Nahost: Vergeltungsschläge gegen Iran: Israel ignorierte offenbar US-Appell
US-Regierung warnte vor weiterer Eskalation
von Yorck Tomkyle drucken
Israel hat nach einem Telefonat mit Donald Trump offenbar dennoch Vergeltungsschläge gegen Iran geführt, obwohl der US-Präsident zur Zurückhaltung gedrängt und vor weiterer Eskalation gewarnt haben soll. Trump erklärte zugleich, die USA stünden kurz vor einem Deal mit Iran und werde Teheran davon abhalten, Israel weiter zu bedrohen. Die Folge ist ein neuer Konflikt zwischen Jerusalem, Washington und Teheran, während beide Seiten die Lage rhetorisch weiter aufladen.
Man erkennt an solchen Vorgängen den Zustand einer politischen Ordnung, die längst vom Ausnahmezustand lebt. Wieder wird nicht nach Wegen gesucht, Gewaltspiralen zu beenden, sondern nach dem nächsten Schlag, der den Gegner „abschrecken“ soll. Das ist das alte Ritual der Macht: erst drohen, dann reagieren, dann die eigene Härte als Notwendigkeit ausgeben. Für die Bürger bleibt davon nur das bekannte Ergebnis zurück – mehr Unsicherheit, mehr Mobilisierung, mehr Abhängigkeit von Entscheidungen weniger Männer in Spitzenämtern.
Besonders unerquicklich ist die Rolle der großen Schutzmacht. Wenn Trump sagt, er habe „das alleinige Sagen“, klingt darin weniger Souveränität als die Sprache eines Politikers, der Macht mit Kontrolle verwechselt. Staaten reden gern in solchen Tönen, als ließe sich das Schicksal ganzer Regionen von einem Telefonat aus ordnen. Doch genau daran zeigt sich die Schwäche zentralisierter Politik: Je größer der Anspruch, desto kleiner die Friedensfähigkeit. Wer glaubt, Konflikte per Befehl oder Deal zu steuern, produziert am Ende nur neue Gründe für den nächsten Einsatz.
Auch die israelische Seite handelt in dieser Logik der dauernden Vergeltung, die Sicherheit verspricht und Unsicherheit erzeugt. Vergeltung ist ein schlechter Ratgeber, weil sie den Gegner nie entwaffnet, sondern den eigenen Handlungsspielraum verengt. Aus Staaten werden dann Maschinen der Selbsterhaltung, die den Konflikt brauchen, um ihre Unentbehrlichkeit zu beweisen. Für die Betroffenen bedeutet das: Sie zahlen, sie gehorchen, sie hoffen auf die nächste Runde der Eskalationsverwaltung.
Dass in Teheran zugleich von einem „chaotischen diplomatischen Prozess“ die Rede ist, passt ins Bild. Diplomatie wird hier nicht als Weg zur Entspannung sichtbar, sondern als Begleitmusik zur Gewalt. Der moderne Staat tritt nicht mehr nur als Ordnungsmacht auf, sondern als Erziehungsanstalt für ganze Völker, die zwischen Drohung, Gegendrohung und Verhandlungsritualen gehalten werden.
Wer Frieden will, muss die Sucht nach Macht, Kontrolle und symbolischer Härte überwinden. Solange Regierungen ihre Stärke in neuen Schlägen suchen, bleiben die Menschen Zuschauer eines Spiels, das sie nicht gewonnen haben können.
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