21. Juli 2026 17:00

Mobilität Deutsche Bahn verbietet Alkohol an allen Bahnhöfen

Kritiker sehen Freiheitsverlust und Verwaltungsreflex

von Yorck Tomkyle drucken

Bahnhof: Sicherheitskräfte im Einsatz gegen Störer
Bildquelle: Redaktion Bahnhof: Sicherheitskräfte im Einsatz gegen Störer

Die Deutsche Bahn will bis Mitte Oktober an ihren rund 5.400 Bahnhöfen Alkohol verbieten. Begründet wird der Schritt mit dem Schutz von Fahrgästen und Mitarbeitern nach wiederholten Übergriffen, die in Zügen und an Bahnhöfen gemeldet wurden. Bereits jetzt gilt an einzelnen Stationen ein Alkoholverbot, etwa am Kölner Hauptbahnhof.

Dass an manchen Orten Trinken mit Gewalt zusammenfällt, überrascht niemanden. Wer einen Bahnhof in einen Raum dauernder Ausnahmelage verwandelt, wird am Ende mit Verboten, Kontrollen und Durchgriffen reagieren. Das ist der reflexhafte Stil einer Verwaltung, die auf Symptome starrt und die Ursachen nicht mehr zu ordnen vermag. Alkohol ist dann nicht mehr nur ein Konsumgut, sondern Vorwand für den nächsten Schritt in Richtung betreuter Bürger.

Natürlich schützt ein Verbot niemanden vor dem Täterwillen eines Betrunkenen. Gewalt entsteht nicht durch die Flasche allein, sondern durch den Menschen, der sie gegen andere richtet. Wer Sicherheit ernst meint, muss Störer konsequent aus dem Verkehr ziehen, nicht pauschal das Verhalten unbeteiligter Reisender reglementieren. Das pauschale Verbot trifft alle, auch den harmlosen Biertrinker auf dem Bahnsteig, und bestraft damit wieder einmal die Vielen für das Versagen bei den Wenigen.

Man erkennt an solchen Vorgängen den Zustand einer Gesellschaft. Wo das Vertrauen in Selbstverantwortung schwindet, wächst die Neigung, öffentliche Räume mit immer neuen Regeln zu überziehen. Der Bahnhof wird dann nicht mehr als offener Verkehrsraum verstanden, sondern als überwachte Zone, in der erwachsene Menschen wie potenzielle Störer behandelt werden. Das ist kein Zeichen von Ordnung, sondern von Erschöpfung.

Die Deutsche Bahn steht damit exemplarisch für eine müde Republik, die lieber verbietet als schützt, lieber belehrt als begrenzt. Am Ende bleibt der Bürger zurück als jemand, dem man weder Urteil noch Maß zutraut. Eine freie Gesellschaft würde Störer sanktionieren und friedliche Nutzung dulden. Eine verwaltete Gesellschaft greift zum Totalverbot. Das ist bequem für die Bürokratie und unerquicklich für alle anderen.


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