24. Februar 2024

Muttersprache in Gefahr Wie Sprechgesang meine Liebe zur deutschen Sprache entfachte

Deutsch als Grundlage unserer Kultur

von Manuel Maggio

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Bildquelle: Pixel-Shot / Shutterstock Achten wir (auf) unsere Sprache: „Die Sprache einer Nation angreifen, heißt ihr Herz angreifen (Heinrich Laube 1806–1884)“

Sehr geehrte Leser und Leserinnen der Freiheitsfunken – dies ist kein modernes Gendern, sondern eine direkte Ansprache beider Geschlechter. In meinen Augen ist dies eine Wertschätzung unserer wunderschönen deutschen Sprache. Ich selbst habe meine Liebe zu der deutschen Sprache leider erst nach der Schule kennen und schätzen gelernt. In meinem Fall kam es dazu durch das Ausüben eines frühen Hobbys, des Sprechgesangs, auch Hip-Hop oder Rap genannt. Ich war damals 15 Jahre alt und besaß gemeinsam mit einem Kumpel eine CD von den „Massiven Tönen“. Auf dieser Single gab es neben den Liedern auch die jeweiligen instrumentalen Versionen. Mit den Beats in der Stereoanlage fehlten nur noch Mikrophone, um mit dem Rappen loslegen zu können. Da diese Art von Musik in den USA entstanden ist, habe ich auch kein Problem damit, entsprechende englische Begriffe zu verwenden. Dies steht in keiner Weise im Widerspruch zu meiner Huldigung der deutschen Sprache in dieser Kolumne.

Man kannte zu dieser Zeit bereits Stars wie Die Fantastischen Vier oder Falco, die ganz klar in gewisser Weise die Hip-Hop-Musik im deutschsprachigen Raum prägten. In meinem Freundeskreis wurde aber hauptsächlich englischer Rap gehört. Bei vielen, die damals Mitte und Ende der 90er Jahre selbst ihr Glück am Mikro versuchten, war Englisch die erste Wahl, auch wenn es sich als Deutscher oder Österreicher immer etwas komisch anhörte. Für mich stand dies aber nie zur Debatte, meine Sprache war die deutsche und somit sollte meine Kunst auch immer in meiner Muttersprache ihren Ausdruck finden. Rein vom Klanglichen her betrachtet, mögen sich andere Sprachen tatsächlich besser anhören – man denke hier nur an Schnulzen von Eros Ramazotti. Selbst Englisch ist um einiges weicher und auch leichter, wenn der Text in Form von Reimen auf Musik dargeboten wird.

Ende der 90er hatten wir in München sogar einen eigenen Hip-Hop-Club, und so konnte ich mit meinen Kumpels jede Woche auf einer eigenen Bühne vor Publikum üben. Unsere Leidenschaft war das Freestylen, das Improvisieren von Reimen auf einen Beat. Keine so leichte Sache, kann ich Ihnen sagen. Denn neben dem Text, der bestenfalls auch Sinn ergeben sollte, versucht man, während man eine Zeile laut ins Mikro reimt, bereits im Kopf die nächste Zeile zu denken und dann auch noch dazu passende Reime zu finden. Ich möchte nicht behaupten, darin extrem gut gewesen zu sein, aber für den ein oder anderen Freestyle-Contest und ein paar Fans hat unsere Kunst auf alle Fälle gereicht. Doch egal, wie man die Musik finden mag: Mich hat sie jedenfalls extrem in der Verwendung der deutschen Sprache geschult und mir einen ganz anderen Zugang zu ihr ermöglicht.

Deutsch ist eine sehr komplexe Sprache. Man kann nicht einfach so flapsig einen Satz beginnen, ohne zu wissen, wie man den Satz beenden möchte. Deutsch ist sehr exakt und bietet uns die Möglichkeit, uns sehr genau auszudrücken – das ist ein echtes Geschenk. Ich gehe sogar so weit zu behaupten: In jedem, der auf Deutsch denkt, also Gedanken in deutscher Sprache in sich trägt, entsteht ein deutscher Geist, eine deutsche Seele.

In diesen Gedanken über unsere wundervolle Muttersprache fühle ich mich ganz besonders bestärkt, wenn ich im deutschsprachigen Ausland unterwegs bin. Spricht man die gleiche Sprache, ist man direkt kulturell miteinander verbunden und fühlt sich auch irgendwie zu Hause. Ich selbst bin diesbezüglich wohl auch ein gutes Beispiel, denn ich habe ja nur zu 50 Prozent deutsches Blut in mir; aber ich spreche eben kein Wort Italienisch, sondern nur Deutsch. Ich habe – bis auf berufliche Einsätze – auch niemals über lange Zeit Englisch gesprochen. Und, ganz wichtig: Ich habe mein ganzes Leben nur auf Deutsch gedacht. Ich bin deutsch, es fühlt sich zumindest so an. Auf der einen Seite bedaure ich es zwar manchmal, nicht zweisprachig aufgewachsen zu sein, doch auf der anderen Seite bin ich sehr dankbar dafür, Deutsch als Muttersprache gelernt zu haben. Wie bereits angesprochen, geschah dies weniger durch das Schulsystem und das Schreiben von sinnlosen Aufsätzen und Erörterungen als vielmehr durch das Machen und Anwenden in Form von Kunst.

Bereits zu meiner aktiven Zeit als Sprechgesangskünstler war mir klar, welche Macht und auch Kraft Deutsch als Sprache in sich trägt. Für mich ist es daher auch kein Wunder, wieso viele Erfinder und große Denker der Geschichte Deutsch sprachen. Dies mag auch eine mögliche Erklärung dafür sein, wieso seit vielen Jahren systematisch an der Zerstörung meiner geliebten Sprache gearbeitet wird. Ich erinnere mich noch, teilweise traumatisch, an die Grundschule zu Zeiten der Rechtschreibreform, die dann etwas später doch wieder aufgehoben wurde. Mich hat das damals extrem aus der Bahn geworfen. Grammatik und Rechtschreibung waren niemals meine Freunde, dies möchte ich noch klarstellen. Was mögen bloß Genderwahn und die Verkrüppelung der Sprache mit den heutigen Kindern anrichten? Junge Menschen möchten sich abgrenzen, da wird auch die Sprache gerne mal verunstaltet, was aber grundsätzlich, wie ich finde, kein Problem darstellt. Ich kann den Kids nicht verbieten, „Ey Brudi, check mal PM auf Insta, ist voll LOL alles“ zu sagen. Ich sehe eine sinnvolle Aufgabe eher darin, die deutsche Sprache wieder in voller Pracht aufleben zu lassen und sie mit bestem Wissen und Gewissen zu pflegen und anzuwenden. Einem Teil dieser selbst auferlegten Aufgabe gehe ich auch hier in meiner Kolumne bei den Freiheitsfunken nach. Die Möglichkeiten sind nahezu unendlich, wenn es um den bewussten Gebrauch von Sprache geht.

Ich möchte Sie daher heute freundlich dazu einladen, meiner Bitte Folge zu leisten: Bitte legen Sie in Zukunft etwas mehr Wert auf unsere schöne Sprache und verwenden Sie auch einmal Wörter, die vom Aussterben bedroht sind. In diesem Sinne: Kredenzen Sie gerne etwas mehr, falls Sie mich eines Tages zum Essen einladen möchten.


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