem Anstieg von mindestens drei Grad Celsius, verglichen mit 38 Prozent der über 50-jährigen.“ Warum das für die Debatte relevant sein könnte, darüber schweigt das Blatt. Ebenso wie über die Relevanz dieser Aussage: „Weibliche Wissenschaftler waren ebenfalls pessimistischer als männliche: 49 Prozent von ihnen glaubten, dass die globale Temperatur um mindestens drei Grad Celsius steigen würde“, während es bei den männlichen Kollegen nur schlappe 38 Prozent seien.

Was soll uns das sagen? Wissen die jüngeren und weiblicheren Wissenschaftler mehr als die anderen? Oder weniger? Oder sind die Jüngeren, Weiblicheren hysterischer? Was sagen Psychologen dazu? Schweigen im Blätterwald.

Vermutlich heben die Redakteure dieses Detail hervor, da es seit der westlichen Kulturrevolution in meinungsbildenden Kreisen üblich ist, den Äußerungen junger und weiblicher Zeitgenossen einen höheren Wert beizumessen als denen der älteren und männlichen. Weil „jung“ gleich „Zukunft“; und „weiblich“ bedeutet „seit Jahrtausenden im Patriarchat unterdrückt“. Man will ja „fortschrittlich“ sein. Fortschrittlich der Utopie entgegen.  

Dass dies ganz sicher keine Nebenbemerkung war, zeigt sich in einem separaten Artikel. Unter der Überschrift „‚I am starting to panic about my child’s future‘: climate scientists wary of starting families“, also: „‚Ich habe langsam Panik vor der Zukunft meines Kindes‘: Klimawissenschaftlerinnen zögern, eine Familie zu gründen“ geht der „Guardian“ darauf ein, dass nicht wenige „Klima“-Forscherinnen sich entschlossen hätten, nur ein oder gar kein Kind zu haben, weil sie den persönlichen Klima-„Fußabdruck“ minimieren wollen oder eine so düstere Vision von der Zukunft haben, dass sie diese keinem Kind zumuten wollen.   

Ich schreibe im vorangehenden Absatz absichtlich „Klima“ in Anführungszeichen, wenn ich von den befragten Forscherinnen – und auch den Forschern – rede.  Die in der Schlagzeile über den Eröffnungsartikel als „führende Klimawissenschaftler“ vorgestellten Akademiker sind vieles, aber kaum das. Viele werden namentlich genannt und zitiert. Höchstens zwei, mit Sicherheit nur einen kann man mit Fug und Recht „Klimawissenschaftler“ nennen. Keiner von diesen beiden übrigens ist jung und weiblich. Der eine ist James Renwick. Der Klimawandel, sagt der Neuseeländer, sei „die größte Bedrohung der Menschheit und hat das Potenzial, unser soziales Gefüge und unsere Lebensweise zu zerstören. Sie hat das Potenzial, Millionen, wenn nicht Milliarden von Menschen durch Hunger, Kriege um Ressourcen und Vertreibung zu töten“. Und: „Keiner von uns wird von der Verwüstung verschont bleiben.“ Die Äußerung erinnert frappierend an das seit langem diskreditierte Buch „Die Bevölkerungsbombe“ von Paul Ehrlich aus dem Jahr 1968.

Der andere, Michael Meredith, ist Ozeanograph und erforscht die Wirkung der Polarozeane auf das Klima. Der Brite wird mit den Worten zitiert: „Die gute Nachricht ist, dass das Worst-Case-Szenario vermeidbar ist.“ Denn: „Wir haben es immer noch in der Hand, eine Zukunft zu gestalten, die klimatisch viel günstiger ist als die, auf die wir uns derzeit zubewegen.“ Aber er erwartet auch, dass „unsere Gesellschaften gezwungen sein werden, sich zu verändern, und dass das Leid und die Schäden für Leben und Lebensgrundlagen schwerwiegend sein werden.“

Andere Klimawissenschaftler, die vom „Guardian“ nicht erwähnt oder gar zitiert werden, sehen das anders. Etwa Richard Lindzen. Der Amerikaner ist sehr skeptisch über die Verlässlichkeit der Klimamodelle. Er war früher Mitautor einiger IPCC-Berichte, aber das war weit vor der vom „Guardian“ willkürlich gesetzten Grenze von 2018. Lindzen ist Mitunterzeichner der „World Climate Declaration“ vom April 2022 mit dem Titel: „There is no Climate Emergency“ – „Es gibt keinen Klimanotstand“. Sie wurde von 1609 Wissenschaftlern unterzeichnet und erhielt, wie zu erwarten, so gut wie keine Beachtung in den Medien, auch nicht jetzt im „Guardian“.

Auch hier befassen sich nicht alle Wissenschaftler direkt mit dem Klima, aber immerhin macht die Deklaration diese Tatsache öffentlich. Anders als der „Guardian“. In der britischen Zeitung lesen wir von Biologen, Zoologen, Ökonomen, Juristen, Pflanzenökologen und so weiter. Die tatsächlichen Berufssparten werden in den Artikeln der Serie nicht genannt. Die muss sich der interessierte Leser mühsam aus dem Internet zusammenklauben. Sogar eine Theologin und Psychologin wird zitiert. Lorraine Whitmarsh, so heißt die Dame, wusste dem Blatt zu sagen: „Der Klimawandel ist eine existenzielle Bedrohung für die Menschheit, und der fehlende politische Wille und die Interessen der Unternehmen hindern uns daran, etwas dagegen zu unternehmen. Ich mache mir Sorgen um die Zukunft, die meine Kinder erben werden.“ Bei Wikipedia heißt es über diese angebliche „führende Klimawissenschaftlerin“: „Ihre Doktorarbeit befasste sich mit dem öffentlichen Verständnis des Klimawandels in Südengland.“

Und so geht es beim „Guardian“ fast endlos weiter. Aber damit nicht genug. Einer der Befragten, ein Juraprofessor an der „London School of Economics“ mit Namen Stephen Humphreys, äußert die Verschwörungstheorie, dass „die Reichen“ nicht genug gegen den Klimawandel unternehmen, weil sie glauben, von den Folgen weitgehend verschont bleiben zu können, selbst wenn es zum „verheerenden“ Temperaturanstieg von drei Grad käme, „den er erwartet“. Auf die Frage, welchen praktischen Rat er geben würde, was Menschen individuell tun könnten, antwortet der mit Sicherheit gut dotierte Jurist: „Ziviler Ungehorsam“.

Wer wie Humphreys die Moral für sich gepachtet hat, meint natürlich, die Vernichtung sogar der Zivilisation fordern zu dürfen, wenn die Äußerung dieser Forderung seinem, wie es scheint, narzisstischen Drang nach Geltung dient. Zudem er mit Sicherheit glaubt, von den unangenehmen Nebenwirkungen des „zivilen Ungehorsams“ so verschont zu bleiben, wie er es den „Reichen“ im Hinblick auf den Klimawandel unterstellt.   

Der wesentliche Punkt hier ist aber ein anderer: Der „Guardian“ ist Teil einer globalen Propagandamaschine, die die Forderung nach mehr staatlichem Handeln – aus welchem Grund ist fast egal – geschickt in Interviews und Ähnlichem platziert. Und hier komme ich auf die eingangs erwähnte Umfrage der „Alliance of Democracies“ zurück. Auf Seite 53 der unten verlinkten Studie ist nämlich zu erkennen, dass die Forderung, ihre Regierung solle sich vorrangig um den Klimawandel kümmern, in allen Ländern von weit weniger Menschen geäußert wird, als die Sorge um eben jenen Klimawandel.

In Deutschland liegt diese Spanne bei 13 Prozent – 37 Prozent äußern sich besorgt, aber nur 24 Prozent sehen hier die Notwendigkeit einer Regierungspriorität. Weltweit liegt die Spanne bei 18, in Europa bei 16 Prozent. Eine interessante Ausnahme bilden die USA, wo die Spanne nur fünf Prozent beträgt, allerdings auf einem für westliche Verhältnisse niedrigen Niveau von 19 zu 24 Prozent – ein weiteres Zeichen für die zunehmend scharfe Polarisierung im Innenleben der Supermacht.    

Kein Wunder also, dass die Propagandamaschinen des globalen „tiefen Staats“ oder „Regimes der Manager“ auf Vollgas drehen. Wir hingegen dürfen Hoffnung schöpfen, dass sie nur noch – in mehr als einem Sinn – durchdrehen und keine Wirkung mehr zeigen.   

Quellen:

World’s top climate scientists expect global heating to blast past 1.5C target (The Guardian, 8.5.2024)

We asked 380 top climate scientists what they felt about the future... (The Guardian, 8.5.2024)

‘I am starting to panic about my child’s future’: climate scientists wary of starting families, (The Guardian, 10.5.2024)

Democracy Perception Index 2024 (Alliance of Democracies, PDF; siehe insbesondere Seite 53)

World Climate Declaration: There is no Climate Emergency (Global Climate Intelligence Group, PDF)


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