15. Juli 2026 13:00

US-Seeblockade wieder in Kraft Angriffe auf Iran gehen weiter

Trump droht Zerstörung ziviler Infrastruktur als Druckmittel

von Kaspar Rosenbaum drucken

Konflikt: Kriegsschiffe und Feuer im Persischen Golf
Bildquelle: Redaktion Konflikt: Kriegsschiffe und Feuer im Persischen Golf

Die USA haben nach Angaben des Militärs die Seeblockade gegen iranische Häfen wieder aufgenommen und in der vierten Nacht in Folge Ziele im Iran angegriffen. Trump droht zugleich mit der Zerstörung von Brücken und Kraftwerken, falls Teheran nicht an den Verhandlungstisch komme. Der Konflikt dreht sich laut Bericht weiter um die Straße von Hormus, um Angriffe auf Handelsschiffe und um die Frage, wie weit die Eskalation noch gehen soll.

So sieht also Friedensdiplomatie im Jahr 2026 aus: erst blockieren, dann bombardieren, dann mit der Vernichtung ziviler Infrastruktur winken und das Ganze als Druckmittel für Gespräche verkaufen. Natürlich nur zu unserem Besten. Wer Brücken und Kraftwerke ins Visier nimmt, bekämpft nicht bloß militärische Ziele, sondern das alltägliche Leben von Millionen Menschen. Genau dort endet die Pose des starken Mannes und beginnt die blanke Zerstörungslogik.

Die offizielle Erzählung kennt dieses Muster gut. Man nennt es Sicherheit, Abschreckung oder Schutz der Handelswege. Tatsächlich produziert die Gewalt zuerst Unsicherheit und dann den nächsten Vorwand für noch mehr Gewalt. Die Bürokratie entdeckt ein Problem, das ohne sie deutlich kleiner wäre, und schickt dann Flugzeuge, Schiffe und große Worte hinterher. Mehr als 20 Kriegsschiffe, Hunderte Flugzeuge, neue Angriffswellen – als wäre militärische Dauerpräsenz ein Naturgesetz und nicht eine politische Entscheidung.

Besonders entlarvend ist die Drohung gegen zivile Infrastruktur. Wenn Brücken und Kraftwerke auf der Liste stehen, geht es nicht mehr um Verteidigung, sondern um Zwang durch möglichst breite Schäden. Das ist kein nüchterner Kurs, sondern ein Eingeständnis der eigenen Ohnmacht: Wer keine überzeugende Lösung hat, setzt auf Verwüstung und hofft, der Gegner werde aus Erschöpfung vernünftig. Eine großartige Strategie, wenn man Frieden für ein Geräusch hält, das nach Explosionen kurz eintritt.

Die Straße von Hormus zeigt dabei das ganze Elend zentralisierter Machtpolitik. Ein Nadelöhr für Handel, Energie und Transit wird zum Spielball von Staaten, die ihre Konflikte mit den Mitteln anderer Leute austragen. Händler, Seeleute, Anwohner und Arbeiter zahlen den Preis, während Regierungen so tun, als sei das alles unvermeidlich. Unvermeidlich ist daran nur der nächste Schaden, solange Gewalt als Verhandlungstisch missverstanden wird.

Wer wirklich sichere Durchfahrt will, muss weniger Kriegsschiffe und mehr Zurückhaltung verlangen. Doch Zurückhaltung bringt keine Fernsehbilder von Stärke. Also geht die Show weiter, Nacht für Nacht, mit Blockade, Drohung und dem üblichen moralischen Nebel. Die Rechnung kommt später. Wie immer bei staatlicher Kriegskunst.


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