Renten-Lüge!: Kanzler Merz sagt, die Beiträge werden sinken
... dabei steigen sie massiv
von Lydia Flaß drucken
Friedrich Merz stellt die Rentenpläne seiner Regierung als Entlastung dar. Er sagt, das Rentenniveau solle steigen und die Beiträge perspektivisch sinken. Die Rentenkommission rechnet laut vorliegenden Angaben jedoch mit dem Gegenteil: Für einen kapitalgedeckten Anteil in der gesetzlichen Rente sollen die Beitragssätze zunächst um zwei Prozentpunkte steigen und in den kommenden Jahrzehnten in einem Korridor von 20,5 bis 22,5 Prozent liegen. Für einen heutigen Durchschnittsverdiener entspräche das einer Netto-Mehrbelastung von etwa 43 bis 88 Euro im Monat, zusätzlich zum sogenannten Arbeitgeberanteil.
Das ist der bekannte politische Trick mit freundlichem Etikett. Erst wird ein System versprochen, das angeblich stabiler, fairer und günstiger wird. Dann zeigt die Rechnung: teurer, komplizierter, träger. Kosten verschwinden nicht. Sie wechseln nur die Adresse. Bezahlt wird es trotzdem. Nur nicht dort, wo es beschlossen wird.
Wer heute von sinkenden Beiträgen spricht, obwohl die eigenen Experten steigende Sätze erwarten, verkauft vor allem Hoffnung auf Kredit. Das mag im Wahlkampf funktionieren. In der Lohnabrechnung eher weniger. Für Beschäftigte heißt das: weniger Netto, für Unternehmen höhere Lohnnebenkosten, für beide Seiten mehr Druck auf die Anpassung von Löhnen, Investitionen und Beschäftigung. Der Staat nennt das Reform. Der Markt nennt es Umverteilung mit Ansage.
Hinzu kommt das übliche Verwaltungsproblem. Ein kapitalgedeckter Anteil in einem umlagefinanzierten System klingt technisch und vernünftig. In der Praxis bedeutet er neue Übergänge, neue Regeln, neue Zuständigkeiten und am Ende mehr politisch verwaltete Komplexität. Genau dort entstehen die versteckten Kosten, die später niemand bestellt haben will. Regulierung ist selten kostenlos. Sie sieht nur auf dem Papier so aus.
Besonders teuer wird es, wenn Politik so tut, als lasse sich Altersvorsorge per Dekret verbessern. Eine Beitragszusage ersetzt keine produktiven Erträge. Ein Papier kann keine Demografie korrigieren. Und ein Kanzler, der sinkende Beiträge verspricht, obwohl seine eigene Kommission steigende Beiträge beschreibt, betreibt keine Reform. Er betreibt Sprachpflege.
Am Ende bleibt die alte Lehre: Wo der Staat große Sicherheiten verspricht, kommen meist kleinere Einkommen, höhere Abgaben und mehr Bürokratie heraus. Die Rente wird dadurch nicht robust. Nur teurer. Und die Rechnung landet wie immer dort, wo sie politisch am wenigsten auffällt.
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