28. März 2024

Umweltschutz Sichert nur der Staat natürliche Ressourcen langfristig?

Raubbau findet sich vor allem in staatsinterventionistischen Systemen

von Olivier Kessler

Artikelbild
Bildquelle: pzAxe / Shutterstock Indien liegt im Index für wirtschaftliche Freiheit auf Rang 131: In Bezug auf die Umweltverschmutzung landet es hingegen auf vorderen Plätzen

Oft werden Menschen pauschal für den Abbau von Ressourcen beschuldigt. Doch dies greift zu kurz. Um überleben zu können, muss die Menschheit produzieren und konsumieren. Und dafür muss sie natürliche Ressourcen verwenden, die zu diesem Zweck zur Verfügung stehen. In jeglicher Nutzung von Ressourcen eine „Schädigung“ der Umwelt zu verorten, verkennt, dass der Mensch auch ein Teil der Natur ist. Die künstliche Zweiteilung der Welt in eine reine, unangetastete und saubere Umwelt einerseits und einen Fremdkörper namens Menschen andererseits ist realitätsfremd. Trotz der in Mode gekommenen Rousseau’schen Romantisierung der naturbelassenen Umwelt möchte heute sicherlich niemand mehr in prähistorischen Zeiten leben, als die Menschen regelmäßig von Hungersnöten heimgesucht, von Pestseuchen dahingerafft und von wilden Raubtieren gefressen wurden. Die Existenz in einer Umwelt, die sich der Mensch nicht Untertan macht, ist im Gegensatz zum Komfort des modernen Lebens die Hölle.

Nichtsdestotrotz gibt es Bestrebungen, dem Anliegen „ökologischer Nachhaltigkeit“ Rechnung zu tragen, indem man menschliches Handeln und individuelle Freiheit durch staatliche Verbote und Beschränkungen eingrenzt – eine Methode, die etatistische Ideologen als eine Art Chemotherapie gegen die „krebsartige Ausbreitung des Menschen“ verstehen; als ein zum Schutz der Natur nötiges Zähmen und Einsperren dieses unnatürlichen Menschenwesens in einen Käfig. Doch gerade ein solches illiberales Vorpreschen würde sich als kontraproduktiv erweisen.

Wirtschaftlich repressive Länder schneiden in Sachen Umweltschutz sowie bei weiteren positiven Indikatoren systematisch schlechter ab. Wirtschaftliche Freiheit geht nicht mit einer rücksichtslosen Ausbeutung natürlicher Ressourcen einher. Dies zeigt sich am Beispiel von Holz. Die Waldfläche ist in der Schweiz – dem drittfreiesten Land der Welt gemäß dem Index wirtschaftlicher Freiheit –von 11.510 Quadratkilometern im Jahr 1990 auf 12.540 Quadratkilometer im Jahr 2015 gewachsen. Auch im wirtschaftlich drittfreiesten Land der Welt, Neuseeland, hat sich die Waldfläche im selben Zeitraum ausgedehnt: von 96.580 auf 101.520 Quadratkilometer; genauso wie im wirtschaftlich sechstfreiesten Land, Irland, wo der Wald von 4.650 Quadratkilometer auf 7.540 Quadratkilometer gewachsen ist. Vom wirtschaftlich freiesten Land Hongkong gibt es keine Zahlen, und in Singapur – dem wirtschaftlich zweitfreiesten Land der Welt – sind die Waldflächen seit 1990 konstant geblieben.

Mehr Markt bedeutet nachweislich mehr gesellschaftlichen Reichtum – und reichere Gesellschaften gehen tendenziell schonender mit knappen Ressourcen um. Es gibt Indizien, dass das, was im globalen Vergleich gilt, auch im Kleinen gilt: Je wohlhabender ein Haushalt ist, desto schonender fällt der Umgang mit Ressourcen aus. Bernd Biliteski, Professor für Abfallwirtschaft, meint, man könne den Lebensstandard eines Haushalts sehr exakt an dessen Mülltonneninhalt erkennen: „Wohlhabende kaufen viel mehr frische Sachen ein und produzieren daher weniger Verpackungsabfall.“

Heutige Umweltaktivisten versuchen durch ihre „Mehr Staat“-Rhetorik eine weitere Schwächung der umweltschonenden Privateigentumsordnung zu erreichen und befördern damit die berühmt-berüchtigte Tragik der Allmende herauf, die zu einer Übernutzung knapper Ressourcen führt, die Umwelt ausbeutet und sie massiv schädigt. Als Allmende wird ein Stück Land bezeichnet, das sich im Kollektivbesitz befindet. Ein Stück Land, das also von mehreren Bauern benutzt und geteilt wird. Diese Bauern werden ihre eigenen Kühe jeweils möglichst lange auf diesem Grundstück grasen lassen, weil dies auf Kosten der anderen Bauern geht. Sie haben keinen Anreiz, ihre Kühe rechtzeitig wegzuführen, damit es nicht zur Überweidung kommt, weil dann einfach die anderen Bauern ihre Kühe dort weiden lassen würden. Durch diese Übernutzung von Kollektivgütern entstehen nachhaltige Schäden an der Umwelt.

Die Tragik der Allmende offenbart sich beispielsweise, wenn Eigentumsrechte an Flüssen nicht klar zugewiesen sind: So hat etwa eine Baumwollfarm, die weiter oben am Fluss domiziliert ist, keinen Anreiz, mit dem Wasser schonend umzugehen, weil die Kosten einer ineffizienten Nutzung nicht bei der Baumwollfarm, sondern weiter unten am Fluss anfällt, wenn dort das Wasser knapp wird. Dieses Phänomen der Kostenabwälzung auf Dritte wird in der Ökonomie „externe Kosten“ genannt und wäre in einer Ordnung mit klar zugewiesenen Eigentumsrechten lösbar: In einer solchen Ordnung könnte etwa durch die Messung der Zu- und Abflussstärke beim Grundstück der Baumwollfarm überprüft werden, ob der Grundstücksbesitzer die Wasserressourcen überbeansprucht und damit schadenersatzpflichtig gegenüber jenen Bewohnern wird, die weiter unten am Fluss wohnen.

Wäre die Eigentumsordnung intakt, wie es in einem vollständig kapitalistischen System der Fall wäre, könnte man gegen die Verursacher von Umweltschäden klagen, die damit die Gesundheit oder das Eigentum ihrer Mitmenschen in Mitleidenschaft ziehen. Durch den Preismechanismus und allfällige mögliche Schadenersatzzahlungen werden die Menschen dazu angehalten, sich möglichst umweltschonend zu verhalten.

Raubbau an der Natur wird vor allem in staatsinterventionistischen und ökosozialistischen Systemen begangen. Dies wird bei einem beispielhaften Blick auf die damalige DDR klar. Die DDR-Führung sah sich beim Schutz der Umwelt gern in der Rolle einer Vorreiterin: Sie schrieb im Jahr 1968 den Umweltschutz als Staatsziel in der Verfassung fest und gründete 1972 – bereits 15 Jahre vor der westlichen Bundesrepublik – ein eigenes Umweltministerium. Die desaströse Umweltsituation in der DDR war von diesem Anspruch allerdings meilenweit entfernt.

Unter anderem eine verschwenderische planwirtschaftliche Produktion sowie Wasser- und Energieversorgung verursachten gewaltige Schäden an der Natur. Obwohl die Wirtschaftsleistung der DDR pro Person im Jahr 1989 nur etwa 60 Prozent der Wirtschaftsleistung der BRD betrug, war das Ausmaß der Umweltverschmutzung deutlich ausgeprägter. Jeder zweite größere Fluss der DDR war biologisch tot. 1989 wurden 9,6 der rund 16 Millionen DDR-Bürger aufgrund der Übernutzung und der mangelhaften Aufbereitung mit belastetem Trinkwasser versorgt, das nicht dem Standard des Westens genügte. Etwa ein Drittel der Bevölkerung erhielt bakteriologisch nicht einwandfreies Trinkwasser, was zu einer hohen Verbreitung von Durchfallerkrankungen führte. Auch deckte die DDR über 80 Prozent des Energiebedarfs mit Braunkohlekraftwerken, die einen nur etwa halb so hohen Wirkungsgrad aufwiesen wie vergleichbare Braunkohlekraftwerke in Westdeutschland. Viel Energie entwich deshalb ungenutzt in die Atmosphäre. Dies führte dazu, dass in den 1970er und 1980er Jahren der CO2-Ausstoss der DDR pro Kopf einer der höchsten der Welt war.

Es ist daher naiv zu glauben, dass der Staat sparsamer als Private mit Ressourcen umgehen könnte. Vielmehr zeigt die Erfahrung, dass die Ressourcenverschwendung umso gravierender wird, je mehr der Staat in Märkte eingreift.


Sie schätzen diesen Artikel? Die Freiheitsfunken sollen auch in Zukunft frei zugänglich erscheinen und immer heller und breiter sprühen. Die Sichtbarkeit ohne Bezahlschranken ist uns wichtig. Deshalb sind wir auf Ihre Hilfe angewiesen. Freiheit gibt es nicht geschenkt. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit.

PayPal Überweisung Bitcoin und Monero


Kennen Sie schon unseren Newsletter? Hier geht es zur Anmeldung.

Artikel bewerten

Artikel teilen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv nur registrierten Benutzern zur Verfügung.

Wenn Sie bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, können Sie sich mit dem Registrierungsformular ein kostenloses Konto erstellen.