23. Februar 2026 16:00

Künstliche Intelligenz und Gesellschaft Wird künstliche Intelligenz den Staat abschaffen?

Eine Betrachtung der Folgen technologischer Evolution für Machtstrukturen

von Robert Grözinger drucken

Informationstechnologie: Schon immer entscheidend für die Evolution der Herrschaft
Bildquelle: e-Redaktion Informationstechnologie: Schon immer entscheidend für die Evolution der Herrschaft

Wird künstliche Intelligenz den Staat abschaffen? Oder ihn zumindest drastisch schrumpfen? Es gibt Anzeichen, dass das Potenzial für ein solches Szenario wächst.

In einem interessanten Artikel, geschrieben von Connor O’Keeffe und veröffentlicht Anfang Februar von mises.org, las ich kürzlich Folgendes: „Wie Martin Gurri in seinem Buch ‚The Revolt of the Public‘ darlegt, hat jeder bedeutende Fortschritt in der Informationstechnologie in der Geschichte der Menschheit – von der Einführung des Alphabets bis zur Erfindung der Druckerpresse – zu einem Übergang zu einer neuen herrschenden Elite geführt. Denn entscheidend ist, dass die neue Technologie das Monopol bricht, das die bisherige Elite über den Informationsraum genossen hat.“

Damit bekräftigt O’Keeffe den hinlänglich bekannten und weithin akzeptierten Vergleich der Folgen des Internets für die Gesellschaft mit jenen der Druckerpresse. Mir neu dagegen war der von Gurri laut O’Keeffe gezogene Vergleich mit der Einführung des Alphabets. Aber wenn man darüber nachdenkt, ergibt es Sinn: Lesen und Schreiben erlaubte zunächst exakte Buchführung und somit effizientere Lagerhaltung und friedlichen Tausch komplexerer Natur als zuvor. Wer rechnen konnte, war nun noch klarer im Vorteil als zuvor. Darüber hinaus wurde Wissen über alle Bereiche des Lebens nachprüfbarer als zuvor, solange alles Notwendige dokumentiert war. Wissen ist Macht – und wer lesen konnte, war nun ebenfalls klar im Vorteil. Physische Macht allein war somit zumindest relativ im Nachteil.

Dieser Gedanke lässt sich weiter spinnen, sowohl in die Zukunft als auch in die Vergangenheit: Gibt es noch ältere „Fortschritte in der Informationstechnologie“ als die der Schrift, die vielleicht ebenfalls zu einem „Übergang zu einer neuen herrschenden Elite“ führten? Nun, nicht Erfindungen im klassischen Sinn, aber was ist mit der „Erfindung“ der Sprache, des verbalen Sprechens?

Eine kurze KI-Suche ergibt Folgendes: Während man gemeinhin von der ersten Verwendung von Vokalen und Konsonanten vor etwa 50.000 Jahren ausgeht, deuten „andere Forschungsergebnisse jedoch auf einen früheren Ursprung hin. Eine Studie des MIT aus dem Jahr 2025, in der Genomdaten analysiert wurden, zeigt, dass die Fähigkeit zur Sprache bereits vor mindestens 135.000 Jahren existierte und Sprache möglicherweise vor etwa 100.000 Jahren in den sozialen Gebrauch gelangte. Diese Ansicht stellt die traditionelle ‚Larynx-Abstammungstheorie‘ in Frage, die Sprache mit den anatomischen Veränderungen des Homo sapiens vor etwa 200.000 bis 300.000 Jahren in Verbindung brachte.“

Nehmen wir an, wir fingen vor 100.000 Jahren an, ungefähr so zu sprechen wie heute. Zumindest einige von uns. Wer sprechen konnte, war klar im Vorteil im Vergleich zu jenen, die es nicht konnten. Wer besser als andere sprechen konnte, hatte noch mehr Vorteile – das ist bis heute so geblieben, trotz Druckerpresse und Internet.

Wenn sich die neueren Befunde hinsichtlich der Sprachentwicklung bestätigen, ergäbe sich folgende interessante, „logarithmische“ Entwicklungslinie. Nach dem Auftauchen der verbalen Sprache vergingen Jahrzehntausende bis zum nächsten informationstechnischen Entwicklungssprung: dem der Schrift und des Alphabets. Danach vergingen Jahrtausende bis zum nächsten Schritt: dem der Druckerpresse. Danach Jahrhunderte bis zum nächsten Schritt: dem des Internets. Danach Jahrzehnte bis zum nächsten Schritt: dem der künstlichen Intelligenz. Bedeutet das, dass wir nur noch Jahre, nicht Jahrzehnte, vom nächsten vergleichbaren Schritt entfernt sind? Und wenn ja, was könnte der sein? Und welche gesellschaftlichen Veränderungen brächte er mit sich? Wären wir dann bei der berühmten „Singularität“ von Ray Kurzweil angekommen?

Wir befragen wieder mal die KI: „In seinem 2005 erschienenen Buch ‚The Singularity Is Near‘ stellte Kurzweil dieses Konzept vor und argumentierte, dass exponentielles technologisches Wachstum, angetrieben durch sein Gesetz der beschleunigten Renditen, zu dieser Transformation führen werde. Er prognostizierte, dass KI bis 2029 die Intelligenz des Menschen erreichen werde und dass die Menschen bis 2045 durch Gehirn-Computer-Schnittstellen, Nanobots und cloudbasierte Intelligenz ihre biologischen Grenzen überwinden würden.“

Weiter heißt es: „Seine (Kurzweils) Fortsetzung aus dem Jahr 2024, ‚The Singularity Is Nearer‘, bestätigt diese Zeitpläne. Kurzweil geht nun davon aus, dass sich die menschliche Intelligenz bis 2045 millionenfach steigern wird, ermöglicht durch nicht-invasive Nanobots, die das Gehirn mit der Cloud verbinden. Er glaubt, dass diese Verschmelzung die Unterscheidung zwischen Mensch und Maschine aufheben und eine neue Form des Bewusstseins sowie erheblich verbesserte Fähigkeiten schaffen wird.“

„Kurzweil betont auch“, schließt der KI-Text ab, „dass die Singularität tiefgreifende Vorteile mit sich bringen wird: eine radikale Verlängerung des Lebens, die Ausrottung von Krankheiten und eine Welt des Überflusses. Er räumt jedoch auch Risiken ein, darunter den Missbrauch von KI und Biotechnologie, und betont die Notwendigkeit ethischer Weitsicht.“

Spekulationen darüber, wie die KI die Arbeitswelt umkrempeln wird, gibt es zuhauf. Auch darüber, welche Überwachungs- und Kontrollmöglichkeiten dem Staat in die Hände fallen könnten. Während manche gar über die Abschaffung des Menschen nachdenken, sollten wir jedoch nicht aus den Augen verlieren, wie überflüssig der Staat durch die KI wird. Und wie dieser Umstand uns vor negativen Auswüchsen schützen könnte. Wenn viele private Jobs gefährdet sind, so sind es umso mehr die der Bürokraten und der subventionierten Industrien. Der Druck zur Schrumpfung der öffentlichen Hand wird allein schon durch den im Übergang stattfindenden Wegfall menschlicher, besteuerbarer Wertschöpfung so groß werden, dass die vielen „Bullshitjobs“ schneller gestrichen werden, als ein KI-Bot ein Gedicht schreiben kann.

O’Keeffe schreibt ferner: „Es gibt Gründe, optimistisch zu sein, wenn man etwas weiter in die Zukunft blickt. Wie Gurri in ‚The Revolt of the Public‘ dargelegt hat, haben die globalen Eliten mit der Einführung des Internets bereits ihr Monopol auf den Informationsraum verloren. Hinzu kommt, dass künstliche Intelligenz genau die Art von Verwaltungs-, Büro- und Bürokratietätigkeiten automatisieren wird, die die Führungsklasse definiert und ihre Positionen notwendig gemacht haben. Mit anderen Worten: Die strukturellen Dynamiken, die dazu beigetragen haben, die derzeitigen Eliten an die Macht zu bringen, befinden sich in einem frühen Stadium der Veränderung und Umkehrung.“

Daraus ergibt sich selbstverständlich kein Automatismus. Jedoch betont O’Keeffe „dass das Potenzial für einen tatsächlichen systemischen Wandel – für eine echte gesellschaftliche Wende in eine positive Richtung – wohl größer ist als seit Hunderten von Jahren.“ Wer gut sprechen, rechnen und lesen kann, wird auch weiterhin im Vorteil sein, solange er auch lernt, mit der KI umzugehen. Das werden die Kennzeichen der neuen Elite sein. Heutige Politiker sowie risikoaverse und ineffiziente Bürokraten, das Personal des gegenwärtigen „Regimes der Manager“, das kann man als gesichert ansehen, werden kaum dabei sein.

Quellen:

Everyone Agrees Our Elites Are Terrible, So Why Are We Stuck with Them?


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