27. März 2024 07:00

Corona-Maßnahmenkrise Opportunisten in Not

Mit der Veröffentlichung der RKI-Files hat die Zeit der Wendehälse begonnen

von Oliver Gorus

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Bildquelle: Roel Meijer / Shutterstock Der „Jynx torquilla“ ist ein vom Aussterben bedrohter Vogel: Ein Schicksal, das die menschliche Wendehals-Spezies nicht mit ihm teilt …

Der Wendehals (Jynx torquilla) ist für mich schon jetzt der Vogel des Jahres 2024, obwohl die Aufarbeitung der Corona-Maßnahmenkrise noch nicht mal richtig begonnen hat.

Ein Vertreter der wilden Medien, Kollege Paul Schreyer vom Magazin „Multipolar“, hatte die mehr als 1.000 Seiten starken RKI-Protokolle freigeklagt und sich nun entschlossen, sie zu publizieren, wenngleich die Freigabe der vielen geschwärzten Stellen noch gerichtsanhängig ist. Die wirklich brisanten Passagen sind also noch unter Verschluss, aber schon aus den jetzt bekannt gewordenen Stellen lassen sich Rückschlüsse ziehen, wie zum Beispiel, dass die RKI-Fachleute sehr wohl wussten, dass eine Maskenpflicht epidemiologisch überhaupt nichts bringt oder dass das RKI nicht etwa hilfreiche wissenschaftliche Erkenntnisse kommunizierte, die eine Abwägung und Diskussion der Maßnahmen ermöglichten, sondern willfährig das verlautbarte, was ihm von Politikern vorgegeben wurde. Die folgenschwere „Hochskalierung“ der Risikobewertung von „mäßig“ auf „hoch“ im März 2020 beispielsweise gründete laut den Protokollen nicht auf einer fachlichen Einschätzung, sondern auf einer politischen Anweisung. Von wem? Geschwärzt!

Sie müssen sich mal vor Augen halten, was das heißt: Politiker beauftragen Experten, das zu sagen, was die Politiker wollen, damit die Politiker sich beim Verhängen von Maßnahmen auf die Aussagen jener Fachleute stützen können. Ein für eine aufgeklärte Gesellschaft unfassbarer Vorgang.

Die Deutschen sind eben leider ein Volk der Weisungsgebundenen … Aber diese Tatsache ist definitiv nicht hilfreich, wenn es darum geht, sinnvolle Entscheidungen zum Wohle des Volkes zu treffen. Allerdings auch nicht hilfreich dabei, sich als Entscheidungsträger die Hände in Unschuld zu waschen, wenn am Ende alles rauskommt. Und genau das passiert zwangsläufig: Am Ende kommt immer alles raus!

Im Netz ging es in den letzten Tagen unter dem Trend-Schlagwort „RKI-Files“ dermaßen rund, dass nach einer mehrtägigen Schrecksekunde, in der sie wohl auf Anweisungen warteten, wie sie damit umzugehen haben, sogar die Mittelstrahlmedien berichten mussten. Selbst das ZDF brachte einen Artikel, der die Veröffentlichung der RKI-Files fair einordnete, ohne ins gewohnte regierungskonforme Framing abzurutschen.

Es geht eben nicht mehr anders, die Strömung hat gewechselt, der Wind dreht sich, jetzt heißt es für viele: zurückrudern, relativieren, rette sich, wer kann! Jene, die „Corona-Leugner“ geschrien haben, werden sich schon bald dabei erwischen lassen, Corona-Maßnahmen zu leugnen; es dauert nicht mehr lang – vom Corona-Leugner-Verurteiler zum verurteilten Corona-Maßnahmen-Leugner … was für eine unwürdige Karriere.

Einer der vielen üblen Hetzer, der Zwangsbeitragsverteidiger und Leiter des stramm linken Politmagazins „Monitor“, Georg Restle, diskreditierte im August 2020 die Demos, die im ersten Corona-Sommer versuchten, Kritik an den überbordenden Maßnahmen wahrnehmbar zu formulieren, während in den etablierten und zwangsfinanzierten Medien Pluralismuswüste herrschte. Auf X schrieb er damals in Stürmer-Manier: „NPD, III. Weg, Compact, IB, AfD: Rechtsextremisten mobilisieren massiv für die Berliner Corona-Demonstrationen. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Wer mit diesen Leuten gemeinsam demonstriert, weiß, was er tut. Und mit wem.“

Tja, und jetzt, dreieinhalb Jahre und eine Veröffentlichung der RKI-Files später klingt das bei ihm so: „Und nochmal: Nicht jeder, der überbordende Corona-Maßnahmen kritisiert (hat), ist ein „Schwurbler“ oder Recht(sextrem)er. Auch wenn viele damit ihre braune Suppe gekocht haben. Auch das gehört zum Job: dass wir differenzieren.“

Plötzlich also differenziert sogar er. Plötzlich muss irgendwie das eigentlich längst verschollene journalistische Ethos ausgegraben werden, um auf der Weste wieder weiße Stellen freizuschrubben. Ein Hauch von „Ich liebe doch … Ich liebe doch alle …“ Wer gestern noch rechtsextrem war, ist heute nicht mal mehr ein „Schwurbler“ – so ändern sich die Zeiten.

Nur sind die vielen schlimmen Sachen, die von so vielen Akteuren in Politik, Behörden und Medien gesagt und gemacht worden sind, so zahlreich und so hanebüchen und so folgenreich gewesen, dass es den meisten nichts helfen wird – trotz Fähnchen in den Wind drehen, trotz kuriosester Halswendungen um 360 Grad, trotz Hochhaltens saftiger Schinken der Hoffnung, trotz Ablenkungsmanövern, was das Zeug hält: Merkels Werk und Ampels Beitrag sind vollbracht, und zwar vielfach wohldokumentiert, da beißt die Maus keinen Faden mehr ab: Früher oder später werden sich die für das größte Unrecht seit dem Zweiten Weltkrieg Verantwortlichen stellen müssen.

Die Verwandten und Bekannten, die es die Gesundheit oder das Leben gekostet hat, werden davon nicht mehr fit und nicht mehr lebendig, das Geld, das in den Lockdowns verloren und zu Big Media, zu Big Pharma und in tiefe Politikertaschen umverteilt worden ist, kommt davon nicht mehr zurück, der gesellschaftliche Zusammenhalt, der zertrampelt wurde, ist für mindestens eine Generation verloren, das Vertrauen in den Rechtsstaat, ja in den Staat überhaupt, seine Institutionen und Akteure, ist für lange Zeit in den Wind gestreut. Nichts wird alleine dadurch wieder heilen, dass die Täter Rechenschaft ablegen müssen, verurteilt werden und büßen. Aber es ist dennoch notwendig, denn in diesem Land wird nicht eher ein Hauch von Einigkeit und Recht und Freiheit zurückkehren, bis nicht Handschellen geklickt haben. Und wenn es noch Jahre dauert!

Den Nachwuchspolitikern von Grünen, Union und SPD kann ich mit karrierestrategischem Blick nur raten: Wenn Sie jetzt auf die Aufarbeitung der Corona-Maßnahmenkrise drängen, können Sie dafür sorgen, dass etliche Posten oben in Ihrer Partei und im Staat frei werden – ganz viel Platz für Sie für einen schnellen Aufstieg! (Falls Sie FDPler sind: Tut mir leid, Pech gehabt, schon zu spät.)

Denjenigen allerdings, die so tief im Schlamm stecken, dass der Versuch, sich mit einer opportunistischen Halse herauszuwinden, völlig aussichtslos ist, sondern die versuchen, die Aufarbeitung weiter zu verhindern oder zu blockieren, wie zum Beispiel Lauterbach oder Dahmen, sieht man die nackte Angst vor der Wahrheit derzeit schon im Gesicht an. Riechen möchte ich an denen nicht müssen.

Was glauben Sie, was erst los ist, wenn die Hunderten von Schwärzungen in den RKI-Protokollen (Heinrich Heine nannte so etwas „Leichensteine“) per Gerichtsbeschluss entfernt werden müssen und der Öffentlichkeit die ganze Wahrheit zugemutet wird … Rudi Assauer sagte einst: „Wenn der Schnee schmilzt, sieht man, wo die Kacke liegt.“


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