14. Januar 2026 11:00

Technokratie und geopolitische Macht Technokratische Pläne und geopolitische Machtansprüche: Ein Blick auf historische und aktuelle Strategien

Von Howard Scotts Visionen bis zu modernen US-Interessen in Venezuela und Grönland

von Axel B.C. Krauss drucken

"Technate of America", Karte von 1940
Bildquelle: Eigenes Bild "Technate of America", Karte von 1940

Kolumbien? Venezuela? Grönland? Neufundland?

Ein Blick zurück ins Programmheft …

„Die Regierung der Vereinigten Staaten sollte unverzüglich Maßnahmen ergreifen, um diese Gebiete und andere, wie Grönland und die Galapagosinseln, zu erwerben. Der Erwerb dieser Gebiete sollte ein obligatorischer Bestandteil des Programms zur Verteidigung des Kontinents sein und unverzüglich erfolgen – entweder durch Kauf, Verhandlungen oder mit Waffengewalt.“

Unter anderem Grönland? Nötigenfalls auch mit Waffengewalt, also militärisch? Einen solchen Schritt hatte Trump ja nicht ausgeschlossen. So wie sich das liest, stammt es sicher aus einem außenpolitischen Papier eines US-Thinktanks, richtig? Und ist wahrscheinlich nicht älter als seine erste Amtszeit, reicht also vermutlich nur bis 2016 zurück, korrekt?

Falsch.

Doch schmökern wir ruhig ein wenig weiter. Denn nicht nur Grönland und die Galapagosinseln, sondern auch einige südamerikanische Länder sollten einverleibt werden. Das Territorium der Vereinigten Staaten müsse unbedingt erweitert werden, um es angemessen verteidigen zu können und zum sogenannten „Großen Amerikanischen Technat“ umzuformen. Doch um welche weiteren Länder ging es? Dieses neue „Technate of America“ sollte auch ganz Kanada, das bereits erwähnte Grönland und zumindest auch Teile von Kolumbien einschließen und – Venezuela. Es sollte sich bis zu den Bermudas, St. John’s (Neufundland) und bis nach Attu, Georgetown (Guyana) und Pago Pago erstrecken.

„Auf der diesem Thema beigefügten Karte ist das geografische Gebiet eingezeichnet, das für die angemessene Verteidigung und den Betrieb dieses Kontinentalgebiets erforderlich ist. Wir sollten unverzüglich unsere Absicht bekunden, diese Gebiete nicht als separate politische Einheiten, sondern als Teil des nordamerikanischen Kontinents zu konsolidieren. … Amerika muss alle nordamerikanischen Gebiete auf der beigefügten Karte des Technats besitzen, um diesen Kontinent verteidigen zu können.“

Diese Vorschläge stammen weder von irgendeiner zeitgenössischen außenpolitisch-strategischen Denkfabrik noch von Trump, sondern reichen, wie ich in einem etwas länger zurückliegenden Artikel bereits erläutert hatte, in eine Zeit vor seiner Geburt zurück. Obige Worte stammen nämlich von einem Technokraten namens Howard Scott (1890–1970). Sie finden sich in Scotts Artikel „America Now and Forever“, erschienen im Juli 1940, als Teil einer Sammlung mehrerer Artikel und Essays zur Technokratie. Scott war Gründer und Direktor der Organisation „Technocracy Inc.“.

Eigentlich war auch von Anfang an klar, dass die gegen Maduro erhobenen Vorwürfe nicht das ganze Bild lieferten. Mehr noch: Historisch Bewanderte dürften sich köstlich amüsiert haben. Auch ich habe geschmunzelt: Wie bitte? Die Vorwürfe lauten auf Drogenschmuggel und Waffenhandel? Köstlich. Dabei sind US-Regierungen, egal unter welchem Präsidenten, schon seit langer Zeit die größten Waffenhehler des Planeten – zum Beispiel, wenn es um die Bewaffnung diverser Terrorgruppen zur Destabilisierung ganzer Länder geht, die man daraufhin „humanitär“ befrieden, sprich von einer Washington hörigen Marionettenregierung verwalten und somit seinen geopolitischen Einflussbereich vergrößern kann. Und Drogen, naja: Erinnert sich jemand beispielsweise an die Geschichte von „Air America“? Der US-Auslandsgeheimdienst hatte Koks in die USA geschmuggelt, aus dessen Verkaufserlös die CIA allerlei illegale Operationen („Black Ops“) im Ausland finanzierte. Zum Beispiel im Rahmen der berüchtigten „Iran-Contra-Affäre“. Oder Opium bzw. Heroin aus Afghanistan. Nicht umsonst ließ das US-Justizministerium, nachdem Maduro nach New York verbracht und offiziell angeklagt worden war, die Vorwürfe der Anklageschrift schnell fallen. Zu den vorgebrachten Anklagepunkten gehörte auch, Maduro sei Anführer eines Drogenrings namens „Cartel de los Soles“ gewesen. Kritiker auch aus den Reihen des Regierungsapparats halten dies jedoch für eine Erfindung: Ein solches Kartell gäbe es gar nicht. Wie dem auch sei, wird nun behauptet, Maduro sei in den Kokainhandel verstrickt gewesen.

Dann hieß es, das venezolanische Öl gehöre eigentlich den USA, also her damit, nötigenfalls mit militärischer Gewalt. Trump selbst sagte erst kürzlich, es könne sein, dass Venezuela noch viele Jahre unter amerikanische Kontrolle gestellt bleibe. Das ist ein wichtiges Stichwort in diesem Zusammenhang: Längerfristige, möglicherweise permanente Kontrolle. Denn genau darum geht es dem derzeit vollzogenen Wechsel von den etablierten politischen Systemen hin zum technokratischen Management ja sowieso.

Ein weiterer interessanter Grund, der in vielen Kommentaren eher unterging: Es könnte auch um Regieren im Ausnahmezustand gehen, man könnte auch sagen: unter einem permanenten Krisenmodus. Das fiele dann in die schon vor einigen Jahren angekündigte „Polykrise“ bzw. das „Zeitalter der Polykrisen“ (Klima, Krisen, Kriege, Pandemien), das die Menschheit angeblich zu akzeptieren habe. Im Ausnahmezustand oder einer Spielart davon lassen sich nämlich politische Entscheidungen „legitimieren“, die ohne solche Krisen nicht ohne Weiteres und nur unter Durchlaufen der gewohnten Entscheidungskanäle längere Zeit benötigen könnten. Also müssen „Notlagen“ her. Diese werden zunächst zwar als „vorübergehend“ und die angebotenen Lösungen als „Übergangslösungen“ deklariert, letzten Endes aber könnte die dadurch eingeführte, neue Art der globaltechnokratischen Regierungsführung dauerhaft werden.

„Im internationalen Vokabular spricht man von »Sicherheits- und Transparenzstandards«. Die operative Realität: Die Partei, die das Gebiet zerstört hat, kontrolliert, wer an dessen Wiederaufbau beteiligt sein darf, legt die Bedingungen fest, unter denen diese tätig werden dürfen, und tut dies unter Verwendung von Mitteln, die von Dritten bereitgestellt werden, wobei die Erträge an vierte Parteien fließen. […] Der Vorschlag der UN-Notfallplattform, der im Rahmen des UN-Pakts für die Zukunft vorgelegt wurde, formalisiert die bereits in diesem Rahmenwerk enthaltene Regierungsform. Er wurde als Reaktion auf »komplexe globale Schocks« konzipiert und würde dem Generalsekretär die Befugnis einräumen, rasch eine Sitzung einzuberufen, wenn Krisen »grenz- und bereichsübergreifende Ausbreitung« zeigen. […] Das aufschlussreichste Detail: Es gibt keine Verfallsklausel. […] Der Wiederaufbau der Ukraine war wegweisend für dieses Modell. Gaza verfeinert es derzeit. Venezuela und Iran könnten als Nächste folgen. Die Architektur ist skalierbar. Was als Notfallmaßnahme beginnt, wird durch Verfahrensabweichungen zu einem dauerhaften Betriebsverfahren. Jede Überprüfung kommt zu dem Ergebnis, dass »Fortschritte erzielt wurden, aber noch mehr Arbeit erforderlich ist«. […] Der Übergang findet nie wirklich statt, weil er nie die eigentliche Funktion war.“ (ESC, 3. Januar 2026, „Die Architektur der Notlage“).

Welches Land auf eingangs erwähnter Liste kommt als Nächstes? Vielleicht der Iran. Vielleicht auch Grönland.

„Am Montag [5. Januar 2026, meine Anmerkung] behauptete Trumps oberster Berater und stellvertretender Stabschef Stephen Miller, dass Grönland zu den Vereinigten Staaten gehöre und dass das US-Militär das halbautonome dänische Territorium einnehmen könne. Am 3. Januar veröffentlichte Katie Miller, die Ehefrau von Stephen Miller, ein Meme von Grönland, überlagert mit den Farben der amerikanischen Flagge und dem einzigen Wort »SOON« (bald). Bemerkenswert ist, dass Katie Miller Beraterin und Sprecherin von Elon Musks Department of Government Efficiency (DOGE) und anschließend direkt bei ihm angestellt war, bevor sie das Unternehmen verließ, um einen Podcast zu starten.“ (Derrick Broze, „Die technokratische Venezuela-Connection“, 10. Januar 2026).

Bis nächste Woche.

Quellen:

https://example.com/amerika-und-technate


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