02. März 2024

Die große Enttäuschung Hoffnung ist das Gegenteil von Selbstsicherheit

Falsche Werte einer falschen Union

von Manuel Maggio

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Bildquelle: Justin Grover / Shutterstock „Wonach hältst du Ausschau? Wonach streckst du dich? Alles Künftige ist ungewiss: Lebe jetzt gleich“ (Seneca)

In den letzten beiden Wochen haben sich die Ereignisse ja förmlich überschlagen: Kaum war die Partei der Werteunion gegründet worden, so ging sie auch schon wieder zugrunde. Keine Sorge, ich werde Sie heute nicht mit einer weiteren Analyse zu diesem Thema belästigen. Vielmehr möchte ich die aktuellen Geschehnisse zum Anlass nehmen, mich mit dem Thema Hoffnung auseinanderzusetzen. Denn eines ist gewiss: Sehr viele hatten in die von Markus Krall angekündigte #NeuePartei Hoffnung gesetzt, und genau diese ist nach den Aussagen von Maaßen und dem Austritt von Krall und Otte wie ein Luftballon auf dem Jahrmarkt, den eine Zigaretten streifte, geplatzt.

So habe ich mich gefragt: Was ist das Wesen von Hoffnung? Und meine Antwort lautet: Hoffnung ist die Erwartung einer besseren Zukunft, bei der man selbst nicht der Akteur ist. Hoffnung ist immer nach außen gerichtet. Meiner Auffassung nach hat Hoffnung niemals etwas mit dem eigenen Handeln zu tun. Man möchte seinen aktuellen Zustand verändern und setzt dann in etwas oder in jemanden Hoffnung. Viele hier im Münchner Umland setzen Hoffnung auf den FC Bayern, aber haben selbst keinerlei Einfluss auf die Form der Mannschaft und noch weniger auf den Ausgang eines Spiels. Hoffnung fühlt sich angenehm an, denn sie verdrängt die Ohnmacht in einem selbst. Anführer beispielsweise machen den Untertanen Hoffnung durch Versprechen. Politiker und Parteien machen das ebenso geschickt mit der Aussicht auf Verbesserung, wenn man ihnen durch eine Mehrheit an die Macht verhilft. Selbst die Hoffnung in eine Mehrheit sehe ich auf irgendeine Art als infantil an.

Hoffnung ist ein Platzhalter für Selbstsicherheit, denn wer sich selbst sicher ist, braucht keine Hoffnung in irgendetwas zu haben. Der Glaube und die Überzeugung an etwas sind meistens irgendwie begründet, aber die Hoffnung ist unbegründet und dazu prädestiniert, zu enttäuschen. Wenn ich so darüber nachdenke, sehe ich sogar einen direkten Zusammenhang zwischen der Täuschung und der Hoffnung. Ohne Hoffnung hätte es die Täuschung sehr schwer. Die Hoffnung macht einen naiv und lässt einen ohne eigene Macht ins Ungewisse rauschen. Ganz so, als hätte man auf ein bestimmtes Pferd bei einem Rennen gewettet. Ich möchte niemanden zu nahe treten, doch wenn ich ganz ehrlich bin, ist Hoffnung etwas für Verlierer und Trittbrettfahrer, aber niemals für Gewinner.

Nun aber noch mal zurück zum Schauspiel der Werteunion: Ich bin für Markus Krall wirklich froh, dass dieses Kapital so schnell zu Ende ging. Aus der Ferne betrachtet, wirken die aktuellen Ereignisse rund um die Partei eher wie das kindliche Getue einer Hip-Hop-Gang, die jetzt ihrem Frust durch Ausschlüsse aus der Gang und Youtube-Statements so richtig freien Lauf lässt. Im Fachjargon nennt man so was „Internet Beef“ und hat in meinen Augen nichts in der Welt erwachsener Menschen zu suchen. Es hätte daher eigentlich nicht besser laufen können. So hat zumindest die libertäre Fraktion der Nichtwähler ein bühnenreifes Theaterstück miterlebt und wurde vielleicht vor einem Rückfall zur Wahlurne bewahrt.

Themenwechsel: Haben Sie schon von dem neuen Buch von Thorsten Schulte aka „Der Silberjunge“ gehört? Der Titel des Buches lautet „Die große Täuschung“ und er verspricht, damit das Lügengebäude der Elite zum Einsturz zu bringen. Das Buch sei so brisant, dass es von Amazon bereits boykottiert werde, und jeder der das Buch lese, dem werde es die Augen öffnen. Für mich hört sich das eher nach den Marketingstrategien von Heiko Schwang an, aber die Dramatik ist bei Thorsten Schulte um einiges höher.

Gibt es wirklich Menschen, die glauben, dass das Wissen eines Buches einen Unterschied in der aktuellen Lebenslage machen würde? Denkt Schulte dies überhaupt selbst? Da es auch Menschen gibt, die bei Telefonhoroskopen anrufen und das ernst nehmen, ist natürlich alles möglich – doch ist dies die Zielgruppe eines Aufklärers und Freiheitskämpfers? 

Mag jeder so viele Bücher schreiben, wie er mag, aber wenn der Inhalt eines Buches für die Menschheit eine solch dramatische Wichtigkeit hätte, dann wäre es doch ein Leichtes, dieses Wissen über das Internet kostenlos zu verteilen. Ist das Anliegen jedoch weniger die Verbreitung von Geheimwissen als vielmehr die Ankurbelung der Verkaufszahlen, dann ist auch hier die Hoffnung zu einem Geschäftsmodell verkommen. 


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